Schieß – oder stirb: Wie eine Playboy-Anfrage den Bundeswehr-Skandal an die Öffentlichkeit brachte

Zwei Soldaten in Tarnkleidung liegen mit Scharfschützengewehren auf einem Dach und zielen durch ihre Zieloptiken.
Die Reportage „Triff oder stirb“ erschien in unserer Mai-Ausgabe 2025 und ist auch auf playboy.de in voller Länge zu lesen
Credit: Bernhard Huber
Zwei Soldaten in Tarnkleidung liegen mit Scharfschützengewehren auf einem Dach und zielen durch ihre Zieloptiken.
Die Reportage „Triff oder stirb“ erschien in unserer Mai-Ausgabe 2025 und ist auch auf playboy.de in voller Länge zu lesen
Credit: Bernhard Huber

Nach zwei Wochen lässt sich bereits eine erste erschreckende Bilanz des Jahres 2026 ziehen – war es doch bislang geprägt von Schockmomenten und Skandalen. Darunter: schwerwiegende Vorwürfe gegen die Bundeswehr, deren Aufdeckung eine Anfrage unseres Magazins ins Rollen brachte …

Florian Boitin
Von: Florian Boitin
15.01.26
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Vierzehn Tage ist das Jahr erst alt, und doch liest sich die aktuelle Nachrichtenlage bereits wie ein vollständiger Jahresrückblick. In aller Kürze: Die linksextremistische „Vulkangruppe“ verübt am Morgen des 3. Januar 2026 in der Bundeshauptstadt einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke und kappt damit die Stromversorgung in Teilen Berlins. Als Folge des terroristischen Sabotage-Aktes sind mehr als 40.000 private Haushalte für Tage ohne Strom und Heizung. Und das bei hartem Dauerfrost. Aber auch Kliniken, Altenheime, Schulen und Kindergärten sind von dem Stromausfall betroffen. Noch heute sitzen die Menschen in rund 1000 Berliner Haushalten in ihrer eiskalten Wohnung. Die vielen jahrzehntealten und maroden Heizungen hatten die zwischenzeitliche Abschaltung nicht überlebt.

Porträt
Die Themen der Woche - ausgewählt und kommentiert von Playboy-Chefredakteur Florian Boitin

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Auszeit auf dem Tennisplatz: Unmut über Berlins Bürgermeister Kai Wegner

Schlagzeilen machte auch, dass der regierende Berliner Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei der Bewältigung der Krise keine ganz glückliche Figur abgab. An Tag eins nach dem Brandanschlag, als das Ausmaß des Blackouts offensichtlich wurde und Zigtausende Berliner noch nicht wussten, wo sie für die nächsten Tage ein warmes Plätzchen finden würden, gönnte sich Hobby-Tennisspieler Wegner ein einstündiges Entspannungs-Match mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Er wollte „den Kopf frei kriegen“, so seine Erklärung. 

Zusätzlich pikant an der Sache: Zuvor hatte der Regierungschef der Öffentlichkeit noch versichert, rund um die Uhr Krisenmanagement im trauten Heim betrieben zu haben. Er habe sich „zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne“. Manche Politiker wachsen gerade in Extremsituationen zu großen Persönlichkeiten (siehe Wolodymyr Selenskyj oder auch die deutschen Kanzler Schmidt und Kohl) – Kai Wegner scheint nicht in diese Kategorie zu fallen.

Für seine Freizeitgestaltung, während die Krisenbewältung nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in der Hauptstadt, wird der Berliner Bürgermeister Kai Wegner scharf kritisiert
Credit: privat

Aber der linksterroristische Brandanschlag in Berlin ist beileibe nicht das einzige Ereignis, das in den ersten zwei Wochen des Jahres Schlagzeilen machte. In der Silvesternacht sterben bei einem tragischen Feuer-Inferno in einer Bar im schweizerischen Nobel-Skiort Crans-Monatana mehr als 40 zum Teil noch jugendliche Menschen. Und im Iran sollen bei landesweiten Protesten gegen das Mullah-Regime nach Medienberichten inzwischen mehr als 2000 Zivilisten von den Sicherheitskräften ermordet worden sein. Das ist zumindest die offizielle Zahl, die der Iran veröffentlicht hat. Zu befürchten ist allerdings, dass die Zahl der Toten um ein Vielfaches höher liegt.

