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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und das Männergespräch

Unser Autor über das Geheimnis der Kommunikation

Ein Mann, ein Bier

Unser Kolumnist redet nur das Nötigste. Wie jeder Mann. Wenn seine Freundin ihn deshalb missversteht, schreibt er halt eine Erklärung. Wie diese hier

Pantomimen sind männlich. Etwas auszudrücken, indem man nicht redet, ist eindeutig eine Männerdomäne. Auch Gott hat Moses nicht zu Kaffee und Kuchen eingeladen und ihm stundenlang Frikadellen ans Ohr gequatscht. Nein, es gab zwei Steintafeln, auf denen das Nötigste stand, und aus die Maus. So reden Männer untereinander heute immer noch. Nur die Steintafeln wurden durch Flaschen ersetzt. Nach wie vor sagen wir zu unserem Kumpel nicht: „Schön, dass du da bist. Ich freu mich! Wie geht’s dir? Wir haben uns ja ewig nicht gesehen . . .“ Wir sagen: „Au’n Bier?“ (für alle Leserinnen: „Möchtest du auch eine Flasche Bier?“), und in diesen zwei Silben liegt so viel Wärme wie in zwei großen, glimmenden Gartengrills.

 

In der Halbzeitpause des Fußballspiels sage ich: „Und?“, mein Kumpel Möhre antwortet: „Muss“, und in dieses „Muss“ kann er, wie alle Männer, deutlich mehr Nuancen legen als die Chinesen, bei denen ein Wort je nach Betonung angeblich „Brot“ heißen kann oder „Nasennebenhöhlenentzündung“. Zwischen Männern kann „muss“ alles heißen. Von „Das Leben ist im Großen und Ganzen im Lot“ bis „Grad ist die Welt ein Riesenhaufen Scheiße!“. In jedem Fall heißt meine Antwort: „No’n Bier?“ (= „Möchtest du noch eine Flasche Bier?“), und auch in diese beiden Silben kann ein Mann sehr differenzierte Bedeutungen legen. Sie reichen von „Ist doch super!“ bis zu „Alter, weißt ja, wo du klingeln musst, wenn du was brauchst!“. Deswegen ist die Halbzeitpause bei einem Fußballspiel auch nur eine Viertelstunde lang. Das ist exakt die Zeit, die man braucht, um pinkeln zu gehen, sich noch eine Wurst zu holen und eben diesen Dialog zu führen: „Und?“ - „Muss.“ - „No’n Bier?“ - „Ja sicher.“

 

Hätten Frauen die Fußballregeln gemacht, wäre die Pause länger als das Spiel


Dann kommen die Mannschaften zurück aufs Feld, und wir haben das Wichtigste geklärt. Männer wissen, dass es so läuft. Es ist seit Moses nie zu einem Problem geworden. Hätten Frauen die Fußballregeln gemacht, wäre die Pause länger als das Spiel. Frauen haben für differenzierte Bedeutungen tatsächlich jede Menge eigene Wörter. Wie Eskimos für Schnee. Deswegen wird es so schwierig, wenn wir mit Frauen reden müssen. Chinesen treffen auf Eskimos.

 

Frauen fehlt die Sensibilität, um „Au’n Bier?“ in all seiner Vielschichtigkeit zu verstehen. Männern fehlt der Wortschatz, um „No’n Bier?“ in eine andere Sprache zu übersetzen.

 

Ramona und ich waren neulich auf einer Party. Sie trug ein schönes, neues, schwarzes Kleid mit einer Schleife. Sie strahlte. Von innen und außen. Ihr Lachen war zurück aus dem Winterschlaf. Es war gut, sie so zu sehen. Sie war die schönste Frau des Abends. Aber wie soll ein Mann einer Frau das sagen? Auf Deutsch? Vor allem wenn er mit dieser Frau zusammen auf die Party gekommen ist. Ich habe also einen besonders ungünstigen Moment abgewartet und in Ramonas Hörweite zu einem Kumpel gesagt: „Die Alte ist heute wieder völlig stulle!“ Ramonas Blick verriet schon, dass sie das in diesem Satz versteckte Kompliment nicht verstanden hatte. Als wäre ein faustgroßer Diamant nichts mehr wert, weil er in hässlichem Geschenkpapier überreicht wurde. Warum ich sie in der Öffentlichkeit immer runtermache, fragte sie später, als wir nach Hause kamen und uns nicht so recht amüsiert hatten. „No’n Bier?“ fragte ich und hoffte, dass sie begriff, was ich ihr damit sagen wollte, nämlich „Ich liebe dich“. Aber Ramona warf einfach nur die Schlafzimmertür hinter sich zu. Ich hoffe sehr, dass Apple, Google oder sonst wer demnächst mal was entwickelt, das Männer im Alltag für Frauen untertitelt. Sonst muss ich nach jedem Streit eine Kolumne schreiben . . .

 

Autor: Ralf Husmann
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