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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Erkältung

Unser Autor glaubt er muss sterben. Das wirft heikle Fragen auf

Anfang vom Ende

Unser Kolumnist hat eine - laut Internet - lebensbedrohliche Erkältung. So geht also 2014 los. Mit Grundsatzfragen: Soll die Ex erben? Fliegen alte Affären auf? Steht dann „Arschloch“ in den Traueranzeigen?

Das Jahr fängt schlecht an. Ich bin vom Aussterben bedroht. So wie es sich anfühlt, werde ich in naher Zukunft mit der mir liebgewordenen Gewohnheit zu atmen aufhören. Ich habe Fieber und eine dieser meist tödlich verlaufenden Grippen, die aus Asien kommen. Sagt der Online-Doktor. Ich hab alle Symptome. Ich habe Klopfen im Kopf. Es fühlt sich an, als hätten Rammstein in meinem Schädel einen Proberaum. Ramona sagt, ich habe bloß einen Schnupfen und bin ein weinerlicher Tränensack. Sie sagt, ich benehme mich wie alle Männer, wenn sie krank sind. In ein paar Tagen wird ihr diese Haltung leidtun. Dann muss sie nämlich meine Beerdigung organisieren. Sie wird dastehen wie eine Kuh beim Kopfrechnen. Sie ist organisatorisch ja schon überfordert, wenn die Jungs zum Grillen kommen. Und dieses Mal sollen keine Folienkartoffeln eingeäschert werden, sondern ich.

 

Ich muss auch noch verfügen, was auf meiner Beerdigung gespielt werden soll, sonst läuft ,Time To Say Goodbye’, oder die Jungs singen ,Junge, komm bald wieder’


Aber darüber will sie nicht reden. Ich seh es schon kommen: Ich bin tot und muss mich schämen, weil es auf meiner Beerdigung kalte Fischstäbchen gibt und warmes Bier. Ich werde mich auf meiner eigenen Beerdigung im Grab umdrehen. Um alles muss ich mich selber kümmern! Und das in meinem Zustand! Ramona lässt mich bestimmt nicht mal einäschern, sondern kauft einen Billigsarg. Sie wollte ja auch Laminat in der Wohnung.

 

Ich muss auch noch verfügen, was auf der Beerdigung gespielt werden soll, sonst läuft „Time To Say Goodbye“, oder die Jungs singen „Junge, komm bald wieder“, weil Männer Emotionen wie Trauer immer ironisch verstecken müssen. Ich muss unbedingt eine Playlist machen. Aber so lange Rammstein noch in meinem Kopf proben, kann ich keinen klaren Gedanken fassen. Ich muss auch dringend klären, dass Möhre meine Ex-Freundinnen von meinem Tod unterrichtet. Möhre ist aber noch im Skiurlaub. Das ist typisch. Da stirbt man einmal im Leben, und wer ist dann wieder nicht da? Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

 

Ich werde also Ramona bitten, meine Exen zu benachrichtigen. Ich werde ihr mein kleines rotes Notizbuch geben. Nein, falsch, sie weiß ja bislang nichts von Andrea, Alina und Trixi. Sie wird im Nachhinein noch schlecht von mir reden. Ich möchte nicht, dass ich die erste Online-Traueranzeige kriege, in der das Wort „Arschloch“ mehrfach vorkommt. Mir fällt ein, dass auch Trixi nichts von Alina weiß. Trixi würde mich jetzt noch umbringen, wenn sie das erführe. Zu Recht. Moralisch war das mit Alina damals tatsächlich nicht ganz sauber. Ich werde vielleicht mein Testament ändern. Als Wiedergutmachung. Andererseits weiß ich nicht, ob Geld das richtige Mittel ist, zumal ich mir davon ja eigentlich ein neues Auto kaufen wollte. Außerdem hab ich gar kein Testament. Wenn ich das Internet richtig verstehe, ist es nicht damit getan, auf einen Zettel zu schreiben: „Wenn ich tot bin, soll Trixi Evers den Erlös meiner Telekom-Aktien bekommen.“ Das muss ein Notar machen. Wie stellt sich der Gesetzgeber das eigentlich vor? Dass ich mich in meinem Zustand aus dem Bett quäle, um zu einem Notar zu robben, weil ich vor Jahren mal fremdgevögelt hab? Wenn ich das alles zusammenrechne, komme ich zu dem Schluss, dass ich noch nicht sterben kann, weil nichts, aber auch gar nichts organisiert ist. Ich schreibe dies, um den überlebenden Männern eine Mahnung zu sein. Es ist ja jetzt die Zeit der guten Vorsätze.

Autor: Ralf Husmann
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