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Wohnt Du noch oder fliegst Du schon?

Wenn die Turbine zum Bett wird

Möbel aus Flugzeugschrott

Wer umgibt sich schon gern mit Schrott? Nun, einige Individualisten nur zu gern. Wenn es sich denn um den richtigen Schrott handelt. Zum Beispiel um Flugzeugteile. Einige Firmen widmen sich liebevoll – und mühevoll – der Aufarbeitung und verwandeln Tragflächen und Turbinen in ungewöhnliche Designer-Möbel.

Eine Turbinenabdeckung als Whirl-Pool, ein Propeller als Garderobenständer oder eine komplette Tragfläche als Konferenztisch – wenn es darum geht, ausrangierten Flugzeugteilen neues Leben einzuhauchen, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Seit 2001 haben Dave Hall und Donovan Fell aus Los Angeles bereits rund 40.000 Schrottteile in neue, begehrenswerte und durchaus auch kostspielige Design-Objekte verwandelt. Die Firma MotoArt beschäftigt 15 Mitarbeiter und liefert in alle Welt: Ganze Messestände haben Sie bereits aus den Bordwänden ausrangierter Airbusse und Boeings gebaut. Die Preise beginnen bei etwa 3000 Dollar und kennen nach oben keine Grenzen. Kein Wunder, wenn man bedenkt dass ein laufender Meter Bordwand bereits als Ersatzteil einige 1000 Dollar wert ist.

Zu den Klassikern der Flugzeugmöbel gehören Piloten-Schleudersitze als Chefsessel sowie Schreibtische aus Tragflächen, Höhenrudern und Leitwerken.

Der Kunde hat die Wahl zwischen Originallackierung, Patina oder hochglanzpolierten Oberflächen. Das perfekte, makellose Finish ist besonders beliebt, macht aber auch die meiste Arbeit. Um etwa eine Turbinenhülle auf Spiegelglanz zu polieren, vergehen hunderte Stunden mit Poliermaschine und -Paste. Entsprechen kostspielig ist das fertige Möbel.

Wichtig sei, dass alles sofort als Flugzeugteil erkennbar ist, sagt Donovan Fell. Das mag die Kundschaft ganz besonders.

Auch in Deutschland gibt es Firmen, die Flugzeugschrott "vermöbeln" und damit einen exklusiven Kundenkreis bedienen. Bei der Firma VanDeBord etwa kann man ausrangierte Trolleys kaufen, aus denen Flugbegleiterinnen weiland den Tomatensaft zauberten. Die Rollwagen werden restauriert und in Wunschfarbe lackiert. Auch Original-Tabletts und Schubladen sind erhältlich. Und bei der Firma PrivateWing lagern viele Tonnen an Rohmaterial: Aluminiumbauteile, Motoren, Tanks und Propeller alter Flugzeuge, die alle darauf warten, als Möbelstück oder Designobjekt wiederaufzuerstehen. PrivatWing-Inhaber Alexander Geis, der die Firma 2006 gründete, nachdem er selbst vergeblich nach einem Tragflächen-Schreibtisch gesucht hatte, und seine Handvoll Mitarbeiter bauen immer neue Schreibtische, Regale, Lampen und Kleiderständer.

Bestseller seien die Spiegelpropeller und Stehtische aus den Zusatztanks von Alpha Jets, sagt Michael Kullmann von PrivateWing. Größte Einzelanfertigung war die hochglanzpolierte Hülle einer Jumbo-Turbine, die mit einem Jaccuzzi ausgestattet werden musste. Und ein Fußballspieler der englischen Premier League orderte für eine Party eine dreiteilige Bar, die ebenfalls aus der Hülle einer 747-Turbine bestand. Mehr als 20.000 Euro ließ er sich diese Partyüberraschung kosten.

Vieles wird auf Maß angefertigt. Denn wer sich exklusiv einrichten möchte, hat oft selbst einige ungewöhnliche Ideen im Kopf.

Wenn es um die Erfüllung besonderer Wünsche geht, sind die Aluminium-Maßschneider für fast jeden Spaß zu haben. Kullmann erinnert sich an einen Kunden, der sich den Pilotensitz einer Boeing 727 zum Schreibtischsessel umbauen ließ. Inklusive englischem Clubsessel-Leder und Rautensteppung. „Das Ergebnis hatte gar nicht mehr viel mit einem Pilotensitz zu tun“, sagt Kullmann. "Und 2500 Euro gibt ja auch nicht jeder für einen Schreibtischstuhl aus, der am Ende nicht mal höhenverstellbar ist.“ Den Kunden kümmerte das wenig. Er war nun einmal eingefleischter 727-Fan und hochzufrieden.

Autor: Michael Görmann
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