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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Harley-Trip auf Kuba

Fünf Mädels, fünf Harleys, ein unvergesslicher Roadtrip

Mit Handschaltung durch Kuba

nf Freundinnen aus Frankreich begeben sich auf einen unvergesslichen Road-Trip. Ihrer Iniciación auf Kuba wollen sie sich bedächtig im Sattel von alten Harleys nähern. Die Reise führt sie dabei zu einer uralten Religion. 
 

Endlich sind wir in Havanna gelandet. Von Motorradverleiher Fernando übernehmen wir unsere Maschinen. Es ist warm und die Straßen sind voller Polizisten, da Barack Obama zwei Stunden später die gleiche Route fahren wird.

Das Straßenbild scheint aus den 1950er-Jahren zu kommen. Man sieht beinahe ausschließlich alte amerikanische Straßenkreuzer, in mehr oder oft auch weniger gutem Zustand. Die Zeit scheint vor der Kubanischen Revolution stehen geblieben zu sein.

Die älteste Harley ist eine Knucklehead von 1941, die jüngste ist die rote Panhead, die als einzige eine normale Fußschaltung hat. Und natürlich das Knucklehead-Servicecar. Wir sind hin und weg, aber jetzt müssen wir erst mal lernen, mit Fußkupplung und Tankschaltung klarzukommen – und die Maschinen anzukicken. Neuland für uns alle. Noe nimmt die rote Pan und fühlt sich gleich wie zu Hause, Catherine das Servicecar, Petra die rosa Knuckle, Laura die goldene Pan und Louise die türkis-weiße Pan mit den Satteltaschen.

Schlechte Bremsen und jede Menge Pannen

Wir machen eine kleine Probe-Tour am Meer entlang und gewöhnen uns an unsere Oldtimer. Das Fahrgefühl ist klasse, wenn auch die Bremsen ihren Namen nicht verdienen. Auf der ganzen Tour begleiten uns unsere zwei Mechaniker Oiciruam und Servando. Wir brechen auf Richtung Viñales und wähnen uns schon drei Stunden später im Schaukelstuhl auf der Terrasse eines alten Kolonialstilhauses mit einer Piña Colada in der Hand. Von wegen. Nach etwa vier bis fünf Pannen kommen wir Abends in Viñales an und haben einige Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden.

Aber in Kuba ist nichts unmöglich, die Leute sind freundlich und hilfsbereit und wir finden drei Zimmer mit genügend Betten für alle. Allerdings sehr rudimentär mit einer Menge Mücken und kalter Dusche. Ein abgebrochenes Kickstarter-Pedal wurde in einer kleinen „Werkstatt“, wenn man das so nennen kann, direkt an der Straße wieder angeschweißt.

Che Guevara grüßt am Straßenrand

Am nächsten Morgen geht es früh los zum Strand von Cayo Jutias. Die Location ist noch ein kleiner Geheimtipp: weißer Strand mit Palmen und zwei kleinen Hütten, an denen man Kokosnüsse, kaltes Bier, Säfte, Piña Colada und etwas zu essen kaufen kann. Das Meer ist türkis und warm und wir fühlen uns wie im Paradies. Wir verbringen den Tag entspannt im Schatten der Palmen und brechen gegen 18 Uhr auf, zurück nach Viñales. Die Straße ist wunderschön, und wir gleiten mit unseren Harleys durch eine hügelige Landschaft im Abendlicht. Verkehrsschilder gibt es kaum bis gar nicht, dafür aber regelmäßig große Werbetafeln mit politischer Propaganda und Gemälden von Che Guevara am Straßenrand. Zurück in Havanna versuchen wir unter anderem, Tampons zu kaufen – leider ohne Erfolg, und auch im späteren Verlauf der Reise finden wir keine.

Importprodukte sind so gut wie gar nicht zu finden; alles wird wiederverwendet, modifiziert und umgebaut, zu kaufen gibt es in der Regel nur die Grundnahrungsmittel und das, was auf der Insel direkt produziert wird. Die Armut ist überall deutlich zu sehen und zu spüren, trotzdem sind die Kubaner von Haus aus fröhliche Menschen. Sobald man jedoch ein bisschen nachhakt, träumen sie von Amerika. „Auswanderung“ ist ein Wort, das aus Angst nicht ausgesprochen wird, aber deutlich zwischen den Zeilen zu hören ist.

Durch die Berge bis ans Meer

Wir brechen am frühen Nachmittag Richtung Playa Larga auf. Ein platter Reifen an Noes Panhead zwingt uns zu einer längeren Pause. Repariert wird wie immer von unseren Jungs am Straßenrand. Das nötige Werkzeug ist dabei. Playa Larga ist ein kleiner Fischerort, allerdings werden die Fischerboote gerudert. Motoren haben die Boote nicht.

Eine malerische Bucht, umgeben von Mangrovenwäldern, die von der Unesco unter Naturschutz gestellt wurden, und mittendrin die Schweinebucht mit ihrer traurigen Geschichte. Es ist wunderschön, und wir frühstücken mit Blick aufs Meer, bevor wir uns auf den Weg Richtung Trinidad, Cienfuegos und Santa Clara machen. Wir fahren durch Bergstraßen mit den engsten Serpentinen, die wir je gesehen haben, und Steigungswinkeln, die wir im ersten Gang hochfahren müssen.

Pannen als Normalzustand

Noes Pan macht am Berg schlapp, und wir müssen warten, bis das Motorrad ein bisschen abgekühlt ist, bevor Oiciruam und Servando mit kundiger Hand die Maschine wieder fahrbereit machen können. Auf der einen Seite ist es natürlich schade, dass die Motorräder immer wieder liegen bleiben. Auf der anderen darf man nicht vergessen, dass die Harleys auch nicht mehr ganz jung sind. Außerdem ist es hier ganz normal, Pannen zu haben.

Ständig fahren wir an liegen gebliebenen Fahrzeugen vorbei. Die meisten Kubaner scheinen sich ohnehin eher per Fahrrad oder Pferd fortzubewegen. Die Kinder werden morgens per Kutsche in die Schule gebracht – private Autos scheinen unerschwinglich zu sein.

Santa Clara - endlich wieder Internet

Santa Clara ist bei Weitem nicht so schön, wie wir es uns vorgestellt haben. Allerdings gibt es auf dem Hauptplatz endlich mal wieder Internet. Dafür verwöhnt uns Playa del Este mit einem weißen Sandstrand. Allerdings verliert Lauras Harley die Schraube vom Ölnachfüllstutzen, die wohl nicht richtig fest war. Aber eine neue muss erst passend auf einer Drehbank gemacht werden. Es ist Mittagszeit und knallheiß. Wir warten und trinken herrlich frischen Fruchtsaft und verlieren kostbare Zeit.

Nach dem Mittagessen will Petras Knucklehead nicht mehr. Die Lichtmaschine scheint kaputt zu sein. Nach einigen Versuchen und langem Warten wird beschlossen, das Motorrad vor Ort zu lassen. Fernando wird es später per Anhänger abholen. Wir fahren weiter entlang der Küste. Wir halten an einem Aussichtspunkt, von dem man über die Berge bis zum Meer gucken kann. Zudem gibt es hier die beste Piña Colada der ganzen Reise.

Santería als Ausnahmezustand

Von hier geht es weiter nach Havanna zum wirklichen Projekt dieser Reise: die Santería. Das ist eine Religion, die ihre Wurzeln im fünften Jahrhundert vor Christus hat, von afrikanischen Sklaven in die Karibik gebracht wurde und sich im Laufe der Jahrhunderte natürlich verändert und angepasst hat.

Im Land der Revolution

Unser „Godfather“ Miguel begrüßt uns in seinem Haus, das voller religiöser Figuren ist. Alles ist ein bisschen seltsam. Aber er ist herzlich, wir mögen ihn. Natürlich ist auch hier die Religion nicht umsonst. Nach einigen Verhandlungen werden wir uns einig. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen.

