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Was ich gelernt habe

Ungelöste Männer-Rätsel - Teil 6

Die Kunst der Trennung

 Wie ich einmal zu bequem war, um eine Affäre rechtzeitig zu beenden: Ungelöste Männer-Rätsel - Teil 6 

Liebe kann man sich nicht einbilden. Für diese simple Einsicht habe ich lange gebraucht. Ich war 24, sie zehn Jahre älter, wir lernten uns im Berliner Club „Zur Wilden Renate“ kennen. Sie dozierte an der Kunsthochschule, besaß eine Galerie in Oslo und war bis zu dem Grad verrückt, der eine Frau interessant macht. Ich dagegen studierte eher an der Hochschule für angewandte Lebenskunst und hielt den Blitz auf meiner Lederjacke für avantgardistisch. Kurz gesagt, war ich das Gegenteil ihrer blasierten Freunde: erfolglos, jung und hetero. Wahrscheinlich mochte sie mich deshalb. Es war toll. Doch geliebt habe ich sie trotzdem nicht. Und das wurde zum Problem.

Irgendwann fing sie an, ständig über ihren lahmen Ex zu lästern, sprach viel vom Kinderkriegen und wollte mich spontan zur Art Basel nach Miami einfliegen lassen. Das hielt mich allerdings nicht davon ab weiterzumachen. Es war einfach zu bequem. Als ich nach einem unserer Treffen zu einem Punkkonzert ging, wollte sie mitkommen. „Klar, aber wir werden nicht Händchen halten“, sagte ich, „wir haben schließlich keine Beziehung.“ „Klar“, sagte sie, und damit war für mich die Sache geregelt. Das zwischen uns war nur Sex, keine Liebe. Doch von da an schrieb sie mir immer öfter, dass sie mich vermisse, sie wolle mein verranztes WG-Zimmer sehen und meine Freunde kennen lernen. Keine Liebe klingt anders. Verdammt.

Leider habe ich mich damals nicht getraut, noch deutlicher zu werden. Ich fürchtete, sie zu verletzen - und zog mich deshalb auf die unbeholfenste Weise überhaupt aus der Affäre: indem ich mich einfach nicht mehr meldete. War ich bloß zu feige, oder war der unbeholfene im Grunde doch der einfühlsamste Weg? Ich verzichtete schließlich auch für sie, ich wollte ja ihre Gefühle nicht ausnutzen.

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Autor: Tim Geyer, Redakteur
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