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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Haltung vs. Kosmetik

Klassische Männerfrage: Was tun, wenn sich das Haar lichtet? Erhobenen Kahlkopfs zu sich selbst stehen oder sich mit fremden Federn schmücken, die andernorts wuchsen? Die Antwort sollte klar sein. Erfolg braucht keine Kosmetik, sondern Haltung

EINER von uns

Glatze. Nehmen wir nur mal die Bayern. Das geht ja ganz gut, weil sie in Deutschland, mia san mia, und der Welt, la bestia negra, als Verkörperung des Erfolgs gelten. Und schauen uns dann mal ihr Verhältnis zur Glatze an. Sehen also Strafraumhünen. Dieter Hoeneß erst, Schnee auf dem schütteren Resthaar, so hoch konnte der springen. Und später dann diesen Carsten Jancker, Mecklenburger Urgewalt, an dem nichts glänzte außer dem Ehering, den er küsste, aber immerhin: Er hatte diesen Kopf, dem man gern Charakter zuschreibt, und Haare nur auf den Zähnen, mit denen er sich durch die Strafräume biss.

Die Bayern-Fans nannten ihn Fußballgott, das taten sie später nur noch bei Schweinsteiger, bis der sein Haar nach Manchester trug. So musste es kommen. In München gilt die Verehrung nun vor allem einem, der übers Feld jagt wie eine Kanonenkugel. Unverkennbar, weil er aussieht, als hätte ihn ein Marvel-Zeichner erfunden, ihm das Trikot mit dem Airbrush auf den sehnigen Heldenkörper gesprüht: Silver-Surfer Arjen Robben, die Glatze ein Alarmsignal. Sie erzeugt Respekt, macht ihn - fliegenden Holländer - bisschen Phantom und Übermensch auch, zu etwas Unfassbarem, das niemand beim Schopf packen kann.

Beim FC Bayern, diesem bajuwarischen Erfolgsinkubator, haben sie die Glatze offenbar zum inoffiziellen Firmenlogo erhoben. Mit Robben, mit dem neuen Sammer, mit dem alten Mehmet Scholl. Und am Spielfeldrand steht einer, dessen größte Niederlage in der vergangenen Saison nicht das Spiel in Barcelona war, sondern die zerrissene Hose gegen Porto, der Mode und Taktik gleichermaßen akribisch betreibt, keine Zufälle duldet. Dem es um Wahrnehmung geht. Pep Guardiola, Stil und Ikone, würde eher auf den Kurzpass verzichten, als sich Kurzhaar zu kaufen. Die Glatze, poliert wie das Image, ist hier eine Frage der Ehre. Mia san mia: ein Selbstverständnis zum Haareraufen. Aber eben nur für die anderen.

KEINER von uns

Haartransplantation. Der Engländer Wayne Rooney stand im Alter von 25 Jahren kurz vor der Glatze, hatte er doch mit jedem verschossenen englischen Elfmeter ein wenig Haupthaar verloren. Stand so aber auch vor der Wahl: mannhafte Offensive oder heulsusiger Rückzug. Ein Beckham wäre er eh nicht geworden, aber er hätte der Kopf des Teams werden können, ein sichtbarer Anführer, ein Fußballgott wie jener Schweinsteiger, der künftig hinter ihm das Mittelfeld beherrschen soll. Rooney aber unterzog sich einer Transplantation und sah hinterher aus, als hätte er in einer der Duschen des Old Trafford noch Schamhaar von Cristiano Ronaldo gefunden. Ein abschreckendes Beispiel.

Jürgen Klopp allerdings ist das offenbar entgangen. Oder er hat, Lieblingsclub Manchester United, einfach ein Auge zugedrückt und es dann trotzdem getan. Gegen die Verglatzung, an deren Ende er womöglich ausgesehen hätte wie einer, dem die Stunden am Kopfballpendel die Stirnplatte gemäht hatten. Aber er hätte auch ausgesehen wie einer, der sich stellt, den Niederlagen wie dem Schicksal. Doch er entschied sich, zwischen zwei Opel-Werbungen, für den Rückwärtsgang: umparken am Kopf.

Das geht dann so: Anstatt sich seiner Vergänglichkeit zu stellen, am besten mit dem Nassrasierer vor dem Spiegel, lässt man sich Haare von weiter unten nach weiter oben verpflanzen. Die Bayern-Fans sollten es später „Arschhaarzopf“ nennen.

Und um es noch einmal all jenen zu erklären, die in den vergangenen Jahren mit Jürgen Klopp gejubelt und gelitten haben: Das ist, als würde man, nachdem der Rasen im Mittelkreis des Westfalenstadions einfach nicht mehr wachsen will, rüber nach Gelsenkirchen fahren, um dort Ersatz zu holen. Aber wer will etwas, das in der Nähe von Arschlöchern gewachsen ist? Die entscheidenden Spiele hat Klopp, wie Rooney, seitdem fast sämtlich verloren. Und schließlich sogar seine echte Liebe verlassen müssen. Die neuen Haare, sie haben ihm nicht geholfen

Autor: Lucas Vogelsang
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