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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Beziehungsstreber

Unser Autor wundert sich über so manche Paare

Du sollst dir kein Bild machen

Unser Kolumnist versteht Paare nicht, die Fotos von sich aufstellen. Vergessen sie sonst, wie sie aussehen? Bei einigen wäre das vielleicht sogar besser . . .

In der freien Wirtschaft wird das, was nichts taugt und keiner haben will, auch nicht mehr hergestellt. Zum Beispiel Betamax, Crystal Pepsi, Jeans mit Glöckchen. Beim Menschen nicht. Da halten sich hartnäckig Typen, die keiner braucht und die nichts taugen. Mark zum Beispiel. Mark ist ein typischer Beziehungsstreber. Einer, der zu Hause bei seiner Freundin immer alles richtig macht. Eine Art Peter Weck fürs 21. Jahrhundert. Quasi eine Schande für die ganze Männer-Innung. Seit Mark mit Sina zusammen ist, geht er eher zum Brunch als zum Grillen und stöbert plötzlich gern auf Flohmärkten, was genetisch im Mann eigentlich nicht angelegt ist. Er hat seine komplette Würde bei Sina abgegeben. Dass es solche Typen immer noch gibt, lässt mich arg am Darwinismus zweifeln.

 

Entsprechend hat Mark ein Foto von Sina als Desktop-Hintergrund auf seinem Handy und seinem Laptop, und meine Ramona frug mich, warum auf meinem Handy nicht sie zu sehen ist, sondern eine Fußballmannschaft, und auf meinem Laptop Scarlett Johansson. Ich hätte nicht mal ein analoges Foto von ihr auf dem Schreibtisch, hieß es.

 

Vielleicht sind solche Fotos, ähnlich wie Eheringe, einfach nur der sichtbare Hinweis an alle da draußen, dass wir jemanden gefunden haben, der mehr als einmal freiwillig mit uns ins Bett geht


Ich habe flapsig geantwortet, dass ich alles sofort ändern würde, sollte Ramona jemals Deutscher Fußballmeister werden oder sollten ihr scarlettartige Brüste wachsen. Das kam nicht gut an. In der Tat verstehe ich aber die Leute nicht, die sich im Alltag mit Fotos von sich und ihren Lieben umgeben. Was soll das? Haben die Angst zu vergessen, wie sie aussehen? Im Fall von Mark und Sina wäre das sogar eher hilfreich, denn optisch sind beide keine Highlights. Es ergibt doch keinen Sinn, dass sich Heerscharen von hochbezahlten Designern Gedanken über das Erscheinungsbild eines Handys machen, wenn man das dann mit einem Foto von Mark und Sina konterkariert. Man hängt sich ja auch keinen Wunderbaum in den Ferrari. Selbst die Museumswärter, die im Louvre die „Mona Lisa“ bewachen, gucken eher selten auf das Bild, sondern meist gelangweilt aus dem Fenster, und die Einheimischen auf Hawaii versammeln sich auch nicht jeden Tag, um den Sonnenuntergang zu betrachten, sondern sitzen in dieser Zeit vor dem Fernseher und gucken hawaiianisches GZSZ. Soll heißen: Egal, wie schön etwas ist, wenn man es jeden Tag sieht, lässt der Reiz doch nach. Und da reden wir wie gesagt vom Sonnenuntergang auf Hawaii und der „Mona Lisa“. Und nicht von Mark und Sina. Und natürlich auch nicht von mir. Ich erwarte nicht, dass sich Ramona ihr Büro mit Fotos von mir zunagelt. Ehrlich gesagt, reicht es sogar mir selbst, wenn ich mich beim Rasieren und Zähneputzen sehe und den Rest des Tage eher selten. Oder sollen die allgegenwärtigen Selbstbildnisse überall eher beruhigen? Im Sinne von „auch du hattest einen Moment, wo du mal fast gar nicht so schlecht ausgesehen hast“. So, wie das Abitur der Beweis dafür ist, dass man irgendwann einmal wusste, wie man bei einer Pyramide die Höhe aus der Kantenlänge berechnet.

 

Vielleicht sind solche Fotos, ähnlich wie Eheringe, einfach nur der sichtbare Hinweis an alle da draußen, dass wir jemanden gefunden haben, der mehr als einmal freiwillig mit uns ins Bett geht. Mark und Sina denken jetzt jedenfalls sogar ernsthaft darüber nach, sich zum nächsten Jahrestag gegenseitig ihre Namen tätowieren zu lassen. Ich habe Sina gesagt, dass schon viele dachten, der oder die Mark hält ewig, und dann kam der Euro oder Ryan Gosling. Aber das versteht Sina natürlich nicht. Ich kann nur hoffen, dass es mit beiden so endet wie mit Schulterpolstern bei Frauenblusen: als vorübergehende Erscheinung.

Autor: Ralf Husmann
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