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100 Jahre BMW

Die Marke und der Playboy-Motorchef feiern gemeinsam runden Geburtstag

Happy Birthday, Bimmer! Dich kauf ich mir!

BMW und unser Playboy-Motorchef haben am selben Tag Geburtstag. Dieses Jahr einen Runden. Am 7. März 2016 wird die Marke 100, der Mann 50. Grund genug, gemeinsam zu feiern – am besten mit einem Star auf der (Hebe-) Bühne

BMW wird heute 100, ich 50. Happy Birthday, BMW! Als Oldtimer-Fan ist das für mich der beste Grund (als wenn ich einen bräuchte), mich mal nach einem alten "Bimmer" für meine kleine Sammlung umzusehen. Es soll mein erster BMW werden. Bisher stand ich mehr auf Citroën, Porsche und Mercedes.

Aber was nehmen? BMW bietet so viele Ikonen: CSL-Batmobil, Bond-Siebener, Z1 mit versenkbaren Türen, 2002 turbo, 501-Barockengel, der 507 des Grafen Goertz. Und über allem der legendäre aber leider unbezahlbare 328 Roadster aus Vorkriegszeiten.

Es gibt einen BMW, der exakt so alt ist wie ich. 1966 wurde der "Nullzwei" geboren. Am Vormittag des 7. März präsentierte meine Mutter mich meinem Vater im Klinikum Konstanz und der damalige BMW-Chef Gerhard Wilcke seinen geladenen Gästen den BMW 1600-2 in der Bayerischen Staatsoper zu München.

Der Nullzwei hat es mir schon immer angetan. Er ist – wie ich – gewiss nicht besonders aufsehenerregend. Nicht einmal technisch besonders anspruchsvoll. Aber ich mag diese klare, kantige Form. Die schräge, forsch in den Wind gestellte Nase. Die geradezu spiegelhafte Symmetrie zwischen Fahrgastzelle, Front und Heck. Der Kofferraumdeckel ist kaum kürzer als die Motorhaube, und die Heckscheibe hat denselben Anstellwinkel wie die Frontscheibe. Dazu die umlaufende, mit einer Chromleiste abgesetzte Lichtkante in Höhe der Türgriffe. Einfach ein feines Teil, dieser Nullzwo. Bezahlbar und Kult. Warum nicht mit einer klaren Kante einen runden Geburtstag feiern?

Mein Traum-Nullzwo soll ein Modell der ersten Serie sein, mit Alugrill und runden Rückleuchten und am besten in Inka-Orange. Aber gut: das Eine, was man will, das Andere, was man kriegt. Am Ende wird es ein Facelift-Modell mit eckigen Rückleuchten und in Schwarz. Dazu gleich mehr. Zunächst aber ein Ausflug in...

Die BMW-Geschichte

Die Geburtsstunde der Marke ist durchaus etwas unübersichtlich. Es sind eine Reihe von Firmen, Übernahmen und Umbenennungen nötig, um aus einer gewissen Firma Schneeweis in Chemnitz, dem Luftschiffbau Veeh, dem Flugwerk Deutschland, den Rapp-Motorenwerken, den Bayerischen Flugzeugwerken (BFW) und dem Gustav-Otto-Flugzeugwerk schließlich die BMW AG werden zu lassen. Machen wir es kurz: Nach der offiziellen Unternehmen-Geschichtsschreibung wurde am 7. März 1916 von Gustav Otto (dessen Vater übrigens den Otto-Motor erfand) die Gustav-Otto-Flugzeugwerk gegründet. 1917 änderte sie ihren Namen in BMW GmbH, und ein Jahr später wurde sie schließlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die BMW AG war geboren.

Hmm, eigentlich müssten wir also noch ein oder zwei Jahre mit der großen 100-Jahres-Sause warten. Aber egal jetzt, wir wollen feiern! Und ich will BMW fahren!

Ach ja, Autos hat BMW übrigens gar nicht vom ersten Tag an produziert. 1923 kam zunächst ein BMW-Motorrad auf den Markt, die legendäre R 32. Erst 1929 folgte das erste Serien-Automobil. Aber warten wir jetzt etwa bis 2029? Ich glaub', es geht los!

Es geht los!