Blick in die USA: Angriff auf Venezuela und die Akte Grönland

Und natürlich ist da noch jemand, der nahezu täglich weltweit die mediale Öffentlichkeit beschäftigt: US-Präsident Donald Trump. Das Jahr ist noch keine drei Tage alt, als das US-Militär einen nächtlichen Angriff auf das lateinamerikanische Land Venezuela startet, Bomben über der Hauptstadt Caracas abwirft und Staatschef Nicolás Maduro und dessen Ehefrau aus dem Regierungspalast entführt. Während sich Präsident Maduro als Gefangener der US-Regierung jetzt in New York vor Gericht verantworten muss, lässt Trump die Welt wissen, dass er sich nun als „amtierender Präsident Venezuelas“ begreife. 

Die größten Ölvorkommen der Welt scheint sich die US-Administration damit bis auf Weiteres für ihr Land gesichert zu haben. Zudem den Respekt der Konkurrenz. Auch wenn die Reaktionen aus Peking und Moskau bisher noch eher zurückhaltend ausfallen, dürfte die rücksichtslose Entschlossenheit des US-Präsidenten auch in China und Russland Eindruck hinterlassen haben. Auch deshalb, da die Akte Grönland durch die Drohungen Trumps gerade erst geöffnet wurde…

Diese Fotomontage des US-Präsidenten im Oval Office veröffentliche die offizielle Instagram-Seite des Weißen Haus
Credit: whitehouse/Instagram

Skandal bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr: Zahlreiche Verfahren gegen Soldaten

Aber auch hierzulande sorgt das Militär seit Tagen für Aufregung. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte am 29. Dezember unter der Headline „Nein heißt Ja, und Ja heißt anal“ ihre Recherchen veröffentlicht und darin über skandalöse Zustände in der Bundeswehr berichtet. Konkret geht es um das Fallschirmjägerregiment 26, eine Eliteeinheit der Luftlandetruppen der Bundeswehr, die im rheinland-pfälzischen Zweibrücken stationiert ist. Gegen insgesamt 55 Soldaten ist inzwischen ermittelt worden, es gibt 26 Beschuldigte, neun Bundeswehrsoldaten wurden aufgrund der Vorkommnisse bereits entlassen, gegen vier weitere laufen Entlassungsverfahren. Den Beschuldigten werden zahlreiche Vergehen zur Last gelegt. Von Nazitümelei, Antisemitismus, Gewaltritualen, Drogenmissbrauch und sexuellen Übergriffe ist die Rede.

Auslöser der Ermittlungen waren mehrere Eingaben von Soldatinnen des Fallschirmjägerregiments 26, die sich im Juni 2025 beim Amt des Wehrbeauftragten des Bundestages gemeldet hatten. Daraufhin seien umfangreiche Untersuchungen und Ermittlungen durch das Kommando Heer und die nachgeordnete Division Schnelle Kräfte eingeleitet worden. Laut der Heeressprecherin kam es durch die Ermittlungen und Vernehmungen „zu weiteren Meldungen aus der Truppe“. Es gehe dabei um „Vorfälle im Zusammenhang mit sexualisiertem Fehlverhalten, extremistischen Verhaltensweisen und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz“.
 

So berichtete die „FAZ“ über die Vorfälle bei den Fallschrimjägern
Credit: Screenshot/faz.net

Die „FAZ“ berichtet von „Judensau“-Beschimpfungen, Hitlergrüßen und einer angeblichen Nazi-Party. In ihrem Artikel bezeichnen die beiden Autoren Peter Carstens und Rahel Golub die Akteure als Teil einer „rechtsextremen, offen antisemitischen Clique“ und als „Frauenhasserkompanie“. Die wenigen Frauen in der Truppe – ihr Anteil im Regiment liegt bei etwa fünf Prozent – hätten Exhibitionismus ihrer „Kameraden“ erlebt und sich Vergewaltigungsfantasien anhören müssen. „Wenn eine sich nicht anbaggern ließ, so wird es berichtet, wurde sie möglichst weggemobbt“, schreibt die „FAZ“. 

Sexistische Sprüche von Vorgesetzten hätten zum Alltag gehört. Bei einer „Wochenendbelehrung“, bei der Soldatinnen und Soldaten darauf hingewiesen werden sollen, wie sie sich außerhalb der Kaserne richtig verhalten, habe ein stellvertretender Zugführer erklärt: „Es wird nur gefickt, was gefickt werden will. Und denken Sie daran: Nein heißt Ja, und Ja heißt anal.“

Fallschirmjäger-Skandal: Wie eine journalistische Playboy-Anfrage Ermittlungen ausgelöst haben soll

So weit, so eklig. Neben etlichen Tageszeitungen berichtete auch der „Spiegel“ in seiner neuesten Ausgabe über die Vorkommnisse in der Elitekampftruppe. Und bemerkenswerterweise hat auch das Hamburger Nachrichtenmagazin in seinem Artikel das Narrativ der „FAZ“-Kollegen übernommen. 

