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Bei Auftrag Mord

Achim Schlöffel jagt Politiker mit Scharfschützen

Bei Auftrag Mord: Personenschützer Achim Schlöffel

Der Security-Spezialist Achim Schlöffel jagt Politiker mit Scharfschützen, stürmt mit Kampftauchern die Yachten von Oligarchen und setzt Bodyguards matt – alles im Auftrag seiner prominenten Zielpersonen, die sich nur eine Frage stellen: Bin ich sicher?

Seine rechte Hand umschließt das Messer in der Manteltasche. Achim Schlöffel, dunkle Wollmütze, hochgeschlagener Kragen, beschleunigt seine Schritte. Die Zielpersonen, Martin D. (Name geändert) und dessen Bodyguard, schlendern nur wenige Meter vor ihm her und sehen ihn nicht. Ein Frühlingsmorgen im Englischen Garten in München. Die Vögel singen, an den Zweigen der Büsche sprießt das erste Grün. Als sich der Bodyguard für den Bruchteil eines Moments von Martin D. abwendet, stößt Schlöffel zu.

Mit einer fast tänzerischen Körperdrehung gleitet er zwischen den zweien hindurch, jagt das Messer präzise neben D.s Brustbein zwischen dessen dritte und vierte Rippe und bringt sich mit dem Rest seiner Pirouette wieder auf Abstand und in Habacht-Stellung. Denn nun stürzt sich, wie erwartet, der Bodyguard auf ihn. Alles ist ein einziger schneller Bewegungsablauf, der keine Schrecksekunde lang dauert. Martin D. steht starr da, ungläubig, dass er noch lebt. Auf seiner Brust prangt ein grüner Fleck – aus der Farbpatrone von Schlöffels Messerattrappe. Nur der Schock ist echt. Schlöffel hat diesen Gesichtsausdruck schon oft gesehen.

„Viele erfolgreiche Menschen leben in Angst. In ständiger Angst“, sagt er später im Straßencafé. Schlöffels Job ist es, den Kunden diese Angst zu nehmen: Oligarchen, Scheichs und Politiker, die um ihren Besitz oder ihr Leben fürchten, bezahlen ihn dafür, dass er ihre Sicherheitsvorkehrungen einem Härtetest unterzieht. Allein oder mit einem Team aus Ex-Mitgliedern von Spezialeinheiten überfällt er Villen und kapert Yachten reicher Menschen. Alles in deren Auftrag.

Im Wasser kommt er als Froschmann aus der Tiefe. An Land als Krav-Maga-Kampfsportler aus dem Gelände – so wie hier im Englischen Garten. Martin D., ein Song-Texter, hatte für einen Rapper Zeilen verfasst, die ihm Feinde in der radikal-islamischen Szene machten. Seit einer Messerattacke 2014 verließ er nicht mehr ohne Bodyguard das Haus, fühlte sich dennoch ständig in Gefahr. Zu Recht, wie Schlöffel nun bewiesen hat.

Die 1,90-Meter-Mann gewordene Selbstsicherheit

Am Cafétisch in der Sonne legt der Herr Auftragskiller ab. Glatze, kantiges Kinn, ruhig fixierender Blick – die 1,90-Meter-Mann gewordene Selbstsicherheit. Ein wenig sieht er aus wie die Hauptfigur des Videospielklassikers „Hitman“. Ein Kämpfer, reserviert, ernst, direkt. Drei geschiedene Ehen hat er hinter sich, geht nie vor drei Uhr morgens ins Bett, schläft nie länger als vier Stunden, raucht nicht, trinkt nicht, sagt über sich selbst: „Es gibt viele Leute, die mich als arrogantes Arschloch bezeichnen.“

Schließlich lässt er nicht viele gern nah an sich heran und hinter die Fassade seines Erfolgs schauen. Diskretion gehört zu seinem Geschäft. Ebenso wie ein – gelinde gesagt – überzeugtes Auftreten. Wie wird man so? Wie wurde Schlöffel zum Top-Security-Experten mit Weltruf unter den Mächtigen und Reichen? Alles Selbstbehauptung? In den 70ern und 80ern wächst Achim Schlöffel in der Nähe von München auf, ein malerisches Oberbayern zwischen Seen und Bergen. Und entdeckt schon im Grundschulalter eine nicht ganz naheliegende Leidenschaft, die ihn nie mehr loslassen wird: Beim Schnorcheln im Urlaub mit den Eltern sieht der damals Siebenjährige am Grund einer griechischen Bucht ein Schiffswrack liegen. Will dort unbedingt hin und runter. Und schafft es auch irgendwie.

