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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Unterwegs im Traum-BMW

BMW 02: Klassiker mit Zukunft

BMW ist 100 Jahre alt, unser Motormann 50. Beide haben am selben Tag Geburtstag. Deshalb hat sich Michael Görmann selbst beschenkt: mit einem 50 Jahre alten BMW. Der wird nun gründlich durchgecheckt und technisch überholt. Direkt bei BMW in der Klassikabteilung.

Dies ist Teil 2 unserer Story 100 Jahre BMW

Die erste Ausfahrt war herrlich! Direkt nach dem Kauf habe ich meinen neuen 1602 angemeldet, und wie auf Bestellung kam die Sonne heraus. Die Straßen rund um München sind ein phantastisches Revier für Oldtimer-Fahrer. Und da ich bis zur Arbeit knapp 40 Kilometer habe, kann ich fast jeden Tag des Jahres eine andere Strecke fahren. Der Nullzwoer hat schon einige Varianten gesehen...

Er läuft wie ein Uhrwerk. Springt immer sofort an, hängt gut am Gas. Was mich an dem Wagen auch begeistert, sind sie großen Glasflächen. Die Rundumsicht könnte nicht besser sein. Selbst die A-Säule, also der Rahmen der Windschutzscheibe, ist kaum dicker als eine ungekochte Spaghetti.

Davon könnten sich moderne Autos eine Scheibe abschneiden. Aber seien wir gnädig: All die hohen Sicherheitsanforderungen von heute wären mit einem Auto im Stil der Siebziger-Jahren einfach nicht zu erfüllen. Und bei einem Unfall mit dem 02 schaut der Fahrer selbstverständlich etwas dümmer aus der Wäsche als in einem modernen Einser-BMW. Allein die Dreipunktgurte machen Dir zunächst mehr Angst, als dass sie Dich in Sicherheit wiegen. Die Strippen bestehen aus zwei Teilen – eine ist an der B-Säule sowie außen neben dem Sitz befestigt, die zweite innen neben dem Sitz. Beide werden vor dem Bauch mittels eines Hakens und einer Magnetschließe miteinander verbunden. Die Gurte sind fest verbaut, natürlich ohne Automatikrolle und damit ohne irgendwelche Bewegungsfreiheit für den Fahrer. Wenn Du im 02 angeschnallt bist, bist Du angeschnallt. Zum Öffnen des Handschuhfachs fragen Sie Ihren Beifahrer oder halten Sie an.

Der Nullzweier geht erstaunlich flott, wenn man bedenkt, dass er nur 80 PS hat. Die Kupplung in meinem neuen alten Auto allerdings liegt in den letzten Zügen. Sie kommt auf dem allerletzten Millimeter und schleift recht ordentlich. Man kann sie beim ebenso gut schnalzen lassen, das Anfahren ist immer gleich. Mal sehen, welche anderen Mängel die BMW-Experten noch so  finden.

Sein grundsätzliches Okay hatte Klaus Kutscher ja bereits gegeben. Den BMW-Spezialisten für Expertisen hatte ich vorab um sein fachmännisches Urteil gebeten, noch bevor ich mir den kleinen schwarzen Bimmer überhaupt zulegte. Kutscher kam zu  Automobile Onita nach Ampfing und prüfte den 1602 direkt beim Händler auf der Hebebühne. Als sein Daumen nach oben ging, kaufte ich den Wagen.

Doch nun wird es ernst

Denn einen gründlichen Check konnte Kutscher vor Ort bei Automobile Onita natürlich nicht machen. Aber dass der Wagen in einem für sein Alter hervorragenden Zustand ist, das sah der BMW-Mann gleich. Nun geht es an die genaue Bestandsaufnahme. Dafür haben wir nach der Anmeldung des Fahrzeugs einen Termin direkt vor Ort bei BMW Classic vereinbart.

Die Klassikabteilung des BMW-Konzerns ist Anfang Mai 2016 umgezogen: in die historischen Räume der "Knorr Bremse" im Münchner Norden. Der Ort atmet große Geschichte. Denn hier wurde vor 100 Jahren die Marke BMW gegründet. Das Gebäude in der Moosacher Straße ist der Ort, an dem unter anderem die ersten BMW-Flugzeugmotoren entwickelt und gebaut wurden. Später war es Sitz der Knorr Bremse AG. BMW hat die historischen Gebäude umfangreich renoviert und vor allem der Fassade ihren feinen, historischen Charme wiedergegeben (Die Gebäude zur Moosacher Straße hin stehen unter Denkmalschutz). Dahinter verbirgt sich jede Menge Hightech. Blitzblanke Werkstatträume mit ebenerdig versenkbaren Hebebühnen, viel Glas für viel natürliches Licht, jede Menge historischer Fahrzeuge und natürlich ein prall gefülltes Ersatzteillager. Wie kaum ein anderer Hersteller kümmert sich BMW um den Erhalt seiner historischen Fahrzeuge. Allein den 02-er BMW, um den es in dieser Story geht, könnten sie komplett aus Ersatzteilen zusammenbauen. Und damit man es ihnen auch wirklich glaubt, haben sie es tatsächlich schon einmal gemacht: einen neuen alten Wagen aus Ersatzteilen aufgebaut.

