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Der Big-Brother-Gipfel

Der G20-Gipfel ab Donnerstag in Hamburg wird eine Leistungsschau modernster Überwachungs- und Fahndungstechnik aus aller Welt. Ein Albtraum für Datenschützer.

Festung Hamburg

In Hamburg brennt die Luft. Seit Wochen sieht man in der Hansestadt im Vorfeld des G20-Gipfels groß angelegte Übungen mit Polizeihelikoptern, Hafentauchern und Straßensperren. Beamte trainieren an vermummten Statisten den Umgang mit Gewalttätern und haben ein weitläufiges Areal mit Nato-Stacheldraht gesichert, wo Festgenommene von Richtern in Schnellverfahren abgeurteilt werden können. Das mag beängstigend wirken, doch die stärksten staatlichen Waffen – gegen gewaltbereite G20-Gegner und womöglich auch radikale Islamisten – sind dieses Mal unsichtbar: Technologien, die die Grenzen gewöhnlicher deutscher Polizeiarbeit sprengen. Menschenmassenbeobachtung aus der Luft gehört dazu, die computergestützte Identifikation einzelner Personen in der Menge sowie der sekundenschnelle Datenabgleich mit Fahndungsprofilen aus anderen Ländern.

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Drohnen über Hamburg?

Allein die Augen und Ohren, die der Secret Service mitbringt, die Leibgarde von US-Präsident Donald Trump, ist ein Arsenal an modernsten Überwachungs-instrumenten, gekoppelt an gigantische Archive der Identitäten potenzieller Gefährder. Insider erwarten, dass auch die Spionage-Drohne Predator dabei sein wird. Hoch über den Köpfen der Demonstranten sollen demnach unbemannte Aufklärer mit einem geheimen Spionage-Paket namens Argus-IS kreisen, ursprünglich für das US-Militär entwickelt. Aus einer Flughöhe von 5,5 Kilometern können ihre Hochleistungskameras halb Hamburg erfassen. Und Hunderttausende von Menschen. Einzeln und in Echtzeit. Mit Argusaugen, die mit einer Bildschärfe von 1,8 Milliarden Pixel durch 65 aktive Fenster zugleich schauen.

Verbrecherjagd durch Algorithmen

Technisch besonders erstaunlich ist dabei die Fähigkeit, solche riesigen Bilddatenmengen auch tatsächlich zu verarbeiten und zu analysieren: Sind gesuchte Gefährder in der Menge? Selbst Heerscharen von Menschen vor Bildschirmen könnten Fragen wie diese nicht beantworten. Das kann nur künstliche Intelligenz – unter anderem mit Hilfe einer Hochleistungssoftware namens RIOT. Die „Rapid Information Overlay Technology“ vom US-Rüstungsunternehmen Raytheon, das auch Spionage-Sensoren für Drohnen und Exoskelette für Soldaten entwickelt, ist eine Suchmaschine der Superlative. Ist eine Zielperson ausgemacht, spuckt die Software umfangreiche Eckdaten aus: Telefonate und Kontakte, SMS-Texte und E-Mails sowie GPS-Standorte. Bei jeder Aktivität eines ins Visier genommenen Verdächtigen zeigt RIOT dessen Bewegung auf einer Landkarte. Wie Brotkrümel im Märchenwald ist die Route ablesbar – in Echtzeit, aber auch für zurückliegende Tage, Monate oder Jahre.

Digitale Super-Cops

Die internationalen Spione und Kriminalisten, die zum G20-Gipfel anreisen, haben noch ganz andere Hightech-Tools im Köcher. Zur Palette gehören auch Systeme wie Stingray von Harris Corporation – ein Gerät, das Sendemasten simuliert. Als sogenannter IMSI-Catcher lockt er Handys aus der Umgebung zum Andocken an. Dann kann Stingray Gespräche mitschneiden, SMS-Texte speichern und womöglich den gesamten Speicherinhalt eines Smartphones ohne Wissen des Inhabers downloaden. Ein leistungsfähiger IMSI-Catcher ist in der Lage, Tausende Mobil­telefone gleichzeitig anzuzapfen. Mit dem Gerät könne der Staat, so warnen Bürgerrechtler, Signale durch Wände und Kleidungsstücke empfangen. Oder auch der Watchhound von Berkeley Varitronic: Er spürt drahtlose Aktivitäten in Echtzeit auf. Ortet Stimmen, SMS-Texte oder sogar Handys im Stand-by-Modus und protokolliert alles samt Mobil-Nummern und Uhrzeit. All solche Gerätschaften führt der Secret Service im Gepäck, wenn er zum Schutz des US-Präsidenten unterwegs ist.

Big Brothers schlaue Brüder

Die Königsdisziplin der staatlichen Späher aber bleibt die Video-Überwachung großer Menschenmassen. Als die Besten im Westen, wenn es um die Erkennung aus der Luft geht, gelten die Drohnen- und Satelliten-Betreiber der amerikanischen National Geospacial-Intelligence Agency (NGA) – einer US-Behörde mit Sitz auf einem geheimen militärischen Gelände rund 20 Kilometer südlich von Washington, größer als das CIA-Hauptquartier, unbekannter als die NSA. Über Deutschland, so vermuten Experten, wird die NGA während des G20-Gipfels ihre Künste ebenso anwenden wie über Nordkorea oder den Konfliktgebieten in Nahost. Nur im eigenen Land ist es den Auslandsgeheimdiensten CIA, NSA und NGA gesetzlich verboten, US-Staatsbürger auszuspionieren. In Hamburg Anfang Juli aber – so sagt zumindest das US-Gesetz – dürfen sie.

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Autor: Jay Tuck
Ärger im Weißen Haus - Ein Playboy-Autor verteidigt den Journalismus
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