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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

DER KAMPF-STERN

Radikales Establishment im neuen AMG-Monstrum

Das Mercedes-AMG C 63 S Coupé

Mehr Technik - weniger Fahrspaß? Der neue Mercedes-AMG C 63 S Coupé pulverisiert diese Gleichung. Denn ohne die elektronischen Fahrhilfen wäre das Biest aus Affalterbach kaum beherrschbar

Hätte ich mir nie träumen lassen. Aber irgendwann ist immer das erste Mal: Auf den Serpentinen Málagas schaue ich einem Arsch hinterher - einem männlichen. Breit, muskelbepackt. Nein, er gehört keinem der spanischen Californian Dream Boys, sondern dem neuen C 63 S Coupé von AMG. Die Affalterbacher verpassen ihrem Bestseller, der C-Klasse, für das Jahr 2016 einen noch markanteren Auftritt, einen kompromisslos sportlichen Charakter. Und puschen damit den Daimler-Markenkern auf ein neues Level: weniger Straßenschiff, mehr Stealth-Bomber.

Das Design enthält mehr Motorsport-Zitate als ein Motorsport-Lexikon: extrem kräftige Frontpartie, große Lufteinlässe, tief platzierter Kühlergrill. Und ausgestellte Kotflügel, die das AMG-Coupé vorn um 64 Millimeter, hinten um 66 verbreitern. Dazu: kurzes Heck mit Diffusoreinsatz. Vom Serienmodell blieben allein Türen, Dach und Heckdeckel. Das Coupé ist knapp sechs Zentimeter länger und vier breiter als sein Vorgänger und im Vergleich zur Limousine serienmäßig 15 Millimeter tiefer gelegt, die optisch abgesenkte Front verstärkt den grimmigen Eindruck. Neben dem C63 S Coupé wirkt ein C300 wie ein Labrador neben einem Karpatenwolf. Es hat sich einiges verändert. Ganz zu schweigen vom Inneren.

In der Fahrschule wurde ich noch von meinem Lehrer gewarnt, wenn sich eine graue C-Klasse vor uns einfädelte. „Lahme Komfort-Kreuzer!“, nannte er sie. Dafür würde er sich jetzt schämen - genauso wie dafür, mich jemals auf die Straße losgelassen zu haben. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich mal auf diese Bestie treffen würde.

Schon beim Anlassen im „Sport+“-Modus erläutert mir der 4,0-Liter-V8-Biturbo röhrend seinen Stammbaum: 510 PS, 700 Nm. Übrigens der einzige Achtzylinder in seinem Segment. Mein Mitfahrer kichert, reibt sich die Hände und verstaut seine Kamera im Fußraum. Mikroprozessorgesteuerte Direkteinspritzung. Kein aufgemotzter Standard, sondern modifizierte Renntechnik aus dem Supersportler AMG GT S.

Ein bissiger Vergleich muss mir gegönnt sein: Neben dem AMG C 63 S Coupé wirkt ein Serien-C300 wie ein Labrador neben einem Karpatenwolf. Der Nette und das Biest. Der Mercedes-Veredler hat sich also nicht nur optisch von den Serienmodellen emanzipiert und verzichtet auf Kompromisse. Leichter. Steifer. Fester. Sieht man. Fühlt man. Hört man.

Der Sound ist zwar beeindruckend. Aber wer wirklich eindrückliche Grüße an seine Nachbarn oder an die Guardia Civil schicken möchte, kann eine Performance-Abgasanlage ordern. Drei schaltbare Klappen bringen den Sportwagenschreck im „Comfort“-Modus dezent zum Schnurren - in den Programmen „Sport+“ und „Race“ zum Brüllen. Mit nur einem Knopfdruck kann man seine Passagiere aus dem Schlummer reißen oder mittelschwere Lawinenabgänge verursachen.

Wir wollen einen bleibenden Eindruck in Spanien hinterlassen. Deswegen lasse ich das „Comfort“-Programm links liegen, bleibe beim „Sport+“ und schalte das AMG-Ride-Control-Fahrwerk auf „Sport Handling Mode“. Kurzes Hadern: ESP off, Race-Mode? Nein. Noch nicht. Ich habe mir vorgenommen, im Bett zwischen den Beinen einer Frau zu sterben, nicht in einem luxuriösen Sportsitz. Richtige Entscheidung.

