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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und der Plan

Unser Autor versteht nun, warum Großprojekte regelmäßig scheitern

Ein Mann, kein Plan

Unser Kolumnist bereitet eine perfekte Feier zu seinem 50. Geburtstag vor. Dachte er jedenfalls, bis er mit seiner Freundin darüber sprach. Jetzt fürchtet er ein Fiasko von Berliner-Flughafen-Format

Ich weiß, warum es mit dem Berliner Flughafen nichts wird, mit Stuttgart 21, der Elbphilharmonie oder der Maut: weil Männer es geplant haben. Männer können nichts planen. Männer denken ans Große und Ganze, haben es aber nicht so mit dem Kleinen und den Details. Im Detail sitzt nämlich der Teufel, und mit dem wollen sie nichts zu tun haben. Frauen dagegen glauben nicht an den Teufel und denken deswegen praktisch. Männer wollen zum Beispiel Raum im Osten. Der Chef sagt „Russlandfeldzug“, die anderen Männer nicken begeistert. „Riesen-Idee!“ - „So wird’s gemacht!“ - „Hurra, morgen geht’s los!“ Frau Hitler hätte gesagt: „Russland ist im Winter knackig kalt, und unsere Leute haben nur dünne Socken, so geht das nicht.“ Sie wäre von den Männern natürlich abgewinkt worden. Pillepalle. Wetter. Socken. Lächerlich. Am Ende scheiterte es aber daran, dass der Wehrmacht die Zehen abfroren und der Flughafen keine ausreichend große Dunstabzugshaube hat. So planen Männer. Nur ich, ich bin anders. Wenn ich etwas plane, hat alles Hand und Fuß und Kopf und alles. Ich brauche keine Frau, die mich auf Details hinweist. Ich denke auch an Kleinkram.

 

Ramona fragt, wie ich mir das Ganze vorstelle. Mit diesem Unterton. So wie man einen Zehnjährigen fragt, ob er schon eine Freundin hat. Auch wenn er ja sagt, wird er nicht ernst genommen


Mein Geburtstag steht an. Es ist ein runder, es soll gefeiert werden. Groß. Das ist seit Ewigkeiten klar. Deswegen hab ich mir vor Wochen schon Gedanken gemacht. Ramona fragt mich, wie ich mir das Ganze denn so vorgestellt habe und ob es schon einen Plan gibt. Mit diesem Unterton. So wie man einen Zehnjährigen fragt, ob er schon eine Freundin hat. Auch wenn er ja sagt, wird er nicht ernst genommen. Bestenfalls wird er süß gefunden. So fühle ich mich. Also sage ich mit einer Extraportion Überzeugung: „Klar, das läuft alles!“ Ramona legt ebenfalls eine Extraportion Unterton drauf. „Wo willst du denn feiern?“ - „Bei Möhre im Garten. Möhre weiß Bescheid, er holt den großen Grill von seinem Vater, ich hab schon Fleisch vorbestellt und Bier, und Frankie bringt seine Anlage mit und Musik.“ Bäm! Eat this Schlaumeier-Bitch! Ramona macht eine Pause, in der ich kurz denke, dass ich dieses Mal gewonnen habe, und dann sagt sie: „Und wenn’s regnet?“ Hm, ja, wenn es regnet, sind wir am Arsch. Wer rechnet Ende September in Deutschland mit Regen? Doch nur eine Frau! Nach zwei Sätzen von Ramona hab ich das Gefühl, der Geburtstag wird mein Russlandfeldzug. „Hast du schon Save the Dates verschickt?“ Gott, wie ich diese Frau manchmal nicht leiden kann! „Der Termin für meinen Geburtstag steht seit etlichen Jahrzehnten fest“, sage ich, weiß aber selbst, dass das kein Argument ist. Wie viele Männer vergessen jedes Jahr Weihnachten?! Ich will groß feiern, und keine Sau hat das Date gesaved. „Du musst Möhres Nachbarn noch Bescheid sagen, dass es laut werden kann. Letztes Mal haben die sofort die Polizei gerufen. Du solltest Anfahrtsskizzen für den Garten kopieren, sonst findet das ja keiner. Wir brauchen auch noch Limo und Spiele für die Kinder. Und Salate. Hast du an Pappteller gedacht? Und Müllbeutel? Verlängerungskabel hatte Möhre letztes Mal auch nicht, weißt du noch? Wir sollten Kühlboxen mitnehmen. Und wenn’s dunkel wird, wären doch Fackeln ganz schön, was meinst du?“ Seit ich meinen Geburtstag geplant habe, rege ich mich über gescheiterte deutsche Großprojekte nicht mehr auf. Solange keine Frauen in den Planungskommissionen sitzen, ist ja klar, dass es nix wird.

Autor: Ralf Husmann
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