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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Nico Rosberg

…über die größte Enttäuschung des Jahres und den Show-Down mit Lewis Hamilton

„Ich bin motiviert, voll motiviert!“

Er galt als Wunderknabe: Nico Rosberg, Sohn des früheren Formel-1-Weltmeisters Keke, saß bereits mit 17 Jahren in einem F1-Cockpit. In seinem Premieren-Rennen 2006 gelang ihm die schnellste Rennrunde, ebenfalls Rekord. Doch auch in diesem Jahr wird der Mercedes-Pilot den Kampf um die WM-Krone wohl wieder gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton verlieren. Playboy traf den Deutsch-Finnen vor dem vermutlich alles entscheidenden Rennen an diesem Wochenende (Sonntag, 25.10., MEZ 20 Uhr) in Austin (Texas) am Rande einer Veranstaltung seines Sponsors Thomas Sabo.

Playboy: Sie sind 30, wurden kürzlich Vater einer Tochter. Und Sie haben im Rennsport bereits Millionen verdient. Wie im Vorjahr bleibt Ihnen aber möglicherweise auch 2015 der große Triumph verwehrt. Wie gelingt es Ihnen, sich weiter zu motivieren?
Rosberg: Mich motiviert das Gewinnen-Können. Das ist so eine gigantische Emotion. Das Gefühl zu teilen mit den Menschen in meinem Umfeld, meinen Mechanikern, meinen Freunden, meiner Familie. Dieser Kick ist meine Motivation.
 

Playboy: Aber wenn man mal wieder kurz vor dem großen Ziel scheitert, wie schafft man es da, nicht zu verzagen?
Rosberg: Da habe ich kein Problem mit. Klar war das hart am letzten Rennwochenende (Ausfall in Führung liegend mit technischem Defekt, die Redaktion), aber ich habe es gelernt,  solche Rückschläge schnell zu verarbeiten. Montag hatten wir ja direkt danach diese Riesen-Teamfeier wegen des vorzeitigen Gewinns der Konstrukteurs-WM. Ich bin also zum Team geflogen, in die Fabrik, um lächelnd auf gute Laune machen, obwohl ich gerade die größte Enttäuschung des Jahres erlebt hatte. Das war schon schwierig. Aber es gibt Schlimmeres.

"Lächelnd auf gute Laune machen, obwohl ich gerade die größte Enttäuschung des Jahres erlebt hatte – das war schon schwierig."

Nico Rosberg

Playboy: Gute Miene zum bösen Spiel. Wie gelingt Ihnen das?
Rosberg: Ich habe mich einfach für die anderen in der Fabrik gefreut.

Playboy: Ein echter Teamplayer…
Rosberg: Ja. Zum Glück ist irgendwann der Hals kleiner. Und die Enttäuschung hat auch kaum Einfluss auf mein Privatleben. Wenn ich zuhause ankomme, bin ich als Person nicht glücklicher oder enttäuschter nur aufgrund dessen, was zuvor auf der Strecke passiert ist. Es ist doch so, ich habe in diesem Jahr noch vier Rennen – im Silberpfeil, dem genialsten Formel-1-Auto aller Zeiten! Und wir schreiben da gerade Rennsport-Geschichte. Mathematisch habe ich ja auf jeden Fall noch die Chance, Weltmeister zu werden, auch wenn es noch so schwierig ist. Aber ich bin motiviert, voll motiviert!

Playboy: Haben Sie sich das Credo von Oliver Kahn, „Weiter, weiter – immer weiter!“, zu eigen gemacht?
Rosberg: Ja, ich habe jetzt in Sotschi probiert, Lewis wegzuputzen, und das hat nicht geklappt. Obwohl es bis zum Defekt super lief. Pole Position, Start gewonnen. Ich kann mir nicht viel vorwerfen. Und jetzt ist die nächste Chance hier in Texas, und die werde ich nutzen. Auf jeden Fall, weiter Attacke, ja.

Playboy: Sie sagten mal, die Formel 1 sei für Sie wie eine Uni. Bleiben Sie der ewige Student, oder wann machen Sie Ihren Master?
Rosberg: Uni deshalb, weil man in der Formel 1 früh in eine Art CEO-Position kommt. Dass man so schnell aufsteigen kann, das gibt es sonst nirgendwo anders. Und das ist eine unglaubliche Lehre fürs Leben. Ich lerne, wie man mit anderen Menschen umgeht, wie man deren Stärken erkennt, aber auch lernt, die Stärken der anderen für sich zu nutzen.

Playboy: Was ist entscheidend für den Erfolg?
Rosberg: Talent ist das Wichtigste. Aber mit Talent und Disziplin alleine gewinnst Du noch nicht. Es gehören auch Social Skills dazu. Und diese kann man nirgendwo so gut lernen wie in der Formel 1.

Playboy: Sie waren ein Musterschüler, sprechen vier Sprachen fließend und hätten Luft- und Raumfahrttechnik studieren können. Dennoch wurden Sie Rennfahrer, wie Ihr berühmter Vater. Was wollen Sie Ihm beweisen?
Rosberg: Ich möchte, dass mein Vater stolz ist auf seinen Sohn. Aber das hat nichts mit meiner Entscheidung zu tun, Rennfahrer zu werden.

