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Bernie Ecclestone vs. Sepp Blatter

Einer von uns, keiner von uns

Kurven-König vs. Fußball-Fürst

Sie sind die skandalumwitterten Könige ihres jeweiligen Sports - und doch völlig verschiedene Typen. Von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone kann man fürs Leben lernen, über Ex-Fifa-Chef Joseph Blatter nur den Kopf schütteln

EINER von uns

Bernie Ecclestone. Wenn jemand weiß, wie es sich anfühlt, von Gott beschissen zu werden, dann Bernie Ecclestone: Als er das Licht der Welt erblickte, tat er das mit einem Auge - auf dem anderen ist er seit Geburt fast blind. Seine Familie war arm, die Zeiten waren schlecht. Als Kind sah er, wie um ihn herum deutsche Fliegerbomben einschlugen. Und als junger Mann sah er, wie die einzigen zwei Rennfahrer, die er je persönlich managte (Stuart Lewis-Evans und Jochen Rindt), vor seinen Augen in den Tod rasten. Das Schicksal meinte es nicht gut mit Bernie. Aber er schlug zurück.

Statt sich als Kind damit abzufinden, dass er kein Geld hatte, kaufte er morgens vor Schulbeginn alle Backwaren in der Umgebung und verhökerte sie später als Monopolist mit Aufschlag. Und statt sich später damit abzufinden, dass er in der Formel 1 kein Glück zu haben schien, übernahm er den ganzen Laden.

Wenn Ecclestone beim Saisonstart durchs Fahrerlager marschiert, treibt es vielen die Zornesröte ins Gesicht treiben. Der 80-Jährige lenkt die Formel 1 wie ein Diktator, seine Sprüche sind skandalös (für die Aussage, Hitler habe wenigstens „die Dinge geregelt bekommen“, hat er sich immerhin entschuldigt), und der Anblick dieses 1,60-Meter-Zwergs neben seiner einen Kopf größeren und fast 50 Jahre jüngeren Freundin ist lächerlich. Stimmt ja alles. Man muss ihn aber trotzdem mögen. Denn er hat bewiesen, dass ein Mann sich mit nichts im Leben abfinden muss. Er lässt sich von Gott nicht verarschen. Er überlistet ihn.

Neulich wurde Ecclestone überfallen, verprügelt und seiner Hublot-Armbanduhr beraubt. Seine Reaktion: Zeitungsanzeigen, auf denen sein ramponiertes Gesicht zu sehen war, darunter stand der Satz: „Da sehen Sie mal, was Leute für eine Hublot tun würden.“ Seine Gage für diesen PR-Gag dürfte für ein paar neue Uhren gereicht haben.

KEINER von uns

Sepp Blatter. Auf diesen Typen einzuprügeln ist fast schon zu einfach. Er ist schuld daran: dass wir bei jeder WM Budweiser trinken müssen, dass es im Fußball lange keine  Torlinien-Kamera gab, dass Scharen von Fans mit irreparablen Hautschäden von der WM 2022 in Katar heimkehren werden, weil sie über ihrem Bier mal kurz in der Sonne eingenickt sind - mal ganz abgesehen vom schlechten Ruf den er dem internationalen Fußball einhandelte. Es gibt Menschen, die sagen, wenn man im Lexikon unter Korruption nachschlägt, müsste dort ein Bild von Sepp Blatter abgedruckt sein.

Der Mann ist dermaßen unten durch, dass man gern mal ein paar Argumente finden würde, die für ihn sprechen - und sei es nur, um dem Blatter-Bashing bei Partygesprächen etwas entgegensetzen zu können. Allein, man ist zum Scheitern verurteilt. Man könnte anführen, dass er ein gewieftes Kerlchen ist, sonst wäre er nicht schon seit zwölf Jahren Fifa-Präsident. Aber Blatter zieht seine dubiosen Deals so uncharmant und plump durch, dass er dafür keinen Respekt verdient. Man könnte argumentieren, dass er privat recht witzig sein soll. Aber wer ihn in der Öffentlichkeit sieht, muss das für ein von ihm gestreutes Gerücht halten.

Und dann könnte man noch Blatters Einsatz für den Fußball in Entwicklungsländern loben - und würde damit auf die Nase fallen. Zum einen, weil dieses Engagement auch nur dem Machterhalt dient - irgendwoher müssen die Stimmen ja kommen, mit denen er sich Ende Mai wiederwählen lassen will -, und zum anderen, weil Blatters Prahlen damit ihn endgültig zum Kotzbrocken macht. Blatter sieht sich als Fußball-Liebhaber, der sich für den Sport opfert. Es ist diese Selbstwahrnehmung, die ihn auf alle Vorwürfe mit völliger Verständnislosigkeit reagieren lässt. Und es ist seine Unschuldsmiene, die ihn, mehr noch als alles andere, so unerträglich macht

Autor: Alexander Neumann-Delbarre
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