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Mein Krieg der Sterne

Eine persönliche Liebeserklärung an Star Wars

Es war einmal vor langer Zeit...

„Star Wars“ ist die größte Heldensaga der Kinogeschichte – und machte aus pubertierenden Jungs waschechte Männer. Unser Autor, im Herzen ein Jedi-Ritter, über den Weltraum-Mythos, der jetzt in die dritte Runde geht.

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Wie ein historisches Dokument auf Papyrus entrollte sich dieser Spruch 1978 auf den Kinoleinwänden. Der Krieg der Sterne war erklärt. Als pubertierender Gymnasiast beschäftigten mich bis dahin weniger galaktische Schlachten als die Frage, bei wem ich im Schulbus Mathe abschreiben kann. Oder ob ich Susanne endlich mal unter den Pulli fassen darf.

Quälendes pubertäres Chaos – plötzlich weggedonnert von Laserkanonen und explodierenden Sternen. Luke Skywalker war an einem Februartag des Jahres 1978 in meiner Kleinstadtwelt gelandet. Bei Tageslicht betrat ich das Gloria Kino, in dem man als 16-Jähriger überteuertes Bier trinken und in den Sesseln unkontrolliert qualmen durfte. Als ich die „Krieg der Sterne“-Vorstellung verließ, war es draußen bereits dunkel, und ich schwebte noch immer leicht über dem Boden. In den unendlichen Weiten des Weltalls fühlte ich mich als Mann.

Ich war Luke Skywalker. Der Junge mit den Prinz-Eisenherz- Haaren trug so eine Art Judo-Gewand (hab ich auch mal kurz ausprobiert). Sein Leben auf dem Wüstenplaneten Tatooine erschien zunächst nicht aufregender als meines in einer Siedlung am Rande des Sauerlands: Junge, komm pünktlich zum Mittagessen und vergiss nicht, die Einfahrt zu fegen (wo Luke einen fliegenden Landspeeder parkte, stellte ich mein Moped ab). Doch dann kreuzte in der Wüsteneinöde plötzlich ein piepsender Roboter auf und übermittelte die sehr rätselhafte Botschaft der schönen Prinzessin Leia: „Helft mir, Obi-Wan Kenobi, Ihr seid meine letzte Hoffnung!“

Und mit der Suche nach Obi-Wan begann Lukes überwältigende Reise. Was die so faszinierend machte? Allein schon der bombastische Sound, der mich regelrecht in den Sitz presste. Dann der sympathische Blechkamerad R2-D2 mit seinem quasselnden Androiden-Freund C–3PO! Die Jedi-Ritter und die Sith-Krieger. Die Raumschiffe und Kreaturen – Boba Fett, Chewbacca, Darth Vader. Was für Namen! Ihr Erfinder George Lucas hatte sie über Jahre auf Zettelbergen gesammelt. Und sie halfen ihm, aus dem kalifornischen Provinznest Modesto herauszukommen. Sein Vater besaß dort einen Schreibwarenladen, den der Sohn eigentlich übernehmen sollte. Aber dessen Träume waren mächtiger.

Das Filmepos von George Lucas hat das Kino um Lichtjahre in die Zukunft katapultiert. Regisseure sahen vorher aus wie verknitterte Intellektuelle (Woody Allen) oder begegneten ihren Schauspielern wie unnahbare Despoten (Alfred Hitchcock). Doch Lucas bewegte sich in Turnschuhen aufgeregt wie ein großer Junge auf den Sets, die aussahen wie gigantische Abenteuerspielplätze. Er war kein Filmemacher im herkömmlichen Sinne, sondern der Schöpfer eines ganzen Kosmos überbordender Fantasien.

Von Beginn an hatte der „Star Wars“-Erfinder alle Details seiner mehrteiligen Story im Kopf. Und da er sein Werk nicht zerstückeln oder an ein großes Hollywood-Studio verkaufen wollte, wartete er so lange, bis er nach dem Kassenerfolg seines Coming-of-age-Meisterwerks „American Graffiti“ genug Geld zusammenhatte, um mit seiner eigenen Firma Lucasfilm ein großes cineastisches Experiment zu starten. Als die erste Folge abgedreht war, zeigte er den Film ein paar befreundeten Regie- Kollegen. Die Reaktionen waren ernüchternd. So hielt Brian de Palma das Weltraumstück für „den schlechtesten Film aller Zeiten“. Nur Steven Spielberg war anderer Ansicht und meinte, der Streifen würde viele Millionen Dollar einspielen. George Lucas war von einem Erfolg selbst nicht überzeugt, ging gar nicht erst zur Premiere, sondern flüchtete nach Hawaii.

Doch Figuren, Bilder, Musik, Special Effects und ein hohes Erzähltempo – das alles war viel zu visionär, um zu scheitern. Mit einem Budget von elf Millionen Dollar spielte der erste „Star Wars“-Film (in der heutigen Chronologie die Episode IV: „Eine neue Hoffnung“) 779,9 Millionen Dollar ein – inflationsbereinigt sogar 2,8 Milliarden. Schon dieser erste Teil haute mich total um. Aber auch Episode V („Das Imperium schlägt zurück“, 1980) sowie Episode VI („Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, 1983) hielten mit immer neuen, atemberaubenden Wendungen das hohe Level. Und es war gut, dass „Stars Wars“ danach noch weiterging. Man brauchte Verbündete im mühsamen Kampf des Erwachsenwerdens.

Leonard Cohen hören, sich mit Fremdwörtern schmücken und stundenlang über Hermann Hesse reden – das teilte man mit Frauen. „Star Wars“ war Männersache. Da ging es um hypermoderne Waffen zur Bekämpfung finsterer Klon-Armeen, die aufmarschierten wie beim Nazi-Parteitag in Nürnberg. Auch in der zweiten Trilogie (Episode I–III), in der die Vorgeschichte erzählt wird, sympathisierte man wieder mit den Jedi, den Weisen im Universum, die endlich wieder gegen laserschwertschwingende Fabelwesen wie General Grievous antreten durften. Nach 16-jähriger Drehpause wurde der Sternenstaub der neuen Trilogie von mir so gierig aufgesogen, als wäre es Kokain. Das Problem nur: Der Stoff war diesmal leicht verschnitten. Zuckersüße Dialoge zwischen dem verliebten Anakin und seiner Padme wechselten ab mit dem nervigen Gezeter eines langohrigen Jar Jar Binks. Viele Fans – ich auch – sahen mit den ersten beiden Filmen der neuen Trilogie eine Welt untergehen. Lucas kriegte aber doch noch die Kurve, denn der letzte Teil war wieder besser.

Und jetzt „Das Erwachen der Macht“, Episode VII. Regisseur J. J. Abrams, der nach dem ersten „Star Wars“ wusste, dass er unbedingt Filmemacher werden will, setzt wieder stärker auf heldenhafte Charaktere und lässt an Stelle digitaler Tricks echte, monumentale Kulissen errichten. Oscar Isaac, 35, als Rebellen-Pilot neu im Team neben Weltraum- Veteranen wie Harrison Ford und Carrie Fisher, war wahnsinnig aufgeregt, Teil der Legende zu werden. Bevor die Dreharbeiten losgingen, übergab ihm der Regisseur eine Miniaturausgabe eines X-Wing-Abfangjägers mit den beruhigenden Worten: „Zieh dich damit erst mal für ein paar Tage zurück. Dann sehen wir weiter.“ Diese entspannte Regieanweisung ist ein sicheres Zeichen dafür, dass J. J. Abrams die Macht auf seiner Seite hat!

Autor: Uwe Killing
Video - Der Trailer zu Episode VIII
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