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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Was ich gelernt habe

Ungelöste Männer-Rätsel - Teil 14

Bei Alltags-Rassismus hilft nur Humor

Als Vater unterwegs mit meiner euro-asiatischen Familie stehe ich oft vor der Wahl: Soll ich mich über Diskriminierung aufregen? Manchmal finde ich sie ja ganz unterhaltsam . . . Ungelöste Männer-Rätsel - Teil 14

Seit einiger Zeit habe ich einen Migrationshintergrund. Das kann ich jedem empfehlen, der für politische Korrektheit kämpft. Was für ein Unsinn! Kleine Alltags-Rassismen, das weiß ich als Mischehemann, würzen das Leben. Verbissenheit nie.

 

Meine erste Lektion war, dass wir - sie asiatisch mandel-, ich völlig blauäugig - in die Tür eines bayerischen Standesbeamten traten: „Hier san S’ falsch, Ausländerehen schließt das Amtsgericht!“ Selten sitzen Sprüche so, dass gleich zwei Rheinländern nichts Passendes einfällt. Denn das sind wir. Sie von Geburt an, ich vom Aufwachsen und Kölschtrinken. Ihren Personalausweis mit Geburtsort Bonn akzeptierte er aber nicht. „Nur die Einbürgerungsurkunde!“ Auf die Frage, ob sein Rechner seit 1944 kein Update mehr hatte, war die Stimmung dahin. Lerne: Nimm Plemplem auf deine Kosten lieber mit mehr als weniger Humor.

 

So hielten wir es beim Arzt, der uns wenig später die halb mandelförmigen Augen unseres Babys erklärte wie kranken Hühnern („Es ist normal, wenn Kinder klein, sieht aus wie Schielen.“ - „Sie können ruhig deutsch mit uns reden.“ - „Woher soll ich das wissen!“), beim Lunch („Zweimal Currywurst, bitte.“ - „Wir hätten auch Frühlingsrollen.“), in Verkehrskontrollen, Festzelten . . . oder beim Einschulungstest unseres Sohnes. Münchner Schulbeamtin: „Jetzt legst dei Hand auf dei Fuaß.“ Sohn: legt die Hand auf den Fuß. Sie: „Naaa! Auf den Fuaß!“ Dass man oberdeutsch auch zum Bein „Fuaß“ sagen kann, finde ich lustig. Ebenso, dass uns Sprachförderstunden angeboten wurden. Bei einem Lehrer aus Passau. Warum nicht aus Ulan Bator? Ich und die anderen Alis und Ulfs verstanden jedenfalls kein Wort, als er sich vorstellte.

 

Unlustig ist es wirklich sehr selten. Etwa neulich: „Das könnt ihr Ausländer: Kinder kriegen!“ Hätte meine Frau was Besseres antworten können als „Schleich dich, Nazi-Fotze!“? Ich fand: nö. Politische Korrektheit wäre auch da nur hinderlich gewesen.

Autor: Philip Wolff
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