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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und der Weltuntergang

Unser Autor ringt um seine letzten Worte

Letzte Worte

Unser Kolumnist weiß im Grunde genau, dass die Sache mit dem Weltuntergang und dem Maya-Kalender Quatsch ist. Wären da nur nicht diese Hinweise . . .

Wenn die Maya Recht haben, ist dies meine letzte Kolumne. Bekanntlich haben die ja ausgerechnet, dass die Welt bald kaputtgeht. Vielleicht sollte ich also schnell noch etwas Sinnvolles sagen. Man will ja mit seinen letzten Worten nicht so doof dastehen wie Goethe mit seinem: „Mehr Licht“. Das war ja nun gar nix, außer vielleicht ein Werbeslogan für Energiesparlampen. Wobei die wiederum ein klares Indiz dafür sind, dass es mit der Welt wirklich zu Ende geht. Die und fünflagiges Toilettenpapier. Das haben wir nämlich jetzt. Es fühlt sich an, als würde man sich mit einem Hamster den Hintern abwischen. Also weich, aber geisteskrank. Christine Neubauers Buch mit Schönheitstipps ist genauso dick und ähnlich sinnvoll. Das kann man auch nehmen. Klopapier und Buch hat Ramona gekauft, die damit quasi den Maya in die Hände arbeitet.

 

Bei Rasierern wird jetzt ähnlich aufgerüstet wie damals nach dem Nato-Doppelbeschluss in Deutschland


Aber ich bin auch nicht besser, denn mein Nassrasierer hat jetzt fünf Klingen. In Worten: fünf. Als ich anfing, mich zu rasieren, hatten Rasierer eine Klinge. Wenn ich diese Entwicklung hochrechne und die Maya Unrecht haben, bekomme ich mit 70 einen Rasierer, der zwölf Klingen hat. Und Internet. Bei Rasierern wird jetzt ähnlich aufgerüstet wie damals nach dem Nato-Doppelbeschluss in Deutschland. Vielleicht verhalten sich dann meine Barthaare auch so wie die Russen damals. Sie kapitulieren und kommen nicht mehr. Dann, aber nur dann, hätte sich der Rasierer mit zwölf Klingen gerechnet.

 

Neulich habe ich mir ein Auto geliehen, und ich schwöre, es hatte eine Lenkradheizung. Eine Lenkradheizung! Ich kann mir vorstellen, dass das eine sinnvolle Sache ist, wenn man beruflich viel am Polarkreis unterwegs ist und eine Handschuh-Allergie hat. Aber sonst? Auf der CeBIT wurde in diesem Jahr ein wasserdichter Tablet-PC vorgestellt. Sicher auch sinnvoll. Falls man beim Tauchen noch schnell auf Ebay mehr Sauerstoff ersteigern muss. Wer weiß, vielleicht würde Uwe Barschel heute noch leben, hätte er aus der Badewanne eine Mail schreiben können. Aber insgesamt drängt sich doch der Eindruck auf, dass die Maya Recht haben und die Welt demnächst im Arsch ist. In einem durchschnittlichen Kaufhaus findet man heute mehr Absurditäten als im Nachmittagsprogramm von RTL2. Zum Beispiel Laubbläser. Während ich dies schreibe, röhrt vor meinem Fenster seit Stunden ein von der Stadt bezahlter Geisteskranker durch die Straße und bläst Blätter von links nach rechts. Mit der Lautstärke eines Motörhead-Konzerts. Kriegt man mildernde Umstände, wenn man einem Laubbläser mit dem Luftgewehr ins Bein schießt? Ein Luftgewehr hätte ich nämlich. Was wurde beim Fegen eigentlich aus den guten alten Besen von früher? Zu analog? Zu unfunky? Zu leise?

 

In ICEs gibt es jetzt Ruheabteile. Darin saß ich neulich. In dem Ruheabteil gab es ständig laute Durchsagen, die auf das kulinarische Angebot im Bordrestaurant hinwiesen und auf Anschlüsse nach Münster. Auf Deutsch, Englisch und Französisch. Wie viele hungrige Franzosen mit Fahrziel Münster fahren wohl im Schnitt in einem ICE von Köln nach Dortmund? Und könnten uns die nicht vielleicht einfach scheißegal sein? Die Franzosen halten eh nichts von uns, das ändert sich nicht durch Ansagen in ihrer Muttersprache. Und was ist eigentlich mit Türkisch? Ich möchte wetten, es wollen mehr Türken nach Münster als Franzosen. Wenn man erst mal anfängt, darüber nachzudenken, gibt’s kein Halten mehr. Weniger ist oft mehr. Das gilt nicht für Geld und Sex, aber sonst erstaunlich häufig. Wenn es mit der Welt doch weitergeht, wünsche ich mir weniger Durchsagen, weniger Rasierklingen, weniger Lagen beim Klopapier, weniger Zeug insgesamt. Und wenn die Welt untergeht, mögen das meine letzten Worte sein: Weniger ist mehr. Von mir aus auch mehr Licht. Ich habe das Ramona gesagt, die meinte, ich solle dann endlich mal im Flur die neuen Spots unter die Decke dübeln. Frauen sehen selbst den Weltuntergang pragmatisch.

Autor: Ralf Husmann
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