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Männerbar: Wilde Spätburgunder

Die neue deutsche Weinwelle

Männerbar: Wilde Spätburgunder

Junge Winzer aus Baden, der Pfalz und von der Ahr lassen mit ihren rassigen Spätburgundern internationale Weine alt aussehen. Was so besonders ist an der fragilen Zaubertraube? Erfahren Sie hier

Winterzeit ist Rotweinzeit. Nichts passt besser zu Braten, Wild, Käseplatten, Schokolade oder Kaminabenden. Nicht immer muss es dann Bordeaux, Barolo oder Sangiovese sein. Der neue Star unter den Rotweinen kommt aus heimischen Lagen: deutscher Spätburgunder.

In den vergangenen Jahren hat er riesige Qualitätssprünge gemacht, und das war auch nötig. Noch vor 20 Jahren verfluchte der US-amerikanische Weinpapst Robert Parker den deutschen Spätburgunder als „grotesken, grauenhaften Wein“. Das Urteil hat Parker inzwischen revidiert.

Die Rebsorte ist eine der ältesten in Westeuropa und eine der edelsten der Welt. Schon zu Vorzeiten wurde sie wohl aus Wildreben gelesen und hat Dutzende Namen. Der wichtigste: Pinot Noir, Pinot Nero, Blauburgunder – und Spätburgunder. Der Anbau ist anspruchsvoll: Die Rebe reagiert empfindlich auf Wind, außerdem vertrocknet und verfault sie relativ schnell. Ihre Heimat ist das französische Burgund, aus dessen besten Lagen (Grand Cru) noch immer die teuersten Weine stammen.

Moderne Pinot Noirs richten sich an jüngere Gaumen

Mittlerweile können deutsche Winzer aber durchaus mithalten – gerade bei so wichtigen Details wie Aromatiefe (fruchtig), Säure (angenehm) und Gerbstoffe (moderat). Besonders einige junge Weinmacher sind für diesen Wandel verantwortlich: Sie experimentieren zum Beispiel beim Ausbau, also in der Phase zwischen Gärung und Abfüllung, und lassen den Wein länger oder kürzer auf der Hefe als gewohnt.

Das Ergebnis: Die modern interpretierten Pinot Noirs gelten als besonders vielfältig und polarisierend, sind fruchtiger und knackiger. Sie richten sich eher an jüngere Gaumen. Experten halten die neue deutsche Winzergeneration deshalb für eine wichtige treibende Kraft in der europäischen Rotweinszene. Nie zuvor seien unter den Newcomern so viele Entdeckungen gemacht worden, heißt es.

Der Klimawandel macht Spätburgunder besser

Sogar bei Berliner Staatsempfängen verdrängen die wilden deutschen Spätburgunder inzwischen die Konkurrenz aus Frankreich und Italien – was als kulinarische Höchstauszeichnung gilt. Den derzeitigen Erfolg verdanken die Winzer aber nicht allein ihrer Kunstfertigkeit. Denn während die Klimaerwärmung Weißweinsorten eher schadet, profitieren die roten Trauben von langen, sonnigen Sommern wie den vergangenen. Was dazu führt, dass immer mehr Winzer auf Spätburgunder setzen.

Seit der Jahrtausendwende hat sich die Anbaufläche um rund ein Fünftel – auf rund 12.000 Hektar – vergrößert, vor allem in Baden, der Pfalz und Rheinhessen ist die Rebe weit verbreitet. Und wo mehr Auswahl, da mehr Spitzenqualität. Schöne Folge des menschgemachten Klimawandels: 2018 gilt als einer der besten Jahrgänge seit Jahrzehnten.

Autor: Mareike Hasenbeck
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