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Playboy-Autoren über die schmerzhaftesten Lektionen, die ihnen das Leben erteilt hat

Heldenrolle rückwärts: Wie ich einmal meinen Sohn verteidigen wollte und zum Kinderschreck wurde

Sieht man einmal vom Sexualtrieb ab, der ja auch öfter zu Dummheiten verleitet, gilt die Liebe zu den eigenen Kindern als das stärkste Gefühl, mit dem die Natur uns ausgestattet hat. Anders ist jedenfalls kaum zu erklären, warum Erwachsene Dinge tun wie ich an jenem seltsamen Tag, an dem ich mich in einen Sandkasten-Streit unter Grundschülern einmischte. Nein, dies ist keine Heldengeschichte. Zumindest keine klassische.

Sie begann, als mein Sohn, damals neun Jahre alt, in Tränen aufgelöst vom Spielplatz kam, weil ein Mitschüler ihn angeblich grundlos geschlagen hatte. Wenn man schlimmes Leid sieht (schlimm auch durch die Überdosis väterlichen Mitgefühls, die man zum Trösten braucht, wenn es um Kleinigkeiten geht), dann stellt man sich den Anlass automatisch monströs vor. Wer hatte meinem Sohn das angetan?! Ich bemühte mich, konstruktiv zu bleiben: „Soll ich mal mit dem Kerl reden?“ Klar sollte ich.

Man muss sich selbst überwinden – der Würde wegen

Zum Glück führte der Schulweg des Übeltäters an unserem Haus vorbei, und die Szene spielte sich nicht vor Zeugen am Schultor ab: wie ich, gefolgt von meinem Sohn, in John-Wayne-Manier auf den Gehsteig trat; wie unser kleiner Widersacher bei meinem - für ihn hünenhaften - Anblick zu schluchzen begann. Wie ich ihn sofort in den Arm nahm und beruhigte. Sehr zum Verdruss meines Sohnes, da sich schnell herausstellte, dass er auf dem Spielplatz zuerst geschlagen hatte.

In anderen Kulturkreisen entstehen so Familienfehden. Bei uns wurde ein tränenreiches Papa-macht-sich-zum-Vollhorst-Theater daraus. Zwar mit Happy End, denn die zwei waren seither nett zueinander. Aber ich weiß jetzt: Manchmal muss man sich selbst überwinden, wenn man seine Würde bewahren will. Gerade in kleinen Dingen. Oder hatte ich sie zu Recht geopfert?

Autor: Wolfgang Buß
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