Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Mythos Le Mans

Alle Fakten zum legendären Rennen

24 Stunden Vollgas

Mut, Ausdauer, Glück - all das braucht es, um hier zu gewinnen. Die 24 Stunden von Le Mans sind eine Legende der Erbarmungslosigkeit. In diesem Jahr wollen auch Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg und Hollywood-Schauspieler Patrick Dempsey Renn-Geschichte schreiben

Le Mans. Zwei Wörter, in denen so viele Emotionen mitschwingen, dass sie Rennfahrer zum Weinen bringen. Oder sie jubeln lassen wie Jungs. Je nachdem, wie die 86.400 Sekunden des legendären Nervenkitzel-Marathons sie geprägt haben. Jetzt kehren die Racer zurück. Fahren im Kreis, Tag und Nacht. In zwei GT- und zwei Prototypenklassen. Eine Bewährungsprobe für Körper, Geist und Motoren - nach dem Motto: „To finish first you have to finish first“ (Um zu siegen, musst du erst mal ankommen). Der 13,629 Kilometer lange „Circuit de la Sarthe“ gehört zu den gefährlichsten Strecken der Welt. Die Sportprototypen erreichen hier Höchstgeschwindigkeiten von rund 340 km/h. Teile des Kurses sind öffentliche Landstraßen, die erst kurz vor dem Rennen gesperrt werden. Auf kaum einer anderen Strecke im internationalen Renngeschehen liegen Drama und Jubel so eng beieinander. Spektakuläre Unfälle gehören seit dem ersten Start im Jahr 1923 dazu. Die Bilder von Loõc Duvals Horror-Crash zeigten im vergangenen Jahr ein Schlachtfeld aus Einzelteilen des Audi R18. Der Pilot wurde nur leicht verletzt. Ein Jahr zuvor hatte es den Dänen Allan Simonsen im Aston Martin erwischt. Er kam bei dem Unfall im GT-Auto ums Leben.

Die Fahrer, die beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans antreten, wissen um das Risiko. Es macht einen Teil des Mythos aus, von dem im Fahrerlager alle sprechen. Steve McQueen huