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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Frage der Sicherheit

Unser Autor hat keine Angst - aber da ist er wohl alleine

Falscher Alarm

Unser Kolumnist hat weniger Angst vor Terroristen und Fahrraddieben als andere Leute. Ein Mann voll innerer Sicherheit. Nur die anderen machen ihn verrückt

Von mir liegt Feuchtigkeitscreme in München, Hamburg, Mailand und New York. Jeweils am Flughafen. Ich hatte jeweils keine Butterbrotbeutel und keine Zeit, und dann muss man alles wegschmeißen, womit man potenziell ein Flugzeug ins Weiße Haus fliegen kann. Zum Beispiel Feuchtigkeitscreme. Finden alle ganz normal. Ich kann jederzeit in den voll besetzten ICE Graf Stauffenberg mit einer Bombe in der Tasche einsteigen und mit der BahnCard sogar noch zum halben Preis fahren, aber mit Feuchtigkeitscreme ins Flugzeug? Da sei Gott vor beziehungsweise all die hochbegabten Sonderschulabbrecher, die an den Flughäfen für unsere Sicherheit sorgen.

 

Angeblich haben die Amis über 40 Terroranschläge verhindert, weil sie meine Mails lesen. Vielleicht hätten die Amis sogar noch mehr Tote verhindern können, wenn in Amerika nicht jeder Sechsjährige zur Einschulung ein Sturmgewehr bekäme


Ich hab mal nachgeguckt. Jährlich sterben weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen durch Alkohol. Allein in Deutschland sind es über 74 000. Also jährlich verschwindet eine Stadt wie Delmenhorst im Suff. Delmenhorst selbst verschwindet leider nicht, aber das ist ein anderes Thema. Durch Feuchtigkeitscremes oder Terrorismus stirbt in Deutschland praktisch keiner. Meine Feuchtigkeitscreme können Sie sich sogar fingerdick aufs Brot schmieren, da passiert nichts, die ist nämlich öko. Ich kann mir nicht helfen, ich hab das Gefühl, dass da irgendwie die Proportionen verrutscht sind.

 

Angeblich haben die Amis über 40 Terroranschläge verhindert, weil sie meine Mails lesen. Vielleicht hätten die Amis sogar noch mehr Tote verhindern können, wenn in Amerika nicht jeder Sechsjährige zur Einschulung ein Sturmgewehr bekäme, aber ich bin da nicht so der Experte. In Guantanamo gibt es vermutlich weniger Verbrechen als in Frankfurt, also, wenn es rein um Sicherheit versus Freiheit geht, hätte ich da eine Idee. Und Ramona war in dieser Hinsicht immer auf meiner Seite. Dann wurde ihr aus unserem verschlossenen Fahrradkeller das Fahrrad gestohlen. Im Kiosk zwei Straßen weiter wurde eingebrochen, und neulich wurde eine Frau ganz in der Nähe fast überfallen. Seither sind alle alarmiert. Auch Ramona. Sie hat aufgerüstet. Mit Pfefferspray. Wir haben seit letzter Woche einen zweiten Riegel an der Tür, und gestern war ein Mann da, der gesagt hat, unsere Fenster und Balkontüren seien praktisch eine Einladung an die rumänischen Banden, die jetzt verstärkt durch die Städte zögen. Er empfahl Schlösser. Ramona sprach von Gittern. Ich schlug vor, man könne Fenster und Türen einfach zumauern. Ramona fühlte sich nicht ernst genommen. Unsere Nachbarn sagen, vor einem Jahr sei schon mal ein Spannbetttuch weggekommen. Der Verdacht fällt auf ein Ehepaar im Nachbarhaus, vermutlich weil der Mann aussieht wie Ion Tiriac, also irgendwie rumänisch. Es wurde ernsthaft darüber diskutiert, ob man eine Kamera an den Fahrradkeller anbringen soll. Für den Preis einer Überwachungskamera könnten wir uns alle neue Fahrräder kaufen, aber darum ginge es nicht, hieß es.

 

Unsere Nachbarn haben einen elektrischen Hund. Über einen Bewegungsmelder fängt ein Gerät an zu bellen, sobald jemand an die Tür tritt. Das hab ich mir nicht ausgedacht, das gibt’s. Der elektrische Hund klingt wie ein Pudel mit Luftröhrenkrebs, aber vielleicht haben Rumänen ja Angst vor kranken Pudeln, was weiß denn ich?! Andere Nachbarn haben eine flackernde Lampe mit Zeitschaltuhr, die von draußen so aussieht, als würde drinnen jemand fernsehen. Auch das gibt’s. Alle haben offenbar Angst, und Leuten, die Angst haben, kann man alles verkaufen. Falls jemand eine gebrauchte Pershing hat oder ein Gerät, mit dem man die Mails vom Nachbarhausehepaar mitlesen kann, kann er sich gern bei mir melden . . .

Autor: Ralf Husmann
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