Playboy: Sondern?
Rosberg: Ich möchte einfach, dass meine Eltern stolz sind auf das, was ich aus meinem Leben mache, was ich erreiche. Aber ich bin nun mal in der Formel 1 aufgewachsen. Und es war unglaublich, meinem Vater zuzuschauen. Die Autos, die Duelle, die Fans, das war gigantisch für mich als kleinem Jungen. Und da habe ich mir, solange ich denken kann, gesagt, boah, das würde ich auch gern mal machen!

"Wenn ich früher privat mal ein bisschen Unruhe hatte, dann habe ich im Rennen doch ein, zwei Fehler mehr gemacht."

Nico Rosberg

Playboy: 2014 wollten wir von Ihnen wissen, was Weltmeister Sebastian Vettel besser macht als Sie. Was macht denn Lewis Hamilton diese Saison besser als Sie?
Rosberg: Doof, dass es jetzt schon wieder einen gibt, damit Sie mich das fragen können (lacht). Er ist einfach eine bessere Saison gefahren. Es ist aber viel enger, als es von den Punkten her aussieht. Aber man kann es wohl auf den Punkt bringen, dass das Qualifying dieses Jahr ausschlaggebend war.

Playboy: Ist es eigentlich schlimmer, gegen den eigenen Teamkollegen zu verlieren, als…
Rosberg: Auf jeden Fall. Der Kampf mit dem Teamkollegen ist ein echter Vergleich. Bei einem anderen Konkurrenten, da war halt sein Auto besser. Ich kann ja aber schlecht sagen, Lewis hatte das bessere Auto…

Playboy: Studien belegen, dass Väter weniger Testosteron produzieren. Sie sind deshalb weniger aggressiv und weniger risikobereit. Sind Sie, als frischgebackener Vater, deshalb langsamer als Ihr Teamkollege?
Rosberg: Eine Testosteronreduktion habe ich bei mir noch nicht bemerkt (lacht). Ich höre immer, man wird durch das Vaterwerden entspannter im Job. Wenn ich früher privat mal ein bisschen Unruhe hatte, dann habe ich im Rennen doch ein, zwei Fehler mehr gemacht. Motorsport ist eine Riesen-Konzentrationsarbeit, das ganze Prozedere sehr komplex. Man muss ständig mitdenken. Vielleicht ist das dadurch noch mal anders als bei anderen Sportarten wie etwa dem Fußball, wo man doch instinktiver handelt.

Playboy: Konzentration ist sicher das eine, aber die Formel 1 ist eben auch eine Risikosportart. Geht man nicht doch etwas weniger Risiko ein, weil man sich sagt, ich habe Familie?
Rosberg: Nee, diesen Gedanken habe ich bis jetzt nicht.

Playboy: Sie gelten als sehr diszipliniert, überlassen wenig dem Zufall. Manche bezeichnen Sie sogar als Streber. Sie verzichten auf Zucker, backen sich zu Weihnachten zuckerfreie Plätzchen und binden sich auf Langstreckenflügen einen Mundschutz um.
Rosberg: Ist das denn schon strebermäßig?

Playboy: Sind Sie zu verkopft für den Titel?
Rosberg: Das müssen andere beurteilen. Ich gehe an den Sport heran mit Disziplin, Ehrgeiz. Und ich möchte so das Beste aus mir rausholen. Und dazu gehört auch, mich vor Krankheiten zu schützen. Und das ist mir auch gut gelungen. Vor ein paar Jahren noch wurde ich pro Jahr etwa vier Mal krank, jetzt nur noch maximal einmal im Jahr. Ich habe einfach sehr viel verändert, meine Ernährung komplett umgestellt. Ich lasse alles weg, worauf ich mit Unverträglichkeit reagiere. Die Umstellung war schon heftig, vor allem der Verzicht auf Zucker! Wir wissen oft gar nicht, wo Zucker so drin ist. Der ist einfach überall, sogar in der Tomatensoße.

Playboy: Haben Sie einen Ernährungsberater?
Rosberg: Ja, haben wir vom Team gestellt bekommen. Aber ich würde mich inzwischen fast als Experten auf dem Gebiet bezeichnen. Ich muss ja auch die ganze Zeit Diät halten. Jedes Gramm macht mich schließlich langsamer im Rennauto. Aber das ist ein schmaler Grat, denn: 500 Gramm zu wenig, dann bin ich müde, dann habe ich keine Kraft, keine Power mehr.

Playboy: Was sind Ihre größten Stärken?
Rosberg: Darauf zu antworten, mag ich nie. Vielleicht meine deutschen Tugenden? Disziplin und Ehrgeiz.

Playboy: Und Ihre größten Schwächen?
Rosberg: Das sind dann die finnischen Tugenden… (lacht).

Playboy: Sie meinen, ein großer Durst?
Rosberg: (lacht) Nee, nee, das war nur ein Scherz.

Autor: Florian Boitin
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