Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

...und tschüss!

Unser Kolumnist Ralf Husmann legt eine Pause ein

...und tschüss! Unser Kolumnist Ralf Husmann legt eine Pause ein

Playboy-Männerversteher Husmann legt eine Kolumnen-Pause ein. Und findet die passenden Worte zu seinem Abschied auf Zeit

Jetzt mach ich das hier schon echt lange. Die Frauen, die bei meinem Anfang im Playboy waren, sind heute optisch eher in der „Brigitte“. Angela Merkel war seinerzeit natürlich schon Kanzlerin, aber es gab noch keine iPads, und ein Mann mit Vollbart war damals entweder Ost-Pfarrer oder alt. Alter weißer Mann war aber noch kein Schimpfwort. Kommt einem lange her vor. Ein Haufen Schnappschüsse von Leuten im Urlaub oder beim Essen hieß noch Dia-Abend und war öde. Heute heißt er Instagram und ist immer noch öde. Aber sehr angesagt. Jetzt wird es mal Zeit für ein Sabbatical.

Ich glaube, so nennt man das heute. Es klingt jedenfalls cooler als „ich hör mal auf“. Sabbatical klingt, als hätte ich mein Büro in einem Bällebad oder säße morgen in einem alten VW-Bus und wäre auf dem Weg nach Portugal. So was wollen ja derzeit alle. Einfach mal weg. Auf Arbeiten im klassischen Sinn hat dagegen keiner mehr Bock. Man kriegt jederzeit einen Life-Coach, aber auf einen Klempner wartet man oft ein Jahr. Das Einfache ist momentan das Schwierigste. Ramona hat allein drei Ratgeber zu „emotional eating“ in der Küche liegen.

Ich mache natürlich kein Sabbatical, sondern einfach ein paar Monate witzefrei

Ich weiß nicht genau, was das ist, aber wenn Essen jetzt so heißt, kann die Kantine gleich zumachen. Ich bin altmodisch, deswegen will ich ehrlich sein. Ich mache natürlich kein Sabbatical, sondern einfach ein paar Monate witzefrei. Das heißt, die Kolumne pausiert ein Weilchen. Ich soll das ordentlich ankündigen, hat der Chef gesagt. Ihnen, liebe LeserInnen, wär’s vielleicht gar nicht aufgefallen. Eine Ex-Freundin hat vor Jahren mal mit mir Schluss gemacht, und es dauerte Wochen, bis ich es merkte. Selbst der Sex war wie vorher.

Viele Ehen funktionieren so jahrelang. Man hätte gut und gerne auch ein paar alte Sachen wiederholen können. Kriegt doch keiner mit! Mario Barth macht ja auch immer dasselbe alte Programm mit einem neuen Titel. Ich bin auch recht sicher, dass weite Teile der neunten Staffel von „The Walking Dead“ aus alten Staffeln zusammengeschnitten wurden, und das, was Bernd Höcke sagt, hab ich auch schon mal gehört. Ich hätte auch einfach ein paar Texte faken können, aber wir sind hier ja nicht beim „Spiegel“, insofern war auch das keine Option.

Männer sind ja in diesen emotionalen Sachen noch immer nicht so gut

Ich weiß jetzt gar nicht, was ich Ihnen zum Abschied sagen soll. Männer sind ja in diesen emotionalen Sachen noch immer nicht so gut. Wir weinen beim Zwiebelschneiden oder wenn unser Verein absteigt, aber sonst nehmen wir unsere Gefühle, tun sie in eine emotionale Tupperdose und versenken sie tief in unserer Seele, bis eines Tages kein Platz mehr da ist. Dann kriegen wir Krebs oder einen Herzinfarkt und fallen einfach um. Und für die positiven Gefühle gibt’s ja Gifs, Emojis, Blumen oder eine Postkarte. Ich möchte mich aber dennoch bedanken – ich will fast sagen, von Herzen.

Beim Chef für die Möglichkeit, aus meinem Leben monatlich was zu machen. Eine Kolumne nämlich. Beim Team, das sehr häufig ausbaden musste, dass ich die eigentliche Deadline gerissen habe wie eine AOK-Version von Hemingway. Ich hoffe, wer auch immer diese Seite demnächst füllt, macht das besser. Und ich will mich natürlich auch bei Ihnen bedanken, liebe Leser, liebe Leserinnen. Für die Aufmerksamkeit, für die netten und auch die weniger netten Leserbriefe, denn allein, dass es noch Leserbriefschreiber gibt, finde ich nahezu rührend. Auch dafür, dass es immer noch Menschen gibt, die Texte lesen, die länger sind als ein Tweet. Sie gehören damit zu einer aussterbenden Art und haben momentan wenig Chancen, amerikanischer Präsident zu werden. Wenn alles nach Plan geht, melde ich mich im Sommer zurück. Aber die Idee, dass irgendwas nach Plan geht, ist natürlich auch sehr, sehr altmodisch. In diesem Sinne, machen Sie’s gut!

Autor: Ralf Husmann
Serge Gnabry im großen Playboy-Interview
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.