Der Nullzwo

Der BMW 02 ist eine Legende. Nach dem 328 Roadster von 1936 ist er sicher der wichtigste Grundstein für den sportlichen Ruf der Marke. Er wurde 1966 als 1600-2 vorgestellt, wobei die 2 für „Zweitürer“ steht. Der Wagen war die kleine, sportliche Version des Familien-Viertürers 1600, der auch als „Neue Klasse“ bekannt ist. Das Limousinen-Coupé verursachte einen tiefgreifenden Imagewandel für die Münchner Marke. Als die „Zweier-Serie“ (offiziell Baureihe 114) erstmals den Asphalt berührt, sind BMWs plötzlich die Sportlichen. Viel sportlicher als etwa Audi (damals noch eine völlig verstaubte Hutträgermarke) oder Mercedes (damals eine Taxi-Marke). Der 1602 leistet nur 85 PS, aber bei mageren 940 Kampfgewicht reicht das schon zum Angeben. 1968 folgt der 2002 mit Zweilitermotor und 100 PS, dann der 2002 ti mit 120 PS, schließlich der 2002 tii mit Einspritzmotor und 130 PS. 1972 gehen BMW zum Glück die "i"s aus – der 2002 turbo (Baureihe E 20) tritt an. Mit seinen 170 PS wird er von Autotestern als völlig übermotorisiertes Monster tituliert. Aus dem Nichts heraus wird er zum Eroberer der linken Spur. Und nebenbei ist er der erste Serienturbo der Welt – ja tatsächlich, noch vor dem Porsche 911 Turbo! Junge Männer wie mein Vater damals (wenn er nicht traditionell VW gefahren hätte, aber mit seinem K70 war er ebenfalls ganz weit vorn) lieben diesen PS-Schocker – und können ihn sich sogar erlauben. Sein Preis von rund 20.000 Mark entspricht nach heutiger Kaufkraft rund 30.000 Euro. Gegen Aufpreis lassen sie sich auf dem Frontspoiler den Schriftzug „turbo 2002“ in Spiegelschrift ankleben – als Kriegsbemalung für die Autobahn. Der 02 ist der Rabauke ohne Respekt vor Porsche, Ferrari &Co. Denn die sind zu jener Zeit kaum schneller. Mit Werbeanzeigen wie "BMW goes like schnell" oder "Move over" ("Mach’ Platz") gießt die Marke kräftig Öl ins Feuer – und festigt ihr neues Image.

Heute kann der kleine Racker höchstens noch einen Kleinwagen erschrecken. Aber das ist egal. Er hat seine Pflicht getan. Er darf in Ruhe sein Seniorendasein genießen.

Der Turbo kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die Energiekrise machte ihm den Garaus. Es war die Zeit der „autofreien Sonntage“. Fahrverbot für private PKW, heute kaum vorstellbar. Nach nicht einmal 1700 produzierten Turbos war deshalb schon wieder Schluss. Zum Vergleich: Vom normalen 2002 wurden 337.000 Autos produziert, vom 1602 immerhin rund 56.000. Die ganze Baureihe wurde 1975 durch den ersten BMW 3er (Baureihe E21) abgelöst. Das Einstiegsmodell 1502 blieb jedoch noch noch bis 1977 im Programm.

Der 02 ist also genau halb so alt wie BMW, so wie ich selbst. Grund genug, mir einen zum Geburtstag zu schenken, finde ich. Doch Modelle in meiner Wunschfarbe und Wunschausstattung sind längst in höhere Sphären entrückt. Für gut erhaltene 2002er im knalligen Inka-Orange zahlen Sammler heute 20.000 Euro und mehr.

Bei meiner Pirsch über die gängigen Gebrauchtwagenportale stoße ich – mal wieder – auf einen kleinen Händler in Ampfing, nur 45 Minuten von München entfernt. Er hat gleich mehrere Nullzweier zur Auswahl. Ein schwarzer 1602 sticht mir sofort ins Auge. Zweite Serie zwar, keine runden Rückleuchten, aber dafür mit besseren Sitzen, Kopfstützen, Sicherheitsgurten und Zweikreis-Bremssystem.

Automobile Onita kenne ich bereits als kleines BMW-Paradies. Anton Onita (39) holt seit einiger Zeit historische BMWs aus Portugal. Das Interessante: Die Autos wurden auch dort gebaut. Das offizielle Typenschild von BMW vorn im Motorraum weist sie entsprechend aus. "Montado em Portugal" steht dort.

Aus Zollgründen (die EU gab es damals ja noch nicht) wurden von München aus fast komplette Bausätze in ausländische BMW-Werke exportiert und dort zusammengesetzt. Man spricht von so genannten CKD-Autos, (completely knocked down = komplett demontiert). Der Import fertiger Fahrzeuge war hingegen mit extrem hohen Zollgebühren belegt.

BMW-Klassikexperte checkt den Wagen

Das erklärt, warum der Mann mit der blauen BMW-Classic-Jacke in den ersten Minuten nur den Kopf schüttelt und „nicht original, nicht original, auch nicht original“ murmelt. Klaus Kutscher (57) ist Projektleiter für Restaurierungen bei der BMW Group Classic. Als Spezialist für Expertisen kümmert er sich um die Schätze aus der reichen BMW-Geschichte. Auch der berühmte 507 Roadster, den einst Elvis Presley fuhr und der erst kürzlich wieder auftauchte, wird gerade unter seiner Ägide restauriert.

Ich habe Kutscher zu Rate gezogen, damit er einen fachmännischen Blick auf meinen Kandidaten werfen möge. Wir heben den Wagen noch bei Onita auf die Bühne, und er geht mit einer Taschenlampe in jede Ecke. „Technisch in tadellosem Zustand“, sagt Kutscher. Nachdem er die Kompression des kleinen Vierzylindermotors geprüft, den Kühlerdeckel auf Schaumspuren geprüft und am Motoröl gerochen hat, schaut er in den Innenraum. Plötzlich runzelt er die Stirn. Mir schwant Böses.

„Ich fürchte, der Teppich ist nicht original", sagt Kutscher. "Und die Narbung des Kunstleders auch nicht." Doch irgendwie wird er aus dem, was er sieht, nicht recht schlau. "Seltsam, die Prägung der Teile stimmt wiederum. Warum sollte es irgendjemand so aufwändig nachmachen und dann das falsche Material nehmen?" Auch die Außenfarbe des Autos kommt ihm seltsam vor. „Gab es den 1602 überhaupt in Schwarz?“ fragt er sich laut. Unter dem Unterbodenschutz blitzt es an einigen Stellen weiß durch. Wurde der Wagen etwa irgendwann nachlackiert? Dagegen sprechen wiederum die vielen original erscheinenden Aufkleber auf der Innenseite der Motorhaube. Kutscher ruft die BMW-Zentrale an und lässt die Fahrgestellnummer im Computer checken. Das Ergebnis hilft ihm nicht weiter: Kein Eintrag.

Original oder nicht?

Anton Onita schmunzelt. Er klopft Kutscher auf die Schulter und zeigt auf die anderen Nullzweier, die aufgereiht auf seinem Hof stehen. Kutscher nimmt einen nach dem anderen unter die Lupe. Alle haben dasselbe "falsche" Kunstleder und denselben "falschen" Teppich. "Offenbar unterscheiden sich die portugiesischen Autos in einigen Details von der Münchner Produktion“, sagt Kutscher. "Das war mir neu. Wieder was gelernt."

Die Erklärung kommt etwas später aus der BMW-Zentrale: Seinerzeit sei es üblich oder sogar vorgeschrieben gewesen, dass die ausländischen Autoimporteure die lokale Wirtschaft stärken sollten. Deshalb wurden einige Teile vor Ort von inländischen Zulieferen gefertigt. Und die haben einfach ein etwas anderes Material verarbeitet.

Auch die Farbe stellt sich als echt heraus. „Damals wurden die Autos noch nicht tauchlackiert“, erklärt Kutscher. Das Weiß am Unterboden ist die Grundierung.

Also Entwarnung. Same same, but different – alles original, alles okay. Ich habe ein seltenes CKD-Fahrzeug in seltener Farbe an der Angel! Das muss nicht unbedingt wertsteigernd sein, aber es ist zumindest mal kein Manko. Aufatmen.

Die Karosserie und die Technik sind in einem bemerkenswert guten Zustand: alle Chromteile und Zierleisten vorhanden und fast makellos. Hinten links hat der 1602 unter dem Rücklicht eine klitzekleine Delle. Das verbuche ich als Patina. Ein altes Auto darf auch ein paar Kampfspuren haben, finde ich. Die Reifen aber müssen erneuert werden. Und die Alufelgen kommen offenbar aus dem portugiesischen Zubehörhandel. Sie haben keine deutsche Prüfnummer, also keine offizielle Zulassung. Mir nur recht. Die originalen Stahlfelgen finde ich ohnehin schöner.

Ich entschließe mich also, den Wagen zu kaufen. Knapp 10.000 Euro ruft Anton Onita auf. Wahnsinn, für 7.500 Euro hätte ich bei ihm vor einem halben Jahr noch einen Nullzweier der ersten Serie mit runden Rückleuchten haben können. Damals kam mir allerdings ein anderes Traumauto dazwischen. Ich entschied mich, den Bimmer zu vertagen. Blöde Idee, wie sich jetzt herausstellt. In den wenigen Monaten sind die Preise enorm gestiegen. Offenbar im Fahrwasser des Porsche 911, dessen Wert im vergangenen Jahr geradezu explodiert ist, haben viele Oldtimer-Fans die sportlichen BMWs jener Zeit als Alternative für sich entdeckt.

Ich handele noch neue Räder und Reifen raus und bringe die roten Kennzeichen an. Mein Geburtstagswagen geht jetzt zu BMW Classic nach München. Dort soll er noch einmal gründlich auf Originalität geprüft werden und eine Expertise bekommen. Das ist hilfreich für ein späteres Wertgutachten und die Vollkaskoversicherung.

Also ab nach Hause. Der Frühling kann kommen. Happy Birthday!

Der Check bei BMW Classic, die Anmeldung, das Wertgutachten, die erste Ausfahrt – wie es weitergeht, lesen Sie hier!

Autor: Michael Görmann
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