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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Bruce Lee vs. Steven Seagal

Einer von uns, keiner von uns

Artist vs. Lobbyist

Er wurde als Kampfkunst-Ikone unsterblich, weil er aus seinem Leben großes Kino machte: Bruce Lee, dessen 75. wir posthum feiern. Ganz anders: Steven Seagal, dessen Leben als Waffenbotschafter heute aussieht wie ein schlechter Film

EINER von uns: Bruce Lee

Es gibt Männer, die sind größer als ihr Leben. Irgendwann hinausgewachsen über ihr Werk. Zu Ikonen geworden, ihre Worte Zitate, ihre Gesichter Poster aus dem Merchandise der Legendenbildung. Che Guevara war so einer. James Dean, Zigarette im Regen, ebenfalls. Männer, die Revolutionen begannen oder die Welt durch ihren Stil veränderten. Oder eben beides - wie Bruce Lee.

Auch sein Leben war eine Revolution. Weil es ihm, geboren in San Francisco, aufgewachsen in Hongkong, gelang, zwei Welten zu vereinen. Grenzen einzutreten. Mit Kindesbeinen schon. Geboren als Lee Jun-fan, Sohn eines chinesischen Opernschauspielers, war er immer gleich alles: Staatsbürger der USA, Staatsbürger Chinas. Wildwest und Fernost. Ein Spagat, der schmerzvoll war, und den er trainierte unter den Schmähungen der Mitschüler, den Attacken der Rassenbande. Lernte so, sich zu wehren, mit diesem Körper, diesen Bewegungen, bald unfassbar im Kampf und als Phänomen.

Daraus entwickelte der junge Lee seine Kraft. Daraus entstand die Wucht, mit der er in die Wahrnehmung der Welt krachte. Sein eigener Stil: Jeet Kune Do, der Weg der abgefangenen Faust, der Weg des kleinen Drachen. Martial Arts, Kampf und Kunst. Lee mischte, erbarmungslos hart zu sich und seinem Körper, das leichte Boxen der Chinesen mit dem schweren Boxen der Amerikaner. Tanzte dabei. Cha-Cha-Meister in Hongkong, kein Witz. Ein Handkantenfechter im Tango der Tritte. Natürlich ging er nach Hollywood, war er die Zukunft des Actionfilms. Bis ein Ödem im Kopf - vielleicht ein Tritt, ein Schlag zu viel - ihn, den vielleicht größten Kämpfer seiner Generation, für immer fallen ließ. Die Verehrung begann danach, weil die Filme, Martial Arts für die Leinwand, ohne ihn nur noch martial, aber keine Kunst mehr waren.

KEINER von uns: Steven Seagal

Seine Filme heißen „Hard to Kill“ oder „Today You Die“. Sie heißen tatsächlich „Out for A Kill“ oder „Driven to Kill“. Wer es abwechslungsreicher mag, kann sich aber auch „Kill Switch“ oder „Hard to Fight“ anschauen. Steven Seagal ist mit diesen Filmen in den 90er-Jahren reich geworden, weil er nicht nur der Frontmann mit der Handkante, sondern zugleich Produzent war. Und mehr müsste man über ihn eigentlich gar nicht wissen, schließlich sind die 90er-Jahre bald 20 Jahre her, und er, einst einer der größten weißen Kampfsportler der Welt, sieht mittlerweile aus wie die dicke Schwester, die Jean Claude van Damme gern geheim gehalten hätte. Ein Mann mit Pferdeschwanz, die Frisur ist ihm egal. Aber leider muss man gerade doch wieder über Steven Seagal sprechen, weil er - Gurt: schwarz, Alarmstufe: Rot - in seltsamer Mission um die Welt fliegt.

Mal landet der vegetarische Anhänger fernöstlicher Spiritualität beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok, mal verbringt er seine Ferien an der Schwarzmeerküste. Braun werden im Zwielicht. Vor allem aber inszeniert er sich als weiser Freund Putins. Und sagt gern Sätze wie diesen: „Viele Amerikaner lieben Russland so wie viele Russen die USA.“

Steven Seagal, der seit 20 Jahren auch ehrenamtlich als Deputy Sheriff in einer Kleinstadt in Louisiana arbeitet, dort sogar Schießunterricht gibt und im Grunde amerikanischer nicht sein könnte, ist längst abgehalftert. Plötzlicher Posterboy Moskaus, Lobbyist der russischen Waffenindustrie. Auch so gesehen, gilt: Alarmstufe Rot. Weil da einer, der sich durch zwei Dutzend B-Movies geballert hat, ganz offensichtlich den Schuss nicht mehr hört. In der Ukraine hat Seagal bereits Einreiseverbot. Und es wäre an der Zeit, ihm auch die Rückkehr nach Hollywood zu verbieten. Man könnte so nicht die Welt, zumindest aber das Kino vor ihm retten.

Autor: Lucas Vogelsang
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