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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Playboy in Therapie

Wenn Männer zu viel lieben

Playboy in Therapie

Unserem jungen Kollegen wuchsen die eigenen Bettgeschichten über den Kopf – und er versuchte, sein Leben mit Hilfe eines selbst verordneten Therapieplans wieder in den Griff zu bekommen: nur noch Frauen für jeweils einen Tag. Oder ein paar Stunden. Aber hilft Sex, Probleme zu lösen, die Sex verursacht hat?

Viele Leute glauben, es sei Luxus, beruflich bedingt von schönen Frauen umgeben zu sein. Die Wahrheit aber lautet: Professioneller Druck schreit nach privatem Ausgleich – und der ist in diesem Fall brandgefährlich. Zumal für einen Ladies’ Man in Playboy-Ausbildung, der keinen Mangel an unkeuschen Angeboten leidet. Ungezählte Spontanaffären kostete ich im vergangenen Jahr aus – und zertrümmerte dadurch nach und nach mein gesamtes Sozialleben: brach Herzen, zerstörte Freundschaften, blieb Tausende Antworten schuldig. Mein Telefon stand irgendwann nicht mehr still, aber dafür ich auf dem Gipfel eines imposanten Scherbenhaufens. Umgeben von Chaos, Enttäuschung, Nervenkrieg. Litt ich an sexuellem Burn-out? War es ein Suchtproblem? Egal, wie ich es nannte, ich musste etwas ändern – und legte mir folgenden Plan zurecht: Eine Frau pro Tag sollte fortan reichen. Und zwar mit der klaren Verabredung, dass es bei einem Mal bleiben würde. Keine Hoffnungen, keine Candlelight-Dinner, keine SMS. Was mir die Methode gebracht hat? Das Protokoll meiner ersten Therapiewoche:

Tag 1, Elise

Elise weht in mein Apartment, streift die Schuhe ab und lässt sich gleich neben mir aufs Sofa fallen wie eine alte Bekannte. Ein schneller Begrüßungskuss, dann lächelt sie erwartungsvoll in meine dunkel umrandeten Augen. Hatte ich ihr gestern im Suff irgendwas versprochen? Mist, das könnte meinen Plan durcheinanderbringen: ab heute keine Versprechen und keine falsche Romantik mehr. Leider weiß ich nicht viel vom Vorabend. Auf den Unterarmen trage ich mehr Club-Stempel als ein Fußballer Tattoos. Meine Haare stehen zu Berge, der Kopf hämmert. Elise dagegen scheint den Abend besser verkraftet zu haben. Sie sieht aus, wie eine 1,76 m große, blonde, gut gelaunte und gebaute Schwedin auf Berlin-Urlaub halt aussieht: gebräunte Beine, enge Hotpants, weites Tanktop, das den Blick auf einen schwarzen BH freigibt. „Wie lange warst du gestern noch da?“, forsche ich, während sie die Sonnenbrille in ihrer Ledertasche verstaut, aus deren Nebenfach ein Bierdeckel mit meiner Adresse ragt. „Ach, nicht mehr lange. Musste ja die anderen ins Hotel bringen.“ Sie legt ihre Hand auf mein Knie. „Und wann musst du zurück nach, äh, Dings, nach Stockholm?“ – „Heute Nacht“, sagt sie. Kann es so einfach sein? Ja, kann es. Sie will Weißwein, und den restlichen Nachmittag schreien wir zweistimmig in meinen Hinterhof. Erst vom Esstisch, dann vom Bett aus. Nur manchmal wechselt Elise ins Englische, um mir Instruktionen zu geben. Ab und zu trinken wir Wein. Dann kracht irgendwann die Badtür. Und wenig später die Haustür. Ein schneller Kuss noch. Keine Fragen. Sie hat mich als Ferienfick benutzt. Er scheint also aufzugehen, mein neuer Lebensplan. Hoffentlich geht das so weiter.