Security im Härtetest

Taucht auf, wenn seine Kunden am wenigsten damit rechnen: Kampfkünstler, Militärexperte und Rekordtaucher Achim Schlöffel hilft Mächtigen und Reichen dabei, sich besser beschützen zu lassen

Seitdem hört er nicht mehr auf zu trainieren. Ein Autodidakt unter Wasser mit immer neuen selbst gesetzten Zielen, der später Rekorde brechen soll. Der 2012 den Ärmelkanal in elfeinhalb Stunden durchtaucht – Weltrekord. Der fürs Militär Elite- Kampftaucher ausbildet. Das ist Schlöffels Zukunft, als ihn nach seiner Schulzeit und seiner Ausbildung zum Berufstaucher in den USA die Deutsche Bundeswehr ausmustert. Wegen einer Erdnussallergie.

„Jetzt erst recht“, denkt er damals. Er arbeitet für Marineparks, leitet Tauchcenter, begleitet Meeresschatzsucher Mel Fisher und weist Privatkunden in seine Kunst ein – darunter auch israelische Militärangehörige. Mitte der 90er wirbt ihn Israels Armee an, ab 1998 bildet er dort Kampftaucher aus, später auch in Asien und in den USA. Seine erbarmungslosen Drills sind bei den Rekruten gefürchtet, er wird Experte für Krav Maga, den israelischen Armee-Kampfsport. 2002 überlebt er in Jerusalem einen Selbstmordanschlag. Elf Menschen sterben, über 50 werden verletzt. „Ich hatte überall Glassplitter im Gesicht“, sagt er und schenkt sich Wasser nach.

„Was soll die Scheiße?!“

Ein Überfall wie an diesem Morgen in München ist dagegen ein Kinderspiel. Schlöffel leistet keinerlei Gegenwehr, als Martin D.s Bodyguard ihn nach der Attacke niederringen will und anbrüllt: „Was soll die Scheiße?!“ Schlöffel redet beruhigend auf den Mann ein. Oberste Priorität bei seinen Test-Überfällen ist es, niemanden zu verletzen. Keine Knarren. Selbst Elektroschocker lehnt er ab. In äußerster Notwehr würde er so einen Kerl im Nahkampf unschädlich machen.

Allerdings steht er bei seinen Einsätzen auch oft schwer bewaffneten Personenschützern gegenüber. Gelingt es ihm dennoch, sie auszutricksen, verschafft er ihnen eine Menge Arbeit: Sie müssen die jeweils entscheidende Lücke in ihrem Sicherheitskonzept schließen. Mancher Bodyguard verabschiedete sich nach Schlöffels spezieller Form der Unternehmensberatung gleich von seinem Job. Die Geschäftsidee hat Schlöffel 2002 – das heißt, im Grunde wird sie ihm auf dem Silbertablett angetragen.

Ein israelischer Stahlindustrieller hört damals von dem Deutschen und engagiert ihn als Tauchlehrer für seine Familie. Seit einem Anschlag auf sein Leben traut sich der Mann nur noch selten auf seine Yacht und lebt meist in seinem Haus, das einer Festung gleicht. Als er sieht, was Schlöffel kann, macht er einen Vorschlag: „Überfallen Sie mein Schiff, damit ich weiß, ob ich dort sicher bin.“ Schlöffel nimmt den Job an. Seine Bedingung: Der Auftraggeber und seine Security wissen nicht, wann die Überprüfung stattfindet. Nur dass sie stattfinden wird. 

Drei Tage lang observiert Schlöffel die Yacht aus der Ferne, bis er schließlich nachts an das Schiff herantaucht. Die vier schwer bewaffneten Wachen sehen ihn nicht. Sie machen ihre Rundgänge immer im gleichen Rhythmus, zwischendurch spielen sie Karten. Im richtigen Moment klettert Schlöffel auf das Schiff, klebt sein Firmenlogo an die Kabinentüren der Familie und verschwindet ungesehen von Bord. Am nächsten Tag erklärt er seinem entsetzten Auftraggeber, wie er das bewerkstelligen konnte. Der Mann verändert daraufhin die Dienstvorgaben seiner Beschützer, bis heute ist ihm nichts passiert.

