Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Das 1580-PS-Duell

Abt Audi RS6-R vs. Brabus Mercedes SL 850

Audi gegen Mercedes im stärksten Duell der Welt

Leistung und Lifestyle kann man unterschiedlich verpacken. ABT SPORTSLINE macht den AUDI RS6-R heiß, und BRABUS bringt den MERCEDES SL 850 an sein Limit. Aber wer hat die Nase vorn? Hier sind zwei Autos, zwei Fahrer, zwei Liebeserklärungen

Playboy-Autoexperte Michael Görmann Über den Abt RS6-R

Der Kombi an sich ist ein genügsames Fahrzeug. Er schluckt was weg, macht nie Sperenzchen und ist sich für keinen Drecksjob zu schade. Wer seine Familie, das Sportgerät und auch mal den Ikea-Einkauf transportieren und nur ein einziges Auto dafür nutzen will, der ist mit einem Kombi(nationsauto) mittlerer Größe bestens bedient. Gediegen, geschlossen, gekauft. Na gut, auf Stil und Sportlichkeit sollte man in diesem Fall vielleicht weniger Wert legen. Aber ansonsten ist der Kombi eine ganz famose Kutsche. Habe ich da gerade über den Audi RS6-R geschrieben? Nein! Wobei die ersten Punkte alle zutreffen. Doch dieser Audi hier, der hat auch Stil und eine richtig große Klappe – im doppelten Wortsinn. Dabei ist er jedoch kein Poser. Kollege Tim Geyer würde glatt dran vorbeilaufen, ohne die wahren Werte zu bemerken.

Schon der originale RS6 Kombi, dem Audi noch immer die frankophil-weiche 70er-Jahre-Bezeichnung „Avant“ hinterherträgt, ist eine formidable Fahrmaschine. Aus seinem 4-Liter-V8 holen die Ingolstädter 560 PS, was etwas mehr ist als eine propere Motorisierung. Sagen wir es mal so: Selbst bei voller Zuladung hat man noch die Dauerkarte für die linke Spur. Der Beschleunigungswert des Serien-Audi liegt mit 3,9 Sekunden von null auf 100 um Längen unter dem eines Porsche 911 (4,8 s). Nur die Tatsache, dass der RS6 Avant bei 250 km/h elektronisch eingebremst wird, sorgt dafür, dass er am Ende irgendwann den Elfer (V-Max 289 km/h) vorbeiziehen lassen muss. Dabei kann der Audi mehr als 300, wenn man ihn ließe. Aber das Wegprogrammieren der elektronischen Begrenzung lässt sich der Hersteller leider gut bezahlen.

ABT Sportsline regelt ebenfalls ab. Aber erst bei 320 km/h und auch nur, weil bei diesem Höllentempo die offizielle Zulassung der Reifen endet. Wer knapp 60.000 Euro auf den Tisch legt (zusätzlich zu den 110.000 für die Grundversion des Autos, versteht sich), der bekommt einen Überkombi allererster Kajüte. Es ist der stärkste Lieferwagen auf dem deutschen Markt. Und weil „Kombi“ heutzutage immer mehr auch Lifestyle-Vehikel sind, tritt er in diesem Duell an. Gegen einen zugegebenermaßen hervorragenden Roadster. Noch dazu von Mercedes. Doch am Ende fällt die Entscheidung leicht: Lifestyle mit Nutzwert tritt gegen Lifestyle mit verbrannter Stirn an – da ist es doch wohl sonnenklar, wer die Nase vorn hat, oder?

Wie aber gibt man einem bereits perfekten Diamanten wie dem RS6 Avant zusätzliche Facetten? ABT Sportsline hat dafür ein Paket namens „Power S“ entwickelt. Kernstück ist ein neues Steuergerät für das 8-Zylinder-Kraftwerk. Die „ABT Engine Control“ arbeitet noch spitzer und aggressiver als die Serienelektronik. Hinzu kommen eine Edelstahl-Abgasanlage mit vier Endrohren und jede Menge Aerodynamikkomponenten aus Kohlefaser. So hat mein Kombi doch tatsächlich kleine Flaps seitlich an seiner Front. Man kennt solche Luftleitflügel aus dem Rennsport, vor allem in der DTM haben sie mit den Jahren recht beachtliche Ausmaße angenommen. Beim ABT RS6-R sind sie viel kleiner – aber im normalen Straßenverkehr trotzdem ein echter Hingucker. Noch dazu haben die Allgäuer alle Carbonteile in dunklem Rot gehalten – das ist Geschmackssache, aber über Geschmack wird hier nicht diskutiert.

