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90 Jahre Hugh Hefner

Playboy-Gründer, Aufklärer, Freiheitskämpfer

Playboy-Chefredakteur Florian Boitin gratuliert Hugh Hefner

Am 9. April 1926 wurde Hugh Hefner geboren. Hier gratuliert Florian Boitin, der Chefredakteur des deutschen Playboy, dem Gründer des Magazins zum Geburtstag

Der Mann, der nach grober Schätzung mindestens 1000 Frauen in seinem Bett hatte, sehnt sich offenbar nach einem finalen Rendezvous: „Marilyn wird mein letztes Date sein – und ich hoffe sehr, dass aus uns was wird“, verriet Hugh Hefner mal in einem Interview.

Mit Marilyn Monroe verbindet den Peter Pan der sexuellen Revolution nicht nur das Geburtsjahr 1926, auch sein Lebenswerk ist untrennbar mit der berühmtesten Blondine der Welt verknüpft. Nach einem erfolgreich beendeten Psychologie-Studium und ersten Jobs als Werbetexter hat Hefner zwar anfangs nur wenig Geld in der Tasche, dafür aber einen großen Traum im Kopf. So muss sich der 27-jährige 1000 Dollar von seiner Mutter leihen und investiert die Hälfte davon in Kalenderfotos mit der unbekleideten Monroe. Es ist das Jahr 1953. Das erste Enthüllungsmagazin der Welt geht an den Start. Und die Premieren-Ausgabe des Playboy mit MM auf dem Titel ist am Kiosk nach wenigen Tagen vergriffen.

Hefners Männermagazin wird in den 1960er-Jahren erst zur auflagenstärksten Zeitschrift Amerikas – und bald darauf zur Weltmarke. Kaum verwunderlich, dass der Playboy-Gründer sich später dann Grab neben der 1962 verstorbenen Film-Diva sicherte.


Die Playboy-Philosophie

Hugh Marston Hefner feiert am kommenden Samstag, den 9. April, seinen 90. Geburtstag. Das hier ist dementsprechend also kein Nachruf, sondern die Würdigung einer sehr lebendigen Legende.

Was war es, das den Playboy-Erfinder nicht nur zu einem der bedeutendsten Magazin-Macher, sondern auch zu einem der einflussreichsten Freiheits-Kämpfer unserer Zeit machte? Hefners unermüdlicher Einsatz galt ja nie nur der sexuellen Befreiung. Sein Wirken richtete sich stets gegen jegliche Form von Unterdrückung, Ausgrenzung und Benachteiligung. Wie ein Blick zurück zu den Playboy-Anfängen zeigt.

Hefner erlebte in den 1950er- und 60er-Jahren ein Amerika, das geprägt war von Prüderie, Zensur und Rassismus. Der amerikanische Traum beschränkte sich im Wesentlichen auf Wohlstand – einen Wohlstand allerdings, der fast ausschließlich der weißen Bevölkerung vorbehalten sein sollte. Hugh Hefner setzte schon in seinem 1962 veröffentlichtem Buch „Die Playboy-Philosophie“ die Gedanken der Staatsgründer und der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung dagegen: „Alle Menschen sind gleich“ und haben das „Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ – also den Pursuit of Happiness.

Hefner ging es vordringlich um sexuelle Selbstbestimmung. Doch diese war, dessen war er sich stets bewusst, ohne politische Emanzipation und Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß nicht möglich. „Der amerikanische Traum“, sagte er mal, „bedeutet für mich persönliche, ökonomische und politische Freiheit.“

Und Hugh Hefner – Vertraute nennen ihn Hef – beließ es nicht bei Worten. Mit der Playboy Foundation rief der Verleger eine gesellschaftliche Instanz ins Leben, die bei Aufsehen erregenden Klagen gegen Pressezensur und puritanische Sexualgesetze die Anwaltskosten übernahm.

Auch als Chefredakteur setzte Hefner Ausrufezeichen für Aufklärung und Freiheitsdenken – und damit gegen Rassismus und Intoleranz. Seit 1962 findet in jeder Playboy-Ausgabe eine Textgattung ihren Platz, die bis heute ein wichtiger Teil der Magazin-DNA ist: Das Playboy-Interview. Meinungsführer wie der Schwarzen-Aktivist Malcolm X, der Skandal-Autor Vladimir Nabokov („Lolita“), der kubanische Staatschef Fidel Castro (dessen Interview-Mitschnitt heimlich in die USA eingeschmuggelt werden musste) oder der französische Philosoph Jean-Paul Sartre äußerten im Playboy ausführlich und mit großer Offenheit ihre Ansichten.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für seine Überzeugungen gab Hefner 1966 im Rahmen eines geplanten Interviews mit dem US-amerikanischen Neo-Faschisten George Lincoln Rockwell. Der hatte Hefner vorab wissen lassen, dass er nicht mit einem jüdischen Playboy-Reporter sprechen würde. Daraufhin schickte der Bunny-Boss den farbigen Schriftsteller Alex Haley („Roots“) zum Gespräch.


Erfinder des Playmate-Centerfolds

Tief beeindruckt von seiner ersten Begegnung mit Hefner im Jahre 1972, schwärmt der erste Redaktionsleiter der deutschen Ausgabe, Raimund LeViseur (2015), vom Playboy-Chef: „Dieser Hefner war alles andere als die Karikatur eines Sexmagazin-Tycoons, er war ein sinnlicher, instinktiver, traumwandlerischer Kompositeur der exotischen Pflanze Magazin. Ja, ich wage es, seit dieser Nacht zu sagen: Er ist auf seine Weise ein Genie.“

Genial war sicher Hefs Idee zu der bis heute – zumindest in der deutschen Ausgabe – gültigen Themenmischung des Magazins: dem Dreiklang aus engagiertem Journalismus, unterhaltsamen Lebensart-Themen und hochwertiger Aktfotografie. Das von ihm erfundene „Centerfold“, also das ausklappbare Playmate-Poster in der Heftmitte, wurde 1981 sogar in einem gleichnamigen Nummer-eins-Hit der J.Geils Band verewigt.

Auch das Gespür, den Playboy nicht nur als reine Zeitschrift zu begreifen, sondern das Hasenreich innerhalb von nur wenigen Jahren zu einem weltweiten Markenimperium auszubauen – mit Nachtclubs, Merchandising-Artikeln, TV-Shows und zahlreichen Lizenzausgaben –, zeugt von visionärer Kraft. 

Jetzt, am Ende Hefs neunter Lebensdekade, ist viel in Bewegung in dem von ihm gegründeten Playboy-Universum. Das Unternehmen steht laut Medienberichten samt der berühmten Playboy Mansion zum Verkauf – und die US-Ausgabe hat sich mit einem letzten Akt von Pamela Anderson endgültig von der Veröffentlichung nackter Tatsachen verabschiedet. Angeblich mit dem Segen des Playboy-Gründers. Was wohl Marilyn Monroe dazu sagen würde...?

Dieser Text erschien erstmalig als Gastbeitrag für das Magazin „Focus" (Nr. 14/16). ​

Autor: Florian Boitin
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