Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Katzen

Unser Autor lernt im Urlaub viel über Katzen und Weltpolitik

Alles für die Mieze

Unser Kolumnist macht mit seiner Freundin Bildungsurlaub auf Mallorca. Ihre Hilfspakete für herrenlose Katzen lehren ihn viel über die Weltpolitik

Ramona und ich sind auf Mallorca, im berühmten „Hinterland“, also da, wo es die Speisekarten in den Läden überraschenderweise nur auf Spanisch gibt. Die Männer wirken knorrig, als würden sie den Pflug bei Bedarf noch selbst durch den Acker ziehen. Die älteren Frauen sind alle noch jünger, sehen aber schon mit 40 aus wie Keith Richards, weil sie keine Feuchtigkeitscremes kennen. Menschen und Natur sind hier so öko, wie man das bei uns im Biomarkt gern hätte. Nix und keiner wird gespritzt, weder mit Botox noch mit Wasser. Das Gemüse gammelt einem deswegen unter den Fingern weg, schmeckt aber prima, und man bekommt eine Idee davon, wie Gott eine Orange gemeint haben könnte. Wir sind typisch deutsch und deswegen maximal begeistert. Das Häuschen, das wir gemietet haben, wird gleich am ersten Abend von einer Katze besucht, die aussieht wie eine Kandidatin von Heidi Klums Germany’s Next Topcat: Sie ist sehr dünn und rennt manisch auf und ab. Wir machen einen Wein auf und denken: Scheiße noch eins, malerischer geht’s ja kaum, und zu Hause retten sie jetzt Griechenland!

 

Die Katze, stellt sich am nächsten Tag heraus, hat sogar noch zwei Junge. Ramona ist völlig aus dem Häuschen. Wir fahren zu einem Supermarkt, holen den Katzen Trockenfutter und uns deutsches Vollkornbrot. Es steckt halt so drin. Meine Eltern sind noch mit löslichem Kaffee im Gepäck in den Urlaub nach Italien gefahren, weil man den Spaghettis in Sachen Kaffee nicht traute. Was will man also von mir erwarten, nur eine Generation später?

 

Die Katzenzahl hat sich auf sieben erhöht. Wir kommen nur noch mit Mühe durch die Tür


Abends kommt der mutmaßliche Vater der Katzenbabys. Es ist wie im richtigen Leben, da sind Väter ja auch meist nur sporadisch anwesend. Wir sitzen wieder vor dem Haus, gucken Sonnenuntergang und Spiegel Online. Dann geben wir den Katzen Namen. Die Kleinen heißen Fips und Eddie, die Großen Tsipras und Merkel, weil sie sich dauernd anfauchen und der Kater einfach vor dem Napf liegt, während die Katze ständig rumrennt und versucht, irgendwas zu fangen. Am nächsten Tag liegt eine halbe Maus vor der Tür. So was machen Katzen, um sich für Futter zu bedanken, sagt Ramona. Merkel hat uns quasi so was wie sinnloses Betreuungsgeld geschenkt. Ganz wie im richtigen Leben eben. Mit den Katzen kann man praktisch die gesamte Weltpolitik nachspielen, denn am anderen Morgen hat Tsipras offenbar weiteren Kollegen Bescheid gesagt, dass bei den Deutschen was zu holen ist. Insgesamt sitzen da nämlich jetzt vier Katzen vor der Tür und maunzen. Es klingt teilweise verbittert, mitunter auch anklagend. Wir opfern eine Dose Thunfisch und fahren noch mal in den Supermarkt, um Futter zu kaufen. Praktisch unser zweites Hilfspaket.

 

Drei Tage später sind wir wieder da, denn die Katzenzahl hat sich jetzt auf insgesamt sieben erhöht. Wir kommen nur noch mit Mühe durch die Tür und auch mit dem Namengeben nicht mehr hinterher. Keine Ahnung, wo die Flüchtlinge herkommen, aber wir versuchen, ihnen klarzumachen, dass das Boot jetzt voll ist. Wir essen nur noch im Haus, und das mit schlechtem Gewissen. Gerade wenn es Fisch gibt und sie draußen vor der Glastür stehen. Klar, finanziell gesehen, können wir einfach immer weiter Futter kaufen, aber das löst das Problem nicht.

 

Der einheimische Kneipenbesitzer begreift nicht, was das für ein Problem sein soll. Er bietet an, mit einem Sack vorbeizukommen und anschließend zum Fluss zu fahren. So mache man das in Spanien. Das ist uns dann doch zu öko. Wir fahren ja bald wieder und werden das Problem einfach den Nachmietern überlassen. Ich will die Metapher hier nicht totreiten, aber Europa scheint mir insgesamt ein schwieriges Projekt zu bleiben.

Autor: Ralf Husmann
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.