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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Vatertag vs. Muttertag

Freiheitsdrang vs. Blumenzwang

Einer von uns: Vatertag. Keiner von uns: Muttertag

Der Vatertag ist eine grandiose Erfindung: Er lässt uns viel übers Leben lernen, auch wenn wir es gleich wieder vergessen. Aber Muttertag? Ein grandioses Missverständnis: Er lässt uns die falschen Geschenke machen aus den falschen Gründen - an einem Tag, der den falschen Namen trägt
 

Einer von uns: Vatertag

Das Rad zu erfinden war schlau. Niemand will das bestreiten oder irgendwie schlechtmachen. Klar, das Rad, toll! Es rollt. Aber ehrlich: Es war naheliegend, oder? Man musste es eigentlich weniger erfinden als entdecken. Wie die Schwerkraft. Wirklich schwierig sind eigentlich die Dinge, die nicht naheliegen. „Dieses Kraut schmeckt irre eklig, wenn man es isst, aber lass uns mal versuchen, es zu trocknen, Rollen daraus zu machen, sie anzuzünden und den Rauch einzuatmen!“ Wahnsinn. Oder: „Lass uns diese Bohne rösten, mahlen und mit möglichst viel Druck heißes Wasser durch sie durchfiltern!“ Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele dieser Art von Experimenten schiefgingen. Und dann das: „Lasst uns einen Tag einrichten, an dem Männer versuchen dürfen, von zu Hause zu fliehen. Einzige Bedingung: Sie müssen ihren Proviant selbst aussuchen!“ - „Und was soll das bringen?“ - „Sie werden unfassbar viel Bier trinken und dazu höchstens mal eine Bifi essen, im Kreis gehen und dabei zum einen wahnsinnig viel über das Leben lernen - nämlich dass sie gefangen sind -, sich andererseits aber am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern können.“ So in etwa wird es gewesen sein.

Vatertag ist die beste Erfindung aller Zeiten

Vatertag ist die beste Erfindung aller Zeiten: ein Spaziergang, bei dem man so viel Bier mitnimmt wie irgendwie möglich. Eine Art wandelnder Tresen mit eingebautem Abenteuer. Wenn jeden Tag Vatertag wäre, gäbe es keine Kriege - oder sie wären lustig. Menschen würden viel mehr zu Fuß gehen. Und wenn jeden Tag Vatertag wäre, gäbe es keinen Muttertag, denn wann sollte der dann sein? Wer sagt, man könne nicht alles haben, der vergisst dabei den Vatertag. Vatertag ist ja alles, denn gemessen an ihm ist alles andere nichts. Männer, beladet die Bollerwagen! Vielleicht schaffen wir es dieses Jahr, einfach nie wieder aufzuhören.

Keiner von uns: Muttertag

Mama ist die Beste. Das ist schön. Das ist ein Grund zu feiern. Und es ist genau nicht, was wir feiern, wenn Muttertag ist. Dieser Tag hat eine Menge Geschichte, teils sogar erfreulich, aber davon haben Mütter im Zweifel nicht viel mehr als einen Blumenstrauß - und weil Mütter vielleicht die besten Frauen, aber eben doch auch noch Frauen sind, freuen sie sich über Blumensträuße eigentlich sowieso nur, wenn sie überraschend kommen. Blumen auf Kommando sind ein bisschen wie Entspannung nach Stoppuhr: Es widerspricht dem Spirit. Aber dazu gleich.

Blumen auf Kommando sind wie Entspannung nach Stoppuhr

Die amerikanischen Mütter, die den Muttertag vor fast 150 Jahren erfanden, wollten nicht sich feiern, sondern ihre Söhne. „Peace and motherhood“ hieß das Motto dieser Mütter, die ihre Kinder nicht mehr in den Krieg schicken wollten. In Deutschland schafften es Blumenhändler in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts kurz, die Tradition falsch zu übernehmen und zum „Tag des Blumengrußes“ umzubauen. Aber 
richtig groß wurde der Tag erst, als die Nazis ihn zum Anlass nahmen, die besonders gebärfähigen Mütter der deutschen Herrenrasse zu feiern. Peace? Im Gegenteil. Wer besonders viele kleine Soldaten zur Welt brachte, verdiente den schönsten Blumenstrauß. Wenn es einen ekelhaften Feiertag gibt, dann diesen.

Was uns zu den guten Söhnen führt, die heute glücklicherweise nur noch in seltenen Fällen in Kriege ziehen - etwa um die deutsche Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. Und zu ihren Müttern. Ein Vorschlag zur Güte 
wäre, den Muttertag zum „Tag der Mütter in Sorge“ umzudeklarieren. Diese Gesellschaft könnte durchaus ein bisschen öfter an jene erinnern, die in ständiger Sorge sind, weil ihre Töchter und Söhne gefährlichen Dienst 
tun. Alle anderen schenken ihren Müttern bitte Blumen - aber an einem anderen Tag. Überraschend. Wie Frauen es mögen. Peace!

Autor: Michalis Pantelouris
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