Tag 2, Maren

"Ich mache das eigentlich nicht – nicht beim ersten Date.“ Maren windet sich auf meinem Sofa und haucht moralische Bedenken in die Luft, während ich ihren Bauchnabel küsse, ihren Hosenknopf öffne und mit der anderen Hand versuche, meine Schuhbänder zu lösen. Schlechte Arbeitsteilung. Vor ein paar Stunden sprach ich sie an der Warschauer Straße an, als sie einem Flanellhemd-Barden lauschte, und stellte mir vor, wie sie nackt aussieht.

"Das geht eigentlich echt nicht, flüstert sie und drückt meine Lippen noch fester in ihren Schoß"

Nun weiß ich es. Aber hat sie nicht verstanden, was ich sagte? Ich suche keine Liebe. Kein zweites, drittes, viertes Date. Es geht um heute, um jetzt gleich. Zu mir oder zu dir, stocknüchtern. Sie gefällt mir, fertig. Feier­abendverkehr. Ein Drink am Kiosk, und jetzt sind wir hier. „Das geht eigentlich echt nicht“, flüstert sie, krallt sich in mein Haar und drückt meine Lippen noch fester in ihren Schoß. „Eigentlich nicht“ ist meine Beschwörungsformel. Die schönste Art, einem Mann das Gefühl zu geben, er würde eine Frau erobern. Und ich brilliere, gemessen an meinen Standards. „Kannst du mich nach Hause fahren?“, fragt sie eine halbe Stunde nach ihrer ersten und zweiten Eroberung. Dabei versteckt sie ihren schlanken Körper unter der Decke, obwohl es dunkel ist und immer noch 30 Grad warm. „Das mache ich eigentlich nicht. Nicht beim ersten Date“, gebe ich knapp zurück. Doch ein Blitzer auf der Frankfurter Allee schießt uns wenig später ein Erinnerungsfoto. So viel Romantik müsste noch okay sein, oder? Ich bin mein eigener Therapeut und darf bestimmen. Ganz ohne Romantik wäre es besser, beschließe ich und durchforste nach dem Heimkommen die Dating-Portale, in denen ich angemeldet bin. Ich kontaktiere die vier Schönsten, die mich gut finden. Mit einer verabrede ich mich für den nächsten Abend. Geht doch. Ich fühle mich schon viel besser.

Tag 3, Anja

Die Barkeeperin des „Primitiv“ nickt uns belustigt zu. Sie erkennt mich daran, dass ich immer mit einer anderen Frau reinkomme. Und vermutlich erkennt sie auch Anja, meine Schöne aus dem DatingPortal. Schließlich kennt jede Frau Anja, die große Blonde, die sich neben mir hypnotisch langsam die vollen Haare hinter die Ohren streicht. Anja wirbt für Strumpfhosen, Joghurts und Bausparverträge. Sie ist kein Model, sie ist ein People-Model – was einen Unterschied von mindestens sechs BMI-Punkten und mehreren tausend Euro Tagesgage ausmacht. Kurz: Sie sieht nur annähernd perfekt aus und lässt sich gern einladen. Mehr kann ich über sie nicht sagen. „Du warst in New York?“, frage ich. „Ja, war klasse. Aber ich musste ewig auf mein Gepäck warten.“ – „Und wie war Kapstadt?“ – „Total schön. Aber die Zimmer waren ziemlich dreckig.“ Mir fallen fast die Augen zu. Selber schuld, wer gräbt schon ein Profi-Model an? Ich brauche etwas, das mich wieder wach macht, und streichle einfach dreist ihren Oberschenkel. Danach geht alles ziemlich schnell. Austrinken, zahlen, Taxi, Bett. Als sie weg ist („Ich hab morgen einen stressigen Tag, ich rufe dir jetzt ein Taxi“), fühle ich mich leer. Alles, was mich beschäftigt, ist die Frage: Wer hat den Frauen eigentlich eingeredet, dass es sexy sei, sich vollständig von ihrer Schambehaarung zu trennen? Mir ist nach persönlicher Ansprache. Doch um einen Kumpel anzurufen, ist es zu spät. Vielleicht lieber eine Bekannte? Die kühle Blonde, die mir neulich auf Sylt ihre Nummer zusteckte, als ich so besoffen war? Wie hieß sie noch gleich?