Auslöser für die internen Ermittlungen soll demnach ausgerechnet eine Anfrage des PLAYBOY gewesen sein. „Spiegel“ und „FAZ“ berichten gleichlautend, dass im Februar 2025 ein Gerücht die Runde gemacht habe: Der PLAYBOY wolle einen Artikel über die Scharfschützen des Delta-Zugs veröffentlichen – einer Untereinheit des Fallschirmjägerregiments 26. Laut „Spiegel“ zeigten sich daraufhin mehrere weibliche Soldaten empört: „Sie haben mit sexueller Belästigung zu kämpfen – und jetzt soll ausgerechnet im ‚Playboy‘ ein Artikel über ihre Kompanie erscheinen, zwischen nackten und halbnackten Frauen?“, so der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. 

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Die „FAZ“ rückt „PLAYBOY“ in ihrer Berichterstattung über die Skandal-Truppe noch unverblümter in die Schmuddelecke und stellt das Magazin praktisch auf eine Stufe mit Nazi-Verherrlichung und sexualisierter Gewalt. Eine der Kronzeuginnen des „FAZ“-Berichtes ist die Soldatin Frieda Krüger (Name geändert), die „das Magazin (‚PLAYBOY‘) von den Postern mit nackten Frauen in Stuben ihrer Kameraden“ kenne. Die „FAZ“-Redakteure fragen in dem Artikel, ob es das Regiment wohl darauf anlegen würde, „über den PLAYBOY Personal zu rekrutieren“. Weiter schreibt die „FAZ“ in ihrem Beitrag: „Frieda Krüger war das unangenehm. Sie wandte sich an die Gleichstellungsvertrauensfrau des Regiments. Die war nicht überrascht. Krügers Kompanie gelte als ‚Frauenhasserkompanie‘, erzählte sie der Soldatin.“ 

Stehen derzeit unter anderem wegen Nazi-Verherrlichung, Drogenmissbrauch und sexualisierter Gewalt in der Kritik: Das Fallschrimjägerregiment 26, eine Eliteeinheit der Luftlandetruppen der Bundeswehr
Credit: Imago

Fallschirmjäger-Skandal: Eine bemerkenswerte Unkenntnis der journalistischen Qualität des PLAYBOY

Dass damit von den „FAZ“-Autoren möglicherweise nicht ganz zufällig der Eindruck erweckt wird, dass ein redaktioneller Bericht im PLAYBOY per se schon eine sexuelle Übergriffigkeit darstelle, ist nicht nur aus journalistischem Blickwinkel ein Skandal. Die insuinierte Gleichsetzung von sexistischem Gedankengut und der Zeitschrift PLAYBOY offenbart eine bemerkenswerte Unkenntnis der journalistischen Qualität und gesellschaftlichen Bedeutung des sowohl für seine Aktfotografie als auch für seine Reportagen mehrfach preisgekrönten Lifestyle-Magazins. 

Es schwingt auch eine wirklich infame Unterstellung in dem „FAZ“-Artikel mit: dass nämlich PLAYBOY-Leser und frauenverachtende Gewalttäter mit nationalsozialistischem Mindset eine große Überschneidung aufwiesen. Puh.

In besagter PLAYBOY-Reportage über die Delta-Soldaten der 3. Kompanie der Fallschirmjägerbrigade 26 beschreibt PLAYBOY-Autor Michael Kneissler nicht nur den harten Trainingsalltag der Soldaten dieser kampferprobten Bundeswehr-Spezialeinheit. Der erfahrene Reporter verheimlicht in seinem PLAYBOY-Artikel auch keineswegs den offen zur Schau getragenen Hang einiger Bundeswehrsoldaten zur Wehrmachtsromantik. Machen Sie sich gerne selbst ein Bild von Kneisslers Text aus der Mai-Ausgabe 2025. Die PLAYBOY-Reportage „Triff oder stirb: So trainieren die Scharfschützen der Fallschirmjäger für den Kriegsfall“ bietet Ihnen einen exklusiven Einblick in den Trainingsalltag dieser gefürchteten wie umstrittenen Eliteeinheit.

Die Reportage „Triff oder stirb“ erschien in unserer Mai-Ausgabe 2025 und ist auch auf playboy.de in voller Länge zu lesen.
Credit: Bernhard Huber

Und welche Erkenntnisse ziehe ich aus den ersten turbulenten Wochen des Jahres?

Möglicherweise sollte ich den beiden „FAZ“-Autoren statt eines kritischen Leserbriefes besser ein PLAYBOY-Abo zukommen lassen. Was meinen Sie?

Herzlichst,
Ihr

Florian Boitin
Chefredakteur PLAYBOY Deutschland