Und die Geschichte spricht sich in der High Society herum: der Grundstein für Schlöffels Firma Yacht Security & Consulting, kurz Yaseco. Eine Art Action-Roland-Berger für die Sicherheitsindustrie, die zurzeit weltweit boomt wie nie zuvor. Ukraine, Irak, Syrien, Nigeria, Libyen: Selten gab es so viele Krisen auf der Welt, und überall verdienen private Sicherheitsfirmen kräftig mit – etwa 100 Milliarden US-Dollar jährlich. 

Die Aufträge werden schnell gefährlicher

Auch Schlöffel kann sich vom Geschäftsstart an über mangelnde Aufträge nicht beklagen – nur werden sie schnell gefährlicher. Seine Klienten beschäftigen oft schwer bewaffnete Ex-Militärs aus Russland und dem Nahen Osten. 2005 rüstet Schlöffel daher selbst auf. Er braucht Männer mit Kampferfahrung. Aber keine Söldner. „Söldner sind käuflich, und zwar für jeden“, sagt Schlöffel. „Für mich arbeiten nur Männer mit sauberer Weste.“

Aus seiner Zeit als Ausbilder kennt er einige vertrauenswürdige Leute, allesamt Ex-Angehörige von Spezialeinheiten: russische Speznas, britische SAS’, US-amerikanische Navy SEALs sowie deutsche Bundeswehr-Kampfschwimmer. Außerdem holt er einen ehemaligen Autodieb ins Team, der für ihn Schlösser knackt. Und einen IT-Experten. Um die 20 Mann arbeiten für ihn. Schlöffels twenty. Er nennt sie seine „Community“ – eine Bruderschaft, in der man sich für seine Kompetenz respektiert und ideologische Gegensätze keine Rolle spielen. 

"Wenn du drei Jahre lang dieselbe Person bewachst und nichts passiert, wirst du nachlässig"

Achim Schlöffel

Kleinere Aufträge erledigt der Chef aber weiter persönlich. So wie 2008, als er einen Tauchkurs für die Frau des russischen Oligarchen und Putin-Feindes Wladimir Gussinski gibt. Oder jetzt im Englischen Garten in München. Als er die Situation dort wieder unter Kontrolle und den aufgebrachten Bodyguard beruhigt hat, geben sich alle Beteiligten die Hand und gehen friedlich auseinander.

Wird er Martin D. nun einen anderen Personenschützer nahelegen? Schlöffel winkt ab. „Das Problem ist selten, dass Bodyguards schlecht arbeiten“, sagt er. „Aber wenn du drei Jahre lang dieselbe Person bewachst und nichts passiert, wirst du nachlässig.“ So wie Boxer manchmal eine Führhand im Gesicht spüren müssen, damit die Deckung wieder steht, wenn die rechte Gerade kommt. 2009 bittet ein reicher Araber Schlöffel, seiner Security genau so eine Führhand zu verpassen.

Der Mann ist mit seinen Brüdern in einen erbitterten Erbstreit verwickelt. Es geht um Öl und sehr viel Geld. Er lebt auf einer 60-Meter-Yacht, bewacht von sieben Mann mit automatischen Waffen. Sonargeräte, Unterwasserlichtanlagen und Kameras erschweren Schlöffels Einsatz zusätzlich. Auch die Besatzung ist vorsichtig, ankert stets draußen auf dem Meer.

Für den Auftrag lässt Schlöffel drei seiner erfahrensten Männer in die Emirate fliegen. Zwei Navy SEALs und ein ehemaliges Delta-Force-Mitglied. Eine Woche lang tauchen sie in der Nähe der Yacht, mieten Sportboote, laden Frauen ein, fahren Wasserski, um sich für Foto- und Videoaufnahmen unauffällig nähern zu können. 

Nach einer Woche ist die Yacht plötzlich weg. Wohin? Den Hafenmeister können sie nicht fragen, zu heikel. In einem Superyacht-Forum lesen sie, das Schiff liege vor dem italienischen Portofino, und fliegen hinterher. Doch nach zwei Tagen legt die Yacht auch dort wieder ab. Schlöffel muss improvisieren. Ein Essenslieferant am Hafen gibt ihnen den entscheidenden Tipp: Elba. Wieder reisen die Männer hinterher. Als über Elba ein Sturm aufzieht, denkt Schlöffel, jetzt oder nie!

Der starke Wellengang trübt die Sicht trotz Unterwasserbeleuchtung. Von vier Seiten gleichzeitig tauchen sie an das Schiff. Die Wachen wissen, dass irgendwann eine Sicherheitsüberprüfung kommt. Sobald sie von Farbpatronen getroffen werden, müssen sie sich ergeben – so die Abmachung. Doch Schlöffel weiß nie, ob sich alle daran halten. Als im griechischen Piräus eine Yachtkaperung misslingt, eröffnet eine Wache ohne Vorwarnung das Feuer. Schlöffel und sein Team entkommen nur knapp. „Restrisiko“ nennt er das.

