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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und der Kundenservice

Unser Autor fragt sich, was er noch bekommt für sein Geld

König Kunde - ein Nachruf

Unser Kolumnist lacht auch gern mal über sich selbst. Ein Witz auf seine Kosten? Kein Problem - solange er dafür kein Geld bezahlen muss

Früher war der Kunde angeblich mal König, aber diese Monarchie ist offenbar gründlich abgeschafft worden. Jetzt ist der Kunde nur noch Kasper.

 

Es gibt seit einiger Zeit „Restaurants“, in denen man anstehen muss, um sich die Zutaten für sein Essen selbst auszusuchen, in einen Napf zu tun, dem Koch hinzustellen, worauf der einem eine Art Vibrator gibt, der rappelt, sobald das Essen fertig ist, damit man es sich dann abholen geht. Anschließend steht man noch mal an, um zu bezahlen. Überraschenderweise muss man an der Kasse nicht noch sein Geschirr spülen. Keine Ahnung, warum dieser Schritt vergessen wurde. Man nennt das Ganze „Erlebnisgastronomie“, ich nenne es „Affenscheiße“ und finde, dem Erfinder dieser Idee gehört sehr lange feste ins Gesicht geboxt.

 

Selbst auf dem runtergeranztesten Straßenstrich muss sich der Kunde, wenn er bezahlt hat, nicht selber ficken


Es ist in etwa so, als stiege ich in ein Taxi, in dem der Fahrer von mir erwartet, dass ich nicht nur das Benzin mitbringe, sondern auch selbst fahre und anschließend den Wagen wasche. Diese Pest hat mit Coffeeshops und Packstationen angefangen und zieht jetzt immer weitere Kreise. Aber, liebe Dienstleister, selbst auf dem runtergeranztesten Straßenstrich muss sich der Kunde, wenn er bezahlt hat, nicht selber ficken. Gibt euch das zu denken?

 

Ich habe neulich online einen sogenannten Billigflug gebucht. Zum eigentlich annoncierten Preis kamen plötzlich noch Kosten für eine Platzreservierung, für Gepäck und, wenn ich das richtig verstanden habe, für eine Kerosinabgabe. Am Ende war der Billigflug so teuer wie eh und je.

 

Übertragen auf, sagen wir, Bestattungen hieße das: Man bietet an, die Verstorbenen unschlagbar günstig unter die Erde zu bringen, um dann schrittweise damit rauszurücken, dass ein Sarg extra kostet, für ein Grab noch Zusatzkosten anfallen und man natürlich den Toten auch noch irgendwie zum Friedhof bringen muss, was selbstredend nicht im Preis inbegriffen ist. Ich bringe ja von Haus aus einen gewissen Humor mit, aber irgendwo hört der Spaß auf.

 

Ich möchte hier auch schon mal einen ausgedehnten Amoklauf ankündigen für den Fall, dass mich noch mal irgendeine Kassenplunze nach Bonuskarten, Payback, Happy Digits oder ähnlichem Stuss fragt. Ich sammle keine Punkte. Ich sammle auch keine Striche. Ich kaufe kein Heringsfilet, um dadurch drei Bonusmeilen zu bekommen, die ich in neun Jahren gegen einen Sandwichmaker eintauschen kann, nach einer einmaligen Zuzahlung von 39 Euro!

 

Ich erinnere mich noch, dass es in den 70ern Rabattmarken gab, die damals ungefähr so cool waren wie Eintopf, Schrebergärten oder die Hitlerjugend. Ich finde nicht, dass Rabattmarken jetzt cooler sind, weil sie digital wurden. Gewäsch wird auch nicht dadurch geistreich, dass es jetzt Twitter heißt, und ich werde nicht dadurch schlauer, dass ich nun die Chance habe, Shakespeare auch als E-Book nicht zu lesen.

 

Früher war nicht alles schlechter. Ich möchte übrigens auch nicht an der Kasse vom Elektrofachmarkt nach meiner Postleitzahl gefragt werden, weil ich zwei Batterien gekauft habe. Ich glaube euch nicht, dass es euren Service verbessert, wenn ihr wisst, wo ich wohne. Ich glaube, dass es euren Service verbessert, wenn ihr Personal einstellt, das nicht schon in der Grundschule dreimal sitzengeblieben ist. Der König ist tot, hoffentlich lebt er bald wieder!

Autor: Ralf Husmann
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