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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Feiertage

Unser Autor will Feiertage, die keiner versteht, durch neue ersetzen

Keine Wurst für den Erlöser

Unser Kolumnist hat eine Idee: Feiertage, deren Gründe keiner mehr versteht, durch neue ersetzen. Der 7 : 1-gegen-Brasilien-Tag etwa gäbe ein super Grillfest

Wir brauchen neue Feiertage. Kein Mensch weiß mehr, warum es die alten gibt. Eine von mir an Christi Himmelfahrt spontan beim Grillen durchgeführte, ausgesprochen repräsentative Umfrage ergab, dass gut 25 Prozent der Befragten (= mein Kumpel Möhre) als Grund für den Feiertag vermuten, Jesus sei damals mit dem Bollerwagen durch Jerusalem gezogen, um Eier zu verstecken. Ein knappes Viertel (= Möhres Freundin) war der Meinung, dieser Feiertag sei eine Erfindung der Wurstindustrie, während die bessere Hälfte der anderen Hälfte (= ich) „Himmelfahrt“ für eine launige Umschreibung von „Vatertag“ hielt. Einzig Ramona war nüchtern genug zu googeln und erklärte uns, laut Wikipedia sei Jesus 40 Tage nach Ostern in den Himmel gekommen. Deswegen müssen wir 2000 Jahre später nicht ins Büro.

 

In meinem Bekanntenkreis gibt es mehr Leute, die an Aliens glauben, als Leute, die an Jesu Himmelsreise glauben


Derart aufgeschlaut, aßen wir eine Wurst auf den Erlöser und machten jeder feierlich noch ein Bier auf. Hauptsache frei, warum, ist ja schnurz, hieß es. Ich aber kam ins Grübeln. Im erwähnten Bekanntenkreis gibt es mehr Leute, die an Außerirdische glauben (= Ramona und Möhres Freundin), als Leute, die an Jesu Himmelsreise glauben (= keiner). Es wäre also eigentlich logischer, wir hätten am 8. Juli frei, wo 1947 in Roswell womöglich die Aliens gelandet sind. Der eine rauf in den Himmel, die anderen runter aus dem Himmel. An beides muss man glauben, beweisen lässt sich da nix. Wie gesagt, Hauptsache, frei. Mein Alien-Gedenktag (= A-Day) wäre aber insofern besser, als im Juli sonst kein Feiertag ist, während im Mai vor lauter Brückentagen mittlerweile gar nicht mehr gearbeitet wird.

 

Außerdem bietet mein Feiertag gigantische Merchandise-Möglichkeiten! Bei Himmelfahrt hat man im Grunde nur das Kreuz und einen wenig populären Soundtrack von Bach. Beim A-Day ist allein der Begriff schon mal ein Hit (quasi wie ein Prequel von B-Day für Geburtstag oder D-Day für Kriegspleiten). Der passt auf Tassen, Mützen und T-Shirts und bietet reichlich Chancen für Filme, Serien und Musik von Hans Zimmer. Die Marketing-Genies, die auch dem letzten Honk erfolgreich eingetrichtert haben, dass er seiner Trulla am Valentinstag Blumen schenken muss, können sicher auch durchsetzen, dass wir alle am A-Day Hummer essen, Schuhe kaufen oder sonstigen Stuss machen. Kommerziell wäre der A-Day der Himmelfahrt jedenfalls klar überlegen.

 

Gut, bei den alten Feiertagen geht’s ums christliche Fundament unserer Gesellschaft, aber wenn man sich anguckt, wer aktuell bei DSDS mitmacht, bei Pegida oder Primark, dann ist das Fundament doch eh schon verschütt. In der Belegschaft jeder deutschen Fußgängerzone ist man deutlich näher bei Aliens als bei Christen. Ich hielte es jedenfalls für zeitgemäß, wenn es Feiertage gäbe, die Leute von heute noch kapieren. Ich bin dafür, dass wir Allerheiligen am 1. November ersetzen, zum Beispiel durch den 23. Oktober, den Tag, an dem Steve Jobs 2001 den ersten iPod vorstellte. Der 17. Juni ist als Tag der Deutschen Einheit ja auch durch den 3. Oktober ersetzt worden, und ich denke, dass Steve Jobs in den letzten Jahren kulturell, kommerziell und gesellschaftlich mehr bewegt hat als der Heilige Bimbam, oder wer sonst immer noch an Allerheiligen gefeiert wird. Gott ist doch eh längst tot. Außer der Fußballgott natürlich. Wie wär’s also mit einem Feiertag zur Erinnerung an das 7 : 1 gegen Brasilien? Ähnlich wie Christi Himmelfahrt ist das ein Ereignis, das in den nächsten 2000 Jahren nicht mehr so oft vorkommen wird. Und wann war das? Am 8. Juli! Kein Witz!! Am A-Day!!! Das ist ja wohl ein klarer Hinweis auf die Aliens. Und wenn die demnächst die Weltherrschaft übernehmen, bin ich durch diese Kolumne schon mal fein raus.

Autor: Ralf Husmann
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