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Unfälle bei der Selbstbefriedigung

Wenn Sauerstoffmangel geil macht

Unfälle bei der Selbstbefriedigung: Wenn Sauerstoffmangel geil macht

Vom Fußfetisch bis zum BDSM gibt es unzählige Vorlieben beim Sex. Extreme Fetische können allerdings lebensgefährlich werden: Jährlich ersticken in Deutschland etwa 100 Menschen bei der Selbstbefriedigung – weil sie sich währenddessen selbst strangulieren. Sie stehen auf die sogenannte Atemreduktion, was auch als "Hypoxyphilie" bezeichnet wird.  

Ein Mann aus Hessen war kurz vor dem Jahreswechsel tot in seinem Hobbykeller gefunden worden - den Ermittlungen der Hanauer Staatsanwaltschaft zufolge erstickte er. „Elektriker erwürgt sich in selbst gebautem Porno-Raumschiff“ lautete die Schlagzeile der „Bild“-Zeitung. 

Häufigster Hintergrund für Unfälle: Lust durch Sauerstoffmangel 

Der Mann sei am ganzen Körper und am Hals mit Ketten gefesselt gewesen, erklärte die Behörde. Man gehe von einem autoerotischen Todesfall aus – also einer tödlichen Selbstbefriedigung. Anhaltspunkte für fremde Gewalteinwirkung gebe es nicht. Laut „Bild“-Zeitung liefen noch Pornos, als der Mann gefunden wurde.

Lust durch Sauerstoffmangel, Hypoxyphilie genannt, ist laut dem Brandenburger Rechtsmediziner Harald Voß am häufigsten der Hintergrund bei  Masturbations-Unfällen. Schätzungen zufolge gebe es ein bis zwei Fälle pro Million Einwohner in Deutschland im Jahr. Eine Zahl von 80-100 Fällen, die in Artikeln dazu oft auftauchen, sei daher realistisch.

Hinweise auf einen Unfall bei der Selbstbefriedigung seien zum Beispiel: ein entblößtes Geschlechtsteil, Pornobilder, ein Spiegel in der Nähe, Fesseln, die selbst angebracht worden sein können, Folientüten über dem Kopf – und wenn der Mensch alleine in einem geschlossenen Raum war und keinen Abschiedsbrief hinterlassen hat.

„Kill Bill“-Schauspieler stranguliert in Kleiderschrank gefunden

Bekannte Fälle sind „Kill Bill“-Schauspieler David Carradine, der 2009 erstickt in einem Kleiderschrank gefunden wurde und INXS-Sänger Michael Hutchence, der 1997 an einem Gürtel stranguliert in einem Hotelzimmer entdeckt wurde.

Über Carradine sagte eine Gerichtsmedizinerin damals: „Er starb, nachdem er sich selbst befriedigt hatte.“ Im Fall von Hutchence widersprach seine Lebensgefährtin dem Gerichtsmediziner, dass es Selbstmord gewesen sei und sprach von einem missglückten Sex-Spiel. Bis heute ist der Fall unklar.

Angehörige, die die Leiche finden, räumten manchmal Dinge weg, weil die Scham so groß sei, berichtet Rechtsmediziner Voß. Dabei gehe es nicht immer nur um Hypoxyphilie.

Mann versuchte sich durch Stromschläge zu stimulieren

Eine alte Frau in Halle etwa habe ihren Sohn mit den Klemmen von Weihnachtsbaumlichtern an den Brustwarzen gefunden und die Lichter weggeräumt, bis der Notarzt gekommen sei. Verbrennungen am Körper hätten Voß aber stutzig gemacht. Die Frau habe dann eingeräumt, wie sie den Mann vorfand. Er hatte versucht, sich durch Stromschläge zu stimulieren – zu viel für sein schwaches Herz, erzählt Voß.

Meist seien Männer die Opfer autoerotischer Todesfälle, sagt er. „Das gibt es auch bei Frauen, aber es kommt seltener zum Tod, weil Frauen offensichtlich vorsichtiger sind und nicht so viele Raffinessen einbauen.“

Tatsächlich scheinen manche viel Fantasie zu haben: Mit fünf Vorhänge-Schlössern soll der Mann aus Hessen laut „Bild“ seine Würgevorrichtung gesichert haben. Um sich zu befreien, hätte er sie in der richtigen Reihenfolge öffnen müssen.

Sauerstoffmangel soll euphorisierend wirken

Aber so will doch niemand aufgefunden werden? „Die gehen ja nicht davon aus, dass sie sterben, natürlich möchte man so nicht gefunden werden“, antwortet Voß. Das Risiko werde oft unterschätzt.

„Dass man bewusstlos wird, geht schneller als die Leute denken. Wenn zum Beispiel beide Halsschlagadern abgepresst werden, dauert es maximal 30 Sekunden“, sagt der Rechtsmediziner. Zugleich sei der Reiz groß: Das Gefühl der Ohnmacht oder der Gefahr steigere das Empfinden.

Was ist so reizvoll daran, sich die Luft abzuschnüren? „Man vermutet, dass Sauerstoffmangel euphorisierend wirkt und zusammen mit einem Orgasmus soll es absolut Wahnsinn sein“, sagt Voß. Man gehe davon aus, dass es im Gehirn zu einem Dopaminschub komme, ähnlich wie bei einem Drogenrausch. Auch Jugendliche probierten die Praxis schon aus. Das Phänomen ziehe sich durch alle Altersgruppen.

Allerdings: Hypoxyphilie ist nicht der einzig gefährliche Fetisch. Auch bei anderen Selbstbefriedigungs-Praktiken, zum Beispiel mithilfe eines Staubsaugers, kann es zu ernsthaften Verletzungen des besten Stücks kommen. 

(dpa)

Autor: Playboy Redaktion, Playboy Deutschland
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