Geschlafen wird in Havanna in einem abgewohnten, aber wunderbar herrschaftlichen Haus. Man kann sich gut ein Bild vom Leben vor der Revolution machen.

Am nächsten Morgen sind wir pünktlich bei unserem „Vater“ Miguel und seinen „Priestern“. Sie müssen zu dritt sein, um uns in die Santería einzuführen. Im Garten liegen schon unsere Opfertiere: zwölf Hühner, sechs Tauben und ein Lamm.

Wir stehen vor unseren „Gaben“, die nachher unser Leben in der Santería enthalten. Eine Tonschale mit Miniaturwerkzeugen, eine Schale, die nachher nussartige Samen und einen Hühnerschädel enthalten wird, ein Hahn aus Metall auf einer Stange und ein Tonkopf mit Muschelaugen – hübsch ist etwas anderes. Und dann geht es los.

Als Erstes muss eine Taube dran glauben. Mit dem Messer wird ihr die Halsschlagader geöffnet und das Blut über ein Götzenbild geträufelt. Danach kommt Honig drüber und ein bisschen Rum. Dabei wird gesungen und getanzt. Catherine laufen die Tränen.

Zuerst ein Kuss - dann ein Messer - und plötzlich überall Blut

Dann geht es weiter zu unseren „Heiligtümern“. Es wird getanzt und im Kreis gelaufen, wie man es sich in einer Voodoo-Zeremonie vorstellt. Wir müssen uns in einer Reihe aufstellen und das Lamm wird gebracht. Bevor ihm mit einem scharfen Messer die Kehle geöffnet und das Blut über unsere Töpfe und Metallhähne gegossen wird, sollen wir das Tier küssen und uns davor verneigen.

Anschließend sind die Hühner dran. Wir halten jeweils ein Huhn an den Beinen in jeder Hand. Es ist schon ein bisschen unheimlich und unangenehm. Einer nach dem anderen bekommt die Hühner abgenommen.

Sie werden über uns gehalten und an uns gerieben und schließlich werden auch die Hühner eins nach dem anderen geopfert. Das Tierblut ist überall, Catherine kann bei der Zeremonie nicht zugucken und liegt weinend in den Armen unseres „Godfathers“. Nun wird alles noch mit Hühnerfedern bedeckt und es bekommt fast einen festlichen Anblick.

Wenn wir die Zeremonie nicht selbst erlebt hätten, würden wir es fast nicht glauben. Wir sind schon ein bisschen beeindruckt. Nachmittags werden die soeben geopferten Hühner als verspätetes Mittagessen serviert.

Wahrsagerei und Voodoo-Kult

Am nächsten Morgen geht es weiter. Nun hat jeder eine Sitzung mit unseren Voodoo-Priestern, bei der uns aus den Samen in unserem Krug jeweils die Wahrheit gelesen wird. Dabei kommen erstaunliche Sachen heraus, die zum Teil der Wahrheit entsprechen. Wir sind hin- und hergerissen. Laura weint, da in ihrem Voodoo-Horoskop viel von Tod und Verletzung die Rede ist. Bei Petra ist es ähnlich. Catherine ist nicht über die getöteten Tiere hinweggekommen und Noe und ich versuchen, die ganze Wahrsagerei nicht so ernst zu nehmen, was nach der Einzelbehandlung durch die Priester nicht ganz einfach ist.

Als wir am Abend wieder nach Hause kommen, sind wir alle schwer beeindruckt. Laura und Petra stehen noch voll unter Voodoo-Einfluss. Die Handschaltungs-Harleys bleiben auf Kuba, aber unsere „Schreine“ (der Metallhahn, der Topf mit den Samen etc.) kommen mit auf den Rückflug – in der Hoffnung, dass sie nicht nur als bloße Mitbringsel in der Ecke verstauben werden.

Erschienen 2016 in der CRAFTRAD NO.4

Autor: Götz Göppert
Alle Jahre wieder: Der Streit ums Reiseziel
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