Zum Glück bekomme ich bei der Wilden-Zähmung zunächst professionelle Unterstützung durch die elektronischen Fahrhilfen: Die andalusischen Kurven mögen noch so eng, der Bleifuß noch so schwer sein, der Benz klebt in der Spur. Keine Traktionsprobleme, keine Ausflüge des Hecks. Das Hinterachs-Sperrdifferenzial reagiert agiler als ein Eichhörnchen auf Speed. Selbst auf Schnapsideen. Ich beschleunige, bremse vor einer engen Kurve kurz an und lenke ein. Meinem Mitfahrer schießt das Frühstück in den Hals - der AMG reagiert feinfühlig: Sowohl ein mechanisches als auch ein elektronisches Sperrdifferenzial verringern den Schlupf am kurveninneren Rad. Ganz ohne Bremse. Nach einem kurzen Eingriff kann ich sofort wieder die Tacho-Nadel hochpuschen. Fahren an meinem Limit. Trotzdem fühlt es sich kontrolliert an.

Kurven - die kann der Ultimate Fighter unter den Coupés. Nun soll er uns seine lange Gerade zeigen. Aber erst: kurzer Schulterblick. Gefahrenbremsung.

Die 402-Millimeter-Keramikbremsscheiben beißen zu. Vorn quietschen 255/35 R 19 auf 9,0 J x 19-Räder. Hinten zwei 10,5 J x 19. Kein Ausbrechen. Auch in diesem Moment spielt die Elektronik Schutzengel. Der Beifahrer schwitzt.

Beim Antritt reagiert der Wagen so aggressiv, als hätte ich statt Super Testosteron getankt. Mit dem AMG-Speedshift- MCT-7-Gang-Sportgetriebe sprintet der AMG C 63 S in knapp 4,0 Sekunden von null auf 100. Und danach ist noch lange nicht Schluss. 250 km/h ist die erste Grenze. Doch mit ein paar netten Worten und dem AMG Driver’s Package (gegen Aufpreis, versteht sich) kann man auf der Autobahn auch mit bis 290 km/h auf Sportlerjagd gehen.

Länge x Breite x Höhe:
4750 x 1877 x 1402 mm
Gewicht: 1725 kg
Sprint 0–100 km/h: 3,9 s
V-Max: 250 km/h (elektronisch abgeregelt)
Motorbauart, Zylinder:
4-Liter-V8 mit Biturbo
Hubraum: 3982 ccm
Leistung: 510 PS
Drehmoment: 700 Nm
Leistungsgewicht: 3,38 kg/PS
Preis: ab 86.096 Euro

Die wahre Reifeprüfung steht jedoch noch an. Rechts ranfahren. „Race Mode“ aktivieren. Angeblich ist der für ambitionierte Piloten auf einer abgesperrten Strecke gedacht. Aber eine Versuchung wird man am besten los, indem man ihr nachgibt. Mit sorgenvollem Gesicht steigt mein Beifahrer aus, nimmt seine Kamera mit. Weiße Fahne. Er wolle jetzt lieber Außenschüsse machen. Wieso hat er Angst? Der Attention Assist warnt vor Müdigkeit. Der Collision Assist vor Zusammenstößen. 3-Punkt-Gurte. Airbags. Ich rufe ihm nach: „Hab dich doch nicht so!“

Dann gebe ich Gas und drifte um die erste Kurve. Ein bisschen schwungvoller als gedacht. Und der AMG offenbart sein Strecken-Potenzial. Große Klappe, sehr viel dahinter. Ein bisschen zu viel für mich. Okay, verstanden. Runterschalten. Ganz ruhig, Grauer!

Ich bringe das kampfdrohnengraue Geschoss zum Stehen. Und mir vergeht das hysterische Lachen schlagartig, als der Fotograf wieder zusteigt und sagt: „Los, Plätze tauschen! Jetzt bin ich dran!“

Unser Lifestyle-Reporter Sebastian R. Tromm hatte Spaß. Der Fotograf (hinter der Kamera) war froh, als er aussteigen durfte.

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Autor: Sebastian R. Tromm
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