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Kommentar: Damals im Fightclub

Wenn Raufbolde zu Männern werden

Kommentar: Wenn Raufbolde zu Männern werden

Gerade Jungs haben viel Energie. Die muss irgendwann auch mal raus. Im Fightclub vor dem Klassenzimmer hat Playboy-Autor Marc Sepeur mehr gelernt als in 8 Jahren Matheunterricht. Warum sich manche Dinge nie ändern, vor allem bei Männern nicht: ein Kommentar.

Als Kinder haben wir uns immer wieder geprügelt. Jedes Mal, wenn der Gong das Ende der großen Pause verkündete, stellten wir uns vor einem der Klassenzimmer auf. Dort warteten wir dann auf einen Lehrer, der uns den Raum aufsperrte. Die Türen waren aus gutem Grund verschlossen. Oder vielmehr: Gründen. Zum einen, weil unser Direktor eine „Kinder müssen an die frische Luft“-Politik vertrat, zum anderen, weil Störenfriede wie wir ihre Pausen gerne damit zubrachten, die Beschaffenheit der weißen Deckenplatten mit einem Fußball zu überprüfen – und nebenbei noch allerlei andere Dinge zu zerstören.

„Aha“, werden die Hobby-Psychologen jetzt aufschreien, um dann belehrend mitzuteilen, dass diese Phase bei Kindern ganz normal sei. Dass sie einer besonderen Form der Neugier entspringe. Dass Kinder kleine Entdecker seien, die nun mal wissen müssten, ob im Radio Menschen versteckt sind, oder in diesem Fall Goldbarren im Hohlraum über der abgehängten Decke. Mag ja alles sein. Ich für meinen Teil wollte einfach nur sehen, wie etwas zu Bruch ging. 

"Im Ring waren wir alle gleich"

Jedenfalls warteten wir vor den Klassenzimmern, die Mädchen in damenhafte Unterhaltungen über ihre Haustiere und den süßen Typen aus der Neunten vertieft, die Jungen dem Ernst des Lebens zugewandt. Fünfzehn Halbstarke in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. “Geballte Energie“ wie die Lehrer es nannten, um nicht zu sagen: ein Pulverfass. Manchen wuchs bereits ein Bart, andere waren froh, wenn sie die 1,20 Meter Marke am Eingang der Achterbahn knackten. In den kostbaren Minuten zwischen Pause und Matheunterricht spielte das keine Rolle. Im „Ring“ waren wir alle gleich. Da konnte der kurze Halbling (mit Judoerfahrung) dem langen Lulatsch aus der Parallelklasse mal schön zeigen, wo der Hammer hängt. Bei unseren Kämpfen traten ganze Klassen gegeneinander an. Eine Form des kulturellen Austauschs sozusagen. Schnell wusste man, wer ein Poser war, mit wem man sich besser nicht anlegen sollte, wer schnell Nasenbluten bekam, wer sich nicht gerne schmutzig machte und natürlich, wer schon beim ersten „Deine Mutter“-Witz die Fassung verlor.

"Dem Drang, hier und da mal einen Nackenklatscher zu verteilen, sind wir genauso wenig entwachsen wie dem Bedürfnis, aus allem einen Wettkampf zu machen"

Ab und zu tat sich mal jemand weh. Wenn dann auch noch ein Lehrer in der Nähe war, gab es richtig Ärger. Dann hieß es „fünfmal Hausordnung“, was bei unserem Schreibtempo in einem „Lebenslänglich“ glich. Das passierte aber nur selten. Die meiste Zeit über hatten wir einfach nur Spaß – und ein paar Schrammen. Dieses Kräftemessen, von dem ich da rede, war Teil meiner männlichen Sozialisation. In der Mittelstufe angekommen, wusste jeder von uns, wo sein Platz war. Am erbittertsten kämpfte man immer gegen die eigenen Freunde. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dem Drang, hier und da mal einen Nackenklatscher zu verteilen, sind wir genauso wenig entwachsen wie dem Bedürfnis, aus allem einen Wettkampf zu machen. Ein Teil meiner Freunde zählt heute zum stolzen Stamm der „Olympioniken“, einer Gruppe von Hobby-„Sportlern“, die sich in alkoholdurchtränkten Disziplinen miteinander messen, vom Baumstammweitwurf übers Löcher Buddeln bis hin zu „Ein Dorf spielt Fußball“-Massakern. Alles für den Dackel, alles für den Club. Nicht ganz meine Welt. Manchmal reißt es mich trotzdem zurück in die Vergangenheit.

Ein Beispiel: Vor drei Jahren ging ich mit einem meiner besten Freunde ins Schwimmbad. Als Studenten blieben wir natürlich den ganzen Tag, tranken ein paar Bier, rauchten, und stellten sicher, dass sich keine der Rundungen unserer Nachbarinnen auf dem Weg vom Handtuch zum Schwimmbecken missachtet fühlte. Als wir dann abends unsere Sachen zusammenpackten, überkam mich – wie so oft – einer dieser typischen, vollkommen unvernünftigen Impulse. Kurzerhand verwandelte ich mein nasses Handtuch in eine Peitsche, und versetzte meinem Freund, der mit dem Rücken gekehrt zu mir stand, einen Hieb. Offenbar hatte ich die Wucht meiner Waffe unterschätzt: Ich traf ihn so heftig, dass er sofort wie ein nasser Sack zu Boden ging und kurzzeitig ohnmächtig wurde. Selten habe ich mich so schuldig gefühlt wie in diesem Moment. Und ich spreche ganz bewusst von einem Moment. Drei Sekunden später bin ich nämlich in eine Biene getreten. Wie so oft ist mir das Schicksal zu Hilfe geeilt, und hat  nebenbei auch noch verhindert, dass wir uns die Köpfe einschlugen.

"Spielregeln sind wichtig, Dramen überflüssig"

Was ich damit eigentlich sagen möchte: Manche Dinge ändern sich eben nie – und das ist auch gut so. Jungs sind eben Jungs. Die tragen dieses Gen in sich. Wollen sich beweisen, ihre Kräfte messen, auch mal gegen die Regeln verstoßen. Viele Helikoptereltern drehen durch, sobald ihr Leander den Anton gekratzt hat. Halb so wild. Spielregeln sind wichtig, Dramen überflüssig. Macht euch keine Sorgen! Die kleinen Raufbolde werden eines Tages zu aufrechten Bürgern heranreifen: zu Polizisten, Feuerwehrmännern, Ärzten, Astronauten – und natürlich: Playboy-Autoren.

Autor: Marc Sepeur
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