Mein neuer Lieblings-Lkw endet oben in einem roten Dachspoiler und unten in einem Diffusor, der die vier Auspufftüten so schön in Szene setzt, als seien es die Trompeten von Jericho. Ob der Sound da mithalten kann, weiß ich nicht. Ich fahre ein Vorserienfahrzeug der auf 25 Stück limitierten Sonderedition. ABT verspricht eine adäquate Klangkulisse.

Mit dem Motormanagement und der Aerodynamik-Optimierung ist es allerdings nicht getan. Ein Gewindefahrwerk und High-Performance-Reifen von Dunlop gehören ebenfalls zum Kit. Dass der Laster auf 22-Zoll-Felgen rollt und selbst die Spiegelkappen in Carbon gehalten sind, macht alles nur noch runder.

Kurzum, ein Kombi, der endlich alles kombiniert: Fahrspaß, Stil, Nutzwert und Leistung im Überfluss. Und wer seiner Liebsten noch immer den Mehrwert verklickern muss, der zeige einfach stumm auf die Ladefläche und frage: Lust auf Ikea? Die Sache ist klar: Laster schlägt offene Kutsche.

Fazit: Klar, wir wollen 300plus fahren. Aber wir wollen nicht abheben. Wir lieben Leistung im Überfluss. Aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht um ihrer selbst willen. Mit dem Audi RS6-R können wir Spaß haben und bleiben trotzdem irgendwie auf dem Teppich. Zur Not können wir ihn sogar hinten reinpacken. Selten wurde Fahrspaß so genial verpackt.

Playboy-Redakteur Tim Geyer Über den Brabus SL 850

Ja, ich gebe es zu, manchmal fahre ich gern Fahrrad. Im Alltag mag ich es entspannt. Umso mehr zelebriere ich im Gegenzug den Exzess. Besonders wenn es um Autos geht. Autos wie den Brabus SL 850. Dass Kollege Michael Görmann den Nutzwert seines getunten Kinderwagens lobt, kann man ihm nicht verdenken. Doch wenn ich ordentlich am Sportlenkrad drehe, dann bitte ohne Monatsvorrat an fettreduziertem Trinkjoghurt im Kofferraum. Extrem statt kompromissbereit, unvernünftig statt besonnen, ganz oder gar nicht. Brabus eben.

Dieses Image des Edel-Veredlers aus Bottrop spiegelt sich am SL 850 schon allein in den Karosserie-Upgrades aus der hauseigenen Carbon-Backstube: Frontspoiler, seitliche Schwellerleisten, Blenden für die Luftauslässe an den Seiten und in den Kotflügeln sowie ein Diffusoreinsatz im Heckstoßfänger. Klingt nicht gerade bodenständig, das Aerodynamik-Kit sorgt aber trotzdem dafür, dass der Brabus auf dem Boden bleibt, und wirkt angesichts der Leistungsdaten schon fast dezent.

Während der Mercedes SL 63 AMG in der Basisversion mit 585 PS bereits nicht gerade untermotorisiert ist, pumpt die Bodo-Buschmann-Truppe den SL auf 850 PS. Das gelingt mittels Hubraumvergrößerung von 5,5 auf 6,0 Liter und eines modifizierten Turbosystems, das skeptische Fragen nach der gewaltigen Luft-Hutze auf der Motorhaube mit gierigem Ansaug-rauschen übertönt. Apropos Töne. Beim Brabus sitzt die wichtigste Klappe nicht am Heck, sondern in der Sportauspuffanlage. Die integrierte Klappensteuerung dämpft den V8 im geschlossenen Zustand auf ein nachbarschaftsfreundliches Säuseln. „Coming home“ nennt Brabus das. Sobald man jedoch einen kleinen Knopf am Lenkrad drückt, ist es damit vorbei. Dann klingt der Motor nach irgendetwas zwischen Donnersturm und zehn Hells Angels in voller Fahrt. Das weckt Erwartungen, als hätte dich Putin gerade zur Bärenjagd eingeladen: könnte gefährlich werden, könnte aber auch Spaß machen.

