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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Mein Schlitten & Ich

Martin Reisner und sein Pontiac Chieftain

Auf die inneren Werte kommt es an

Als Karosserie- und Fahrzeugbauer macht Martin Reisner aus Langenpettenbach kaputte Autos wieder schön. Doch als er den Pontiac Chieftain sah, war dem 38-Jährigen klar: Dieses Auto darf man nicht neu lackieren. Nur die Technik muss tipptopp sein

Einige Mitmenschen, die mich mit diesem Wagen sehen, schütteln den Kopf. Sie können nicht verstehen, wie man mit so einem verrosteten Auto herumfahren kann. Klar, es ist ein verwittertes, verlebtes Teil, aber wer genau hinsieht, der merkt schnell: Genau so muss er bleiben, mein Chieftain. Eins-a- Restaurierungen kann schließlich jeder. Der Pontiac wurde 1956 gebaut und hat sein Leben fast vollständig in Arizona und Nevada verbracht. Ich habe im Kofferraum unter den Dämmmatten ein paar alte Fotos gefunden, die seine wechselvolle Geschichte belegen.

Doch um zu erahnen, was dieses Auto wohl alles erlebt hat, dazu muss man eigentlich nicht einmal in die Ecken schauen. Ein Blick auf den Lack genügt. Dieses Auto hat Freude bereitet und in der Sonne gebraten, davon erzählt jeder Quadratzentimeter der ermatteten, aufgeplatzten Haut, jede ausgetrocknete, verschrumpelte Gummidichtung, jeder Pickel auf dem Chrom.

Mein erstes Auto war ein BMW 3er, doch schon mit 20 kam ich bei US-Cars auf den Geschmack. Als mir mein Freund Peter Held (der selbst schon sein Auto hier im Playboy vorstellen durfte) schließlich von einem Pontiac Chieftain „mit Patina“ erzählte, war mein Interesse sofort geweckt. Leider hatte ihn mir schon jemand anderer vor der Nase weggeschnappt. Zwei Wochen vergingen, dann rief der Verkäufer überraschend noch mal an: Der Wagen sei wieder zu haben, denn der erste Interessent habe sich aus dem Staub gemacht. Vermutlich hatte der am Ende einfach zu viel Muffensausen vor der Restauration.

Zu Recht: Wenn man aus diesem Wagen eine Trailer-Queen im Zustand 1 machen wollte, hätte man Jahre zu tun. Aber das kommt für mich gar nicht in Frage. 57 Jahre Highways und Hitze, die der alte Lowrider auf dem Buckel hat, kann ich unmöglich wegschleifen. Das Fahrzeug ist wie ein offenes Buch. Jede Kerbe und jedes Detail erzählen ein eigenes Kapitel.

Der Charme des alten Pontiac ist seine zerfurchte Hülle, sind die vielen kleinen Kerben und die riesige Brandstelle auf der Kofferraumklappe, die entweder von einem Molotow-Cocktail oder einer kleinen Barbecue-Party stammt. Der ganze Deckel ist jedenfalls komplett schwarz, den Ruß kann man noch riechen.

Ich habe mich entschieden, die Technik des Flaggschiffs auf Vordermann zu bringen. Doch jedes Detail, das man von außen sieht, sollte unverändert bleiben. Nach Beendigung der Restauration hat mein Indianerhäuptling - daher kommt der Name Pontiac - die TÜV-Abnahme anstandslos gemeistert und ein H-Kennzeichen bekommen. Er ist jetzt also offiziell automobiles Kulturgut.

Bei den fast wöchentlichen Verkehrskontrollen auf Grund seines Shabby-Looks sucht die oberbayerische Rennleitung stets mit Hingabe nach Mängeln. Doch dank seines erstklassigen Zustands ist das ein sinnloses Unterfangen. Egal, der Spaß sei ihnen gegönnt.

Mein großes Ziel ist es nun, mit dem Chieftain eines Tages die legendäre Panamericana entlangzufahren. Sein bewegtes Leben hat also noch lange kein Ende.

Text: Martin Reisner 

Auch Sie lieben Ihren alten Schlitten und wollten außerdem schon immer mal im Playboy vorfahren? Dann schreiben Sie uns. Über sich und Ihr Auto. Ein Foto von Ihnen und Ihrem geliebten Wagen dazu, und schon ist Ihre Bewerbung fertig. Die schönsten Fahrzeuge und die besten Liebeserklärungen erscheinen immer an dieser Stelle.

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