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Mr Nice

Zum Tode Howard Marks: Sympathische Verbrecher

Warum sind wir manchmal von den Bösen fasziniert?

Der "Kultkiffer" Howard Marks verstarb am gestrigen Sonntag. Als "Mr Nice" wurde der findige Drogenschmuggler weltbekannt und einer der sympathischsten Verbrecher. Warum wir manchmal die Bösen ehren. Ein Erklärungsversuch

Ganz wichtig, damit uns ein Verbrecher sympathisch ist: Er darf sich uns nicht anbiedern wie Robin Hood. Außerdem muss die Tat Stil haben. Nicht der Schaden, sondern das Kunststück imponiert uns. Vier Verbrechen und vier Möglichkeiten, bitte schön:

Dreistigkeit. Es ist der 8. August 1963. Auf einem Abschnitt der Zugstrecke Glasgow-London stoppen maskierte Räuber, nur mit einer Eisenstange bewaffnet, einen Postzug, überwältigen den Zugführer und entkommen unerkannt mit der Beute. Wert: 47 Millionen Euro. Das meiste davon taucht nie wieder auf, es ist der größte Postraub aller Zeiten. Und während die Polizei zunächst im Dunkeln tappt, feiert die Öffentlichkeit die Räuber für ihre Dreistigkeit wie Rockstars - trotz ihres Verbrechens.

Unterhaltung. Arno Funke alias Dagobert ist auch so einer. So ein sympathischer Verbrecher, den wir eigentlich verachten sollen, aber nicht können: Von 1988 bis 1994 narrte dieser einfache Lackierer den millionenschweren Staatsapparat. Legte im KDW und in Filialen von Karstadt Bomben und forderte 1,4 Millionen D-Mark. Und die Polizei? Machtlos. Funkes Einfallsreichtum war der Schritt, den er der Exekutive immer voraus war. So lotste er 1994 den Geldboten zur Übergabe an eine stillgelegte Bahnstrecke. Dort wartete eine Modelleisenbahn, die mit dem Geld in der Dunkelheit verschwand. Zwar entgleiste die Mini-Lore durch Pech, und das Geld war futsch - aber immerhin entkam Funke erneut unerkannt. Die Staatsmacht hatte er blamiert, die Bevölkerung für sich gewonnen. Neun Jahre später verlieh man Funke ganz offiziell den Status eines Prominenten - mit einer Einladung ins Dschungelcamp.

Haltung. Der ehemalige Oxford-Student Howard Marks, alias Mr Nice, hat es sogar zum Hollywood-Star geschafft. In den 70er- und 80er-Jahren verantwortete er circa zehn Prozent des Welthandels mit Cannabis. Um die Ware über die Grenzen zu schmuggeln, arbeitete er unter anderem mit der thailändischen Armee, der Mafia und pakistanischen Diplomaten zusammen. Wissend, dass die an der Grenze nicht durchsucht werden, versteckte er das Haschisch in ihren Möbeln. Und warum wir ihn ehren? Weil Marks kein klassischer Verbrecher ist, eher ein kiffender Lebemann, der trotz des rauen Milieus und des lockenden Einkommens Gewalt und harte Drogen verabscheut. Diese moralische Standhaftigkeit macht ihn auch heute noch populär. Inzwischen hat der charmante Ex-Schmuggler die Autobiografie „Mr Nice“ veröffentlicht, die 2010 unter dem gleichen Titel verfilmt wurde.

Charakter. Meist enden die Geschichten im Gefängnis. Aber in Niederlagen wachsen Menschen. Ulli Hoeneß etwa. Als der scheinbar unfehlbare Übervater des FC Bayern seine Steuerhinterziehung zur Selbstanzeige brachte, sahen manche zum ersten Mal seine menschlichen Züge.

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