Dieses Gefühl gibt es natürlich nicht umsonst. Allein das Motor-Tuning kostet 74.800 Euro, mehr als ein BMW M4 oder zwei Lotus Elise. Aber die kann ja jeder fahren.

Fahren ist auch ein gutes Stichwort. Denn dieses Cabrio wurde nicht fürs Parken vor einer Eisdiele gemacht, sondern dafür zu beschleunigen, als gäbe es keinen Drehzahlbegrenzer. Dabei hilft eine 7-Gang-Speedshift-Automatik, die sich auch am Lenkrad über Alu-Schaltpaddles steuern lässt. Die sehen aus wie Kung-Fu-Waffen, geben den Schaltbefehl aber mitunter etwas verzögert an das Getriebe weiter. In jedem Fall ist auch eine erhöhte Sensibilität am Gasfuß gefragt. Sonst zieht das Heck nämlich schneller an einem vorbei, als man „Walter Röhrl“ sagen kann.

Der Sprint von null auf 100 km/h in 4,1 Sekunden ist anständig, doch richtig interessant wird es, wenn man weiter Gas gibt. Dann ist man in 9,9 Sekunden auf 200 km/h und in 23,8 Sekunden auf 300 km/h. Die Beschleunigung treibt mir den Haaransatz Richtung Hinterkopf und ein unfreiwilliges Mickymaus-Grinsen ins Gesicht. Blöd, dass ich vergessen habe, das Windschott hochzufahren. Gut, dass Kamera-Autos bei der Geschwindigkeit nicht mithalten können.

Wer jetzt bemängelt, dass der brutale Schub ab 290 km/h etwas nachlässt, der jammert auf hohem Niveau. Aber auf diesem bewegen wir uns hier auch. Wer je 350 Sachen in einem Cabrio gefahren ist, hat keine Fragen mehr.

Zur Verdeutlichung ein kurzes Rätsel: Was haben der Brabus SL 850 und ein Lkw gemeinsam? Die Antwort: ein gigantisches Drehmoment. Beim Brabus sind es bis zu 1450 Nm, die elektronisch auf 1150 Nm abgeregelt werden. Andernfalls würde die Kraft den Antriebsstrang zu sehr teurem Staub zermahlen. Dass Brabus den Fahrer hier sozusagen vor dem eigenen Übermut schützt, stört den Gesamteindruck nicht. Im Gegenteil. Es sorgt dafür, dass der SL 850 trotz seiner brachialen Leistung fahrbar bleibt.

Es mag nicht die erste Assoziation bei einem 350-Stundenkilometer-Geschoss sein, aber der Brabus SL 850 ist ein ehrliches Auto. Nicht im Sinne einer stets zuverlässigen Familienkutsche, sondern weil er nicht vorgibt, etwas anderes zu sein, als er ist: eine Fahrmaschine erster Güte. Das macht ihn sympathisch – und vor allem macht er unglaublich viel Spaß. Deshalb: lieber offenherzig als verschlossen.

Fazit: Auch wenn er ziemlich tief auf der Straße liegt – beim Brabus SL 850 muss man einfach über den Dingen stehen. 289.745 Euro sind viel Geld? Ja! Aber welcher Bausparvertrag fährt 350 km/h? Ach, so viel Leistung ist pure Verschwendung? Ja! Und zwar mit Ansage. Denn, mal ehrlich: Vernünftig sind wir oft genug. Für alles andere gibt es diesen Roadster.

So klingt der Brabus Sl 850

Folge Tim bei Twitter: @tim_geyer

Autor: Tim Geyer, Redakteur
Autor: Michael Görmann
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.