In der nagelneuen, hellen Werkstatthalle wartet Basti Gorka (25) auf mich. Der stellvertretende Werkstattleiter fährt den Wagen in die Halle und ruft als Erstes „Die Kupplung ist aber fertig!“ Ja, ich weiß...

Hoffentlich kommt nicht noch mehr hinzu...

Gut eine Stunde nehmen sich Basti Gorka und sein Team Zeit, den Wagen zu untersuchen. Das Ergebnis: Es gibt eine Reihe von Teilen, die man besser ersetzen sollte, um ein dauerhaft standfestes und mängelfreies Fahrzeug zu haben.

Die Liste:

-          Ölwannendichtung

-          Wasserpumpe

-          Thermostat

-          Keilriemen

-          Lichtmaschinenlager

-          Zugstreben- und Querlenkerlager

-          Hardyscheibe

-          Kupplung

-          Kühler

Macht unterm Strich 950 Euro an Teilen und etwa 1400 Euro an Arbeitszeit. Als die Arbeiten voranschreiten, werden es unter dem Strich sogar etwas mehr als 4000 Euro. Es kommt eines zum anderen, die Liste wird länger. Die Reparaturkosten sind nicht unerheblich, aber wenn man bedenkt, dass die Preise alter BMWs seit gut einem Jahr ständig anziehen, schlägt man irgendwann ein. Spätestens seit dem Trubel um den 100. Geburtstag der Marke Anfang März werden alte BMWs immer teurer. Der 1602, von Automobile Onita günstig angeboten, wird also seinen Wert vermutlich steigern. Erst recht mit Tiptop-Technik.

Ich hake die Liste ab. Machen, Jungs! Was ich bei BMW Classic zusätzlich in Auftrag gebe, ist ein großer Kundendienst für 300 Euro. Dabei werden alle Betriebsflüssigkeiten, Filter und die Zündkerzen gewechselt.

Um die Echtheit eines Fahrzeugs zu bestätigen, bietet BMW verschiedene Dokumente an. Für rund 2500 Euro bekommt man etwa eine umfangreiche Expertise, die meist mehr als 100 Seiten umfasst und die Geschichte eines Fahrzeugs komplett dokumentiert. So etwas lohnt sich allerdings nur bei wirklich hochwertigen Sammlerfahrzeugen, die in geringer Stückzahl gebaut wurden und meist einen deutlich sechsstelligen Wert darstellen.

Was für meinen kleinen 1602 in Frage käme, ist das zweite Dokument der Klassikabteilung: ein Zertifikat. Hier wird auf einer fein gestalteten Seite die Echtheit des Fahrzeugs bestätiget. Alle individuellen Fahrzeugdaten sind aufgelistet. Auf einer zweiten Seite werden alle technischen Daten der Baureihe aufgeführt. Solch ein Zertifikat kostet 100 Euro.

So etwas käme für meinen Wagen in Frage, doch es gibt einen Haken. Über die CKD-Autos (Completely Knocked Down, Erklärung im ersten Teil der Geschichte), zu denen mein 1602 gehört, hat BMW leider zu wenig Daten im Archiv. Man weiß nur, dass diese Autos als Bausatz ins Ausland geschickt und dann vor Ort in BMW-Werken zusammengebaut wurden. Dabei mussten je nach Land lokale Zulieferer eingebunden werden, die einzelne Teile vor Ort im Land herstellten. Um was genau es sich bei diesem "local content" jedoch handelt, sieht man heute nur noch am fertigen Fahrzeug. Bei meinem Wagen waren dies beispielsweise der Teppich und das Kunstleder der Sitze. Auch der schwarze Lack ist ganz offensichtlich original. Das ist überraschend. Denn in Deutschland wurde damals kein einziger schwarzer 02 angeboten. Erst zum Ende der Produktion legte BMW eine limitierte "Schwarze Serie" des 2002 auf. Ein originaler "schwarzer Portugiese" ist also eine Besonderheit. Für mich noch ein Grund mehr, ihn zu erhalten und gut zu pflegen.

Diese Besonderheiten hält das BMW Classic-Team in einer Betätigung fest, die offiziell unterschrieben ist und einen Ehrenplatz in meinen Fahrzeugpapieren bekommen wird.

Lesen Sie hier, wie die ganze Geschichte begann

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