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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Spionin

Unser Autor fürchtet einen Spitzel, der noch schlimmer ist als NSA, CIA und BND

Die Spionin, die mich liebte

Unser Kolumnist fürchtet einen Spitzel, der noch viel bedrohlicher ist als NSA, CIA und BND: Seine Freundin will sich sein Smartphone leihen

Der Fortschritt ist ein Arschloch. Das, was er vorn besser macht, reißt er hinten wieder ein. Bis vor wenigen Jahren waren die heikelsten Fragen, die einem im Rahmen einer normalen Beziehung gestellt werden konnten, Pillepalle wie „Soll ich mir auch Jeggings kaufen?“, „Wollen wir am Wochenende zu meinen Eltern?“ oder „Findest du mich attraktiver als Jennifer Lawrence?“. Die Antwort war natürlich dreimal nein, aber man log sich problemlos aus den Bredouillen. Dann erfand irgendein Wichtigtuer das Smartphone. Seitdem kann man auch von unterwegs Mails lesen, gucken, was es Neues gibt, oder mit Vögeln auf Schweine schießen. Nett, klar, aber mit dem Nachteil, dass die heikelste Frage, die einem die Frau stellen kann, jetzt lautet: „Kann ich mal dein Handy haben?“ Eine ganz neue Sphäre der Heikeligkeit, denn auch hier ist die einzig mögliche Antwort ein dreifaches Nein, aber sie hätte eine ähnliche Wirkung wie ein einfaches Nein vor dem Traualtar.

Ramona und ich standen auf einer Party, als sie mich fragte. Sie hatte ihr Telefon zu Hause vergessen und wollte irgendwas googeln. Bei mir listeten sofort sämtliche Synapsen Ärger auf. Ärger Nummer 1: Ramona würde meine PIN haben wollen und merken, dass sie der Geburtstag meiner Ex ist. Ärger Nummer 2: Sie könnte danach jederzeit an mein Handy und meine Mails, SMS, Fotos und überhaupt alles checken. Natürlich ist Vertrauen die Basis einer jeden Beziehung, aber du kannst Reiner Calmund auch nicht den Schlüssel zu einer Pommesbude geben und dich am nächsten Morgen wundern, wenn nichts Essbares mehr da ist. Vertrauen ist eine begrenzte Ressource.

Eine Änderung der PIN brächte aber Ärger Nummer 3, weil Ramona es so interpretieren würde, dass ich ihr nicht vertraue. Eine klassische Lose-lose-Situation. Ich versuchte, Zeit zu gewinnen und die Party zur Google-freien Zone zu erklären. „Auszuhalten, irgendetwas nicht sofort nachgucken zu können, ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts“, sagte ich. Ramona sah mich so verständnislos an, als hätte ich ihr einen Dreier mit ihrer Mutter vorgeschlagen. Währenddessen überlegte ich fieberhaft, wie ich unauffällig meinen Browser-Verlauf löschen könnte. Aber, selbst im Erfolgsfall würde das nur zu Ärger Nummer 4 führen, denn kein Mensch hat einen gelöschten Browser-Verlauf. Außer er hat massiv etwas zu verbergen. Eine Seite mit den gehackten Nacktfotos von Jennifer Lawrence zum Beispiel. Würde Ramona mir glauben, dass auch mein Handy gehackt wurde, von Leuten, die mir Nacktbilder nicht runter, sondern raufgeladen haben? Würde sie mir glauben, dass die Mail, die ich neulich an meine Ex geschrieben habe, auf den ersten Blick vielleicht sentimentalromantisch klang und auf den zweiten Blick auch, aber mit Alkoholeinfluss zu erklären war? Würde sie mir glauben, dass ich die Seite mit den schönsten Liebeserklärungen, bei der ich die Ode zu ihrem Geburtstag abgeschrieben habe, nur aus Zeitmangel aufgesucht hatte? Die Antwort war natürlich dreimal nein. Wer kann schon wirklich schlüssig erklären, was er den ganzen Tag so im Internet macht? Sie, lieber Leser? Ich wette, hätte man von Thomas Mann nicht die Tagebücher veröffentlicht, sondern den Browser-Verlauf, hätte man ihm den Nobelpreis wieder weggenommen.

Ramona wird mir nie glauben, dass mir heimlich Nacktfotos aufs Handy geladen wurden 

Ich habe auf der Party spontanen Durchfall simuliert und behauptet, mir sei das Handy ins Klo gefallen. Seitdem habe ich das alte Nokia reaktiviert, mit dem man nur telefonieren, simsen und schlechte Fotos machen kann. Ich will mich der Herausforderung des 21. Jahrhunderts stellen, hab ich Ramona gesagt. „Und wenn ich wirklich mal unterwegs ins Internet muss, kann ich mir ja dein Telefon leihen.“ Ihren Gesichtsausdruck daraufhin werde ich mir mental einrahmen. Blanke Panik. Schön, dass Männer und Frauen sich immer mehr angleichen.

Autor: Ralf Husmann
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