Tag 4, Fiona

Richtig, Fiona hieß sie, und am nächsten Abend steht sie bei mir auf der Matte. „Hi, wie geht’s?“ – sie marschiert an mir vorbei in die Wohnung. „Ich mache mal das Fenster auf, ja?“ Ich biete ihr ein Glas Wein an, sie nippt und verzieht den Mund. „Iiih, nee, der ist nicht so meins.“ Das einzig Freundliche an ihr ist ihr Lipgloss. Wie konnte ich das ahnen? Als ich auf Sylt mit ihr sprach, muss ich wirklich volltrunken gewesen sein. Sie fängt mit Verona-Pooth-Stimme an, über Berlin zu schimpfen. Unverschämte Autofahrer, unverschämte Kellner, unverschämte . . . ich schweife in Gedanken ab und bedauere den Kerl, der eines Tages ihr Mann ist. Ich ertrage sie kaum 20 Minuten in meiner Wohnung. Merkt sie nicht, dass ich nicht ihr Typ bin? Oder ist dieses überzüchtete Schmagendorfer-Töchterchen meine Nemesis – die göttliche Rache, die mich irgendwann für meine Sünden treffen musste? „Komm, wir gehen jetzt ins ,Felix‘“, befiehlt Fiona und reißt mich aus meinen Gedanken. „Los, wir nehmen ein Taxi“, diktiert sie.

An der nächsten Ecke bitte ich den Fahrer, kurz anzuhalten, gebe ihm zwei Euro und steige aus. Die Luft ist angenehm kühl an diesem Abend. Ich atme durch, spaziere zurück zu meiner Haustür, drehe mich gar nicht erst um. Fiona keift aus der Ferne hinter mir her. Selten habe ich mich so gut und so frei gefühlt, der wahre Luxus: keiner Frau der Welt hinterhertrotten zu müssen, weil man sich Sex erhofft. Nein, ich bin tatsächlich nicht sexsüchtig. Ich spüre keinen Druck. Die Welt ist in Ordnung. Bin ich bereits geheilt?

Tag 5, Alexa

Der Spiegel fächert am Morgen detailreich Symptome von Vitaminmangel, Schlafentzug und Dehydration vor mir auf. Ich hätte meine sexuelle Heilung vielleicht doch nicht bis morgens um vier begießen sollen, dann sähe ich jetzt nicht so krank aus. Allerdings wäre mir dann auch Alexa nicht über den Weg gelaufen, mit der ich mich im Übermut für den heutigen Abend verabredet habe. Wir treffen uns in meiner Bar, die Barkeeperin grinst wieder. Und Alexa stellt fasziniert Fragen zu meinem Job. Schon die ersten Drinks schlagen heftig bei mir an. Ich werde euphorisch und interessiere mich brennend für ihre Ausbildung zur Goldschmiedin. Dann bin ich bedudelt und deute Alexas lebhafte Erzählungen als reifes, selbstbewusstes Auftreten. In Wirklichkeit ist sie einfach jung. Und unerfahren. Wie jung tatsächlich, fällt mir erst auf, als ich die Playlist höre, die sie neben meinem Bett laufen lässt. Die volle Kinderdisco-Schnulzendröhnung. Sie will alles ausprobieren und ist dabei fürchterlich unsicher. Und zum ersten Mal bereue ich bereits beim Sex, dass ich mich auf Sex eingelassen habe. Wie konnte das passieren? Ich hielt sie für abgebrüht, und jetzt lag da plötzlich ein gutes junges Mädchen neben einem bösen älteren Kerl. Ich sollte einfach nicht mehr so viel saufen. Hatte ich Alexa eigentlich die Konditionen deutlich genug erklärt, die mein Therapieplan vorsieht? Ich hole es nach, und während ich dabei ihren versteinernden Blick sehe, schwöre ich mir: nur noch starke, selbstbewusste Frauen! Was anderes kommt mir nicht mehr in die Kiste.

 Tag 6, Miriam

Miriam ist entweder wirklich sehr stark, oder sie ist Borderlinerin. Ich lerne sie nicht kennen, ich diagnostiziere sie. Schon nach ein paar ersten Wortwechseln hat sie mir an der Clubtheke, verpackt in einen Witz, an die Eier gefasst. Sie ist: sexuell hyperaktiv, von manipulativem, distanzlos-theatralischem Charakter, eine wandelnde Persönlichkeitsstörung – also eigentlich genau mein Typ. Zumindest im Dämmerlicht. Man sollte immer skeptisch bei Damen sein, die man vor dem „Berghain“ angesprochen hat. Oder vor einem anderen Berliner Techno-Club. Oder generell in Berlin. Miriam braucht jedenfalls keinen One-Night-Stand, sondern eine Therapie. Sie ist beschädigte Ware. Genau wie ich. Ich diagnostiziere immer weiter, und irgendwann schaue und höre ich mir beim Flirten selber zu. Ist es nicht jeden Tag dasselbe Schmierentheater? Ein Satz greift in den nächsten. Man versteht sich. Klar, auch Miriam und ich passen zusammen. Aber auf traurige Art. Wie eine Selbsthilfegruppe: Hallo, ich bin der Sebastian und will ständig bewundert und gevögelt werden. Ist das nicht so? Ist mein Playboy-Selbst vielleicht längst ein Fall für den Papierkorb? Miriam findet mich super und wird immer anschmiegsamer. Wir knutschen und fummeln – und dann ist mir plötzlich nach frischer Luft und Freiheit und einem Spaziergang nach Hause. Allein, ungezwungen. Niemanden mehr sehen, niemandem nahetreten. Sie ist enttäuscht, als ich mich plötzlich verabschiede und ihr obendrein das Versprechen verweigere, sie wiederzusehen. Keine will ich wiedersehen. Ich bin reif fürs Kloster und nehme mir vor, mir eine Abstinenzphase zu verordnen.

Tag 7, Katarina

"Na, wartest du wieder auf jemanden?“ Marcela, die Barkeeperin meines Vertrauens, stellt mir einen Maker’s Mark vor die Nase. Marcela, Ende 30, Kroatin, bis zur Hutkrempe tätowiert, hat noch nicht viel zu tun und kann mir zu Beginn meiner Klosterphase beistehen. „Nein, ich warte auf niemanden mehr.“ – „Quatsch nicht, du schleppst hier doch jeden Abend eine ab!“ – „Ja. Das war so ein Experiment.“ – „Bist du so was wie ein Pick-up-Artist?“– „Nein. Ich bin so was wie ein Break-up-Artist.“ Marcela lacht. „Und, was ist bei deinem Experiment rausgekommen?“ – „Dass ich keine mehr abschleppen werde.“

"Bist du ein Pick-up-Artist? Nein. Ich bin ein Break-up-Artist"

Marcela hält mich für verrückt. Vielleicht hat sie Recht, aber ich bin fest entschlossen. Ich lese eine Zeitschrift, ich trinke zwei Maker’s Mark. Ich lese noch eine Zeitschrift. Ich trinke noch zwei Maker’s Mark. Ich schaue mir die Leute im Laden nicht an. Schon gar nicht die Mädels. Ich zahle und gehe, ein bisschen angeschlagen von den Drinks, und remple an der Tür versehentlich jemanden an. „Sorry“, sage ich, blicke auf – und bin mit einem Schlag nüchtern. Ein markantes, aber äußerst feines Gesicht, Lippen wie gezeichnet, ein offener, wacher, kluger Blick. Eingerahmt von blonden Locken. Sie lacht. Sie ist groß. Ich bin komplett verwirrt. „Wo kommst du her?“ – die ehrlichste ist oft die dümmste Frage. Aber eine, die meistens Türen öffnet.

So lerne ich Katarina kennen. Und ich schweige hier ausnahmsweise über den weiteren Verlauf des Abends. Denn ich werde sie wiedersehen, immer wieder. Und ich habe noch keine Antwort gefunden auf die Frage, was das Resultat meines Therapieversuchs zu bedeuten hat: Ist es Liebe? Oder ist es nur eine Schutzreaktion meines Körpers auf die ständig wechselnden Sexpartnerinnen? Ich werde es herausfinden.

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Autor: Sebastian R. Tromm
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