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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Technik

Unser Autor will abnehmen - und greift auf Hilfsmittel zurück

Am Bande des Wahnsinns

Unser Kolumnist will abnehmen. Ein Fitnessarmband soll sein Leben verändern. Das klappt auch - nur leider nicht in der gewünschten Weise

Ich mache eine innere Schweinehundeschule auf. Mein interner Pitbull kann sich auf was gefasst machen, denn ich habe jetzt ein Fitnessarmband. Innerhalb der nächsten sechs Wochen werde ich mich rundoptimieren. Von Kim Jong Un zu Wladimir Putin. Ich meine das nur bezogen auf die äußere Erscheinungsform, völlig unpolitisch. Ich könnte auch sagen von Reiner Calmund zu Ryan Gosling. Das Armband sagt mir, wann ich schlafen gehen soll, was ich essen darf und wann ich laufen müsste. Praktisch wie Mutti früher oder Ramona heute, nur um Längen cooler, weil mit Bluetooth und Internet. Außerdem blinkt es, und das tut Ramona auch nicht. Allein deswegen bin ich begeistert. Ich war schon oft neidisch auf Kinder, weil die Schuhe mit blinkenden Sohlen haben dürfen und ich nicht, nur weil ich schon groß bin. So geht es den meisten Männern, und so ein Selbstoptimierungsarmband ist so nah wie möglich dran an blinkenden Schuhen für Erwachsene. Möhre und Nils haben auch so ein Ding. Wir werden in circa sechs Wochen so dermaßen optimal sein, dass die drei Musketiere neben uns aussehen wie das Handicap-Trio aus Paris.

 

Männer sind so primitiv. Sie fallen immer wieder auf Technikscheiße rein 


Das war die Stimmung vor circa sechs Wochen, als wir alle die Dinger neu hatten. Männer sind so primitiv. Sie fallen immer und immer wieder auf Technikscheiße rein. So, wie Frauen glauben, es gäbe Diäten, mit denen man tatsächlich abnimmt, oder Cremes, die wirklich Dellen aus dem Arsch beulen, glauben Männer, es gäbe Technik, die Probleme löst. Oder funktioniert. Stattdessen klappt natürlich nichts. Ich hab ein Handy, das mit dem Scheißarmband nix redet, wegen fehlender Kompatibilität. Ohne Smartphone ist das Armband aber so aufgeschmissen wie ein handelsüblicher Teenager. Und genauso nutzlos. Ich kapiere aber nicht, wie ich dem Armband per Handy klarmache, dass ich mit dem Rad ins Büro gefahren bin. Das Armband schnallt von selbst nur laufen, gehen oder schlafen.

 

Möhre frisst jetzt ausschließlich Fertigpizza, die kann man nämlich im Handy einscannen, während man richtiges Essen von Hand eingeben muss, und er weiß nicht, wie. Sex erkennt das Armband auch nicht. Wir hatten Sex, das Armband hielt es für schlafen. Hier können Sie den Gag jetzt selbst machen. Und nein, so war es nicht. Ich hab mich auch bewegt. Nils hat keinen Sex, denn er hat ein Baby. Seine Frau hat aber die Gebrauchsanweisung vom Armband gelesen und kann deswegen da ablesen, wie viel er schläft. Mehr als das Baby, sagt sie, jedenfalls deutlich mehr als sie. Das sei nicht die versprochene Arbeitsteilung. Von uns hat natürlich keiner die Gebrauchsanweisung gelesen. Technik funktioniert entweder intuitiv oder gar nicht. Ein richtiger Mann muss ja auch bei einer Schlägerei nicht nachschlagen, wann er zuschlagen muss. So was haben wir einfach drauf.

 

Wir gehen natürlich davon aus, dass sich unsere Fitness mit dem Kauf des Armbands automatisch verbessert, so wie wir davon ausgehen, dass wir Spanisch können, wenn wir die fünf CDs vom Sprachkurs gekauft haben. Jetzt hab ich auch keinen Sex mehr, weil Ramona nicht will, dass Nils’ Frau in seinem Handy nachlesen kann, wann wir Sex hatten. Angeblich geht das. Wegen des Armbands und Bluetooth und Internet. Möhre hat seit dem Fitnessarmband durch die Fertigpizzas vier Kilo zugenommen. Nils auch, weil er nicht mehr zum Training kommt, seit er vermehrt das Baby hüten muss. Das Armband war für uns wie Demokratie für die Ukraine. Man hat gedacht, dadurch wird automatisch alles besser, stattdessen ist am Ende alles eine riesengroße Scheiße. Das meine ich auch ganz unpolitisch. Manche Menschen sind eben einfach nicht optimierbar. Aber Frauen haben auch Fehler.

Autor: Ralf Husmann
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