Auf Elba läuft alles nach Plan. Sie schalten eine Wache nach der anderen aus und entern die Privatgemächer des Arabers. Nach langer Nachbesprechung wirft auch der sein komplettes Sicherheitskonzept über Bord. Ein Jahr später versuchen zwei Bewaffnete, in sein Haus einzudringen – und scheitern kläglich. Zuerst an der Technik, dann am neu geschulten Personal. 

Den alten Personenschützer hat Martin D. entlassen

Auch für den Münchner Klienten Martin D. hat sich Schlöffels Einsatz gelohnt. Einige Wochen nach dem Überfall im Englischen Garten schützen ihn zwei neue Bodyguards erfolgreich vor einer Attacke in einem Berliner Club. Den alten Personenschützer hat Martin D. entlassen. Der war zu unaufmerksam, schaute sich selten um, mied keinen belebten Platz, ließ sich zwei Stunden von Schlöffel verfolgen, ohne etwas zu merken.

Zu neuem Personal rät Schlöffel allerdings selten. Das alte müsse nicht schlechter sein, sei besser einzuschätzen und meist auch dankbar für die Yaseco-Dienste, sagt er.Doch was, wenn die Security eines Klienten bereits so gut arbeitet, dass Schlöffel nicht nah genug an ihn herankommt – selbst mit Farbkugel-Waffen nicht? Dann ruft er seinen ehemaligen SAS-Scharfschützen an, der auch auf 800 Meter noch einen sauberen Schuss setzen kann.

"Kein Mensch sieht sich gern im Fadenkreuz"

Achim Schlöffel

70-mal traf der Mann im SAS-Dienst, bevor er selbst einen Lungendurchschuss erlitt und in den Ruhestand ging. Im Gewehr dieses heutigen Yaseco- Snipers steckt keine Kugel, aber dafür im Zielfernrohr eine Kamera. Sobald sich das Ziel im Fadenkreuz befindet, klickt der Foto-Auslöser. Mit Hilfe von Wind- und Temperaturdaten lässt sich so jeder Kill eindrucksvoll belegen. „Glauben Sie mir“, sagt Schlöffel, „kein Mensch sieht sich gern im Fadenkreuz.“ 

In noch härteren Fällen wird Schlöffel richtig kreativ. Etwa 2011, als ein Klient auf seiner Yacht auf See ein Dinner an Deck gibt. „Keine gute Idee, wenn dich jemand umbringen will“, sagt Schlöffel. Kurzerhand hängt er eine Handgranaten-Attrappe an eine Drohne, lenkt sie über das Bankett und lässt das Ding auf den Tisch krachen. „BOOM!“ steht in weißen Lettern darauf. Auftrag erfüllt? „Klar, es ist doch besser, wir kommen auf die Idee als jemand anderer“, sagt Schlöffel. 

Kein Wunder, dass auch „jemand anderer“ ihn schon anheuern wollte. Auftrag: ein richtiger Mord. „Einmal im Libanon“ sei das passiert, berichtet Schlöffel. Gern hätte er den Verbrechern die Polizei auf den Hals geschickt, doch in korrupten Ländern wäre das doppelt riskant: Auf welche Seite würden die Beamten sich schlagen? Und: Wie klug ist es, dort jemanden anzuzeigen, der Morde in Auftrag gibt? Da nimmt Schlöffel sein Geschäft lieber sportlich – so wie 2009 auf der Moskauer Tauchsportmesse Golden Dolphin. 

Eines Mittags kommt dort ein Russe mit vier Bodyguards an seinen Stand, der Schlöffel einen Deal vorschlägt: „Erschieß mich innerhalb der nächsten drei Tage, und es wird sich für dich lohnen!“ Schlöffel schlägt ein. Der Russe und seine Männer drehen sich um und gehen. Schlöffel aber greift unter seine Theke, zieht eine Paintball-Pistole hervor, legt an und ruft: „Hey!“ Die Männer drehen sich um – und „Fffump!“. Blutrot läuft Lebensmittelfarbe über den Maßanzug des Russen. Schlöffel erhält einen sechsstelligen Euro-Betrag.

Autor: Tim Geyer, Redakteur
A Beautiful Day - Trailer Deutsch
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