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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Motivation

Unser Autor hat eine Idee, wie man Beziehungen revolutioniert

Mehr Incentive, bitte!

Unser Kolumnist begegnet ständig Menschen, die von Feel-good-Managern und anderen Clowns motiviert werden. Eine gute Idee: Mit Strapsen oder Rouladen als Anreiz würde auch in einer Beziehung vieles leichter gehen

Junge Männer sind heute nicht mehr arbeitslos, sondern „legen auf“. DJs sind das männliche Pendant zu Mode-Bloggerinnen. Die wiederum hießen früher einfach Hausfrauen. Selbst am Gardasee, wo es immer noch derartig nach 60er-Jahre aussieht, dass es sogar noch Hollywoodschaukeln gibt, stand neulich ein junger Mann an einer ganz normalen Imbissbude hinter einem Mischpult und beschallte unseren Kaffee mit einer Dance-Version von „Where The Streets Have No Name“. Passend dazu las ich kürzlich von Unternehmen, die sogenannte Feelgood-Manager beschäftigen, also praktisch so was wie Klinik-Clowns für Firmen. Menschen, deren Aufgabe es ist, die Angestellten zu bespaßen, damit die dann gerne ihren Job machen.

 

Gestern saß ich in einer Eisdiele, und im Laufe einer Stunde kamen knapp ein Dutzend Mütter mit Kindergartenkindern herein. Es gab jedes Mal Tränen. Die Kinder wollten mehr Kugeln und Mitspracherecht bei den Fragen: Hörnchen oder Becher, Soße oder Streusel, Sahne oder Keks, Löffel oder lecken. Die Mütter mussten ihrer Brut das Eis regelrecht schmackhaft machen und waren am Ende erschöpft. Früher, bei meiner Mutter, hätte ich mir bei so einem Verhalten das Eis in die Haare schmieren können. Wir wären ratzfatz ohne Eis wieder nach Hause gegangen. Früher ging man aber auch einfach zur Arbeit, weil man sonst kein Geld verdiente. Die Sinnfrage wurde da nicht so oft gestellt. Heute geht’s auch beim Schlachthofangestellten um die Work-Life-Balance.

 

Meine Work-Life-Balance ist im Arsch, wenn ich nicht zum Trinken mit den Jungs gehe, sondern das Parkett abschleife


Zu den simpelsten Dingen muss man die Menschen heute anscheinend motivieren. Eis und Arbeit, Mode und Imbissbuden. Von selbst geht nix mehr. Das ist der Fortschritt, und für den ist ja jeder. Nur Ramona erwartet von mir, dass ich endlich unsere Küche renoviere. Einfach so, weil sie es gesagt hat. Mehrfach. Sie findet die Wandfarbe doof, die Lampen uncool, und sie findet, ich sollte was mit dem Boden machen. Ich hingegen finde die Küche in Ordnung und bin kein Heimwerker-Junkie. In Baumärkte gehe ich nur, wenn ich mal wieder viele hässliche Menschen sehen will, um mich selbst attraktiver zu fühlen. Ramona kommt mir daraufhin mit Vorwürfen. Ich finde sie deswegen rein vom Feel-good-Management her eher suboptimal und sage das auch. Ich sage, meine Work-Life-Balance ist regelrecht im Arsch, wenn ich nicht zum Training bzw. Trinken mit den Jungs gehe, sondern stattdessen das Parkett abschleife - nur weil Madame in einem Mode-Blog eine tolle Küche gesehen hat.

 

Ich finde, sie könnte sich wenigstens ein bisschen was zur Motivation einfallen lassen. Strapse, Rouladen, irgendwas. Findet sie nicht. Ich erwähne, wie sich mittlerweile jeder Arbeitgeber und jede Pommesbude auch bei Selbstverständlichkeiten um mich bemühen. Deswegen, sage ich, kann meine Freundin nicht erwarten, dass ich im Privatleben alles einfach so mache. Ohne Incentive, Anreiz, Motivation. Ich soll es aus Liebe machen, sagt sie. Aber das scheint mir ganz schön altmodisch. Liebe. Dafür gibt’s ja nicht mal einen modernen englischen Begriff. Außerdem ist man heute ja oft länger bei einer Firma als bei einer Frau. Und warum sollte denn ausgerechnet die Liebe vom Fortschritt ausgenommen sein? Ramona sagt, sie habe die Nase voll und rede jetzt mit Herrn Czopek, der war früher unser Hausmeister und heißt jetzt Facility-Manager. Der wird’s schon richten, denke ich.

Autor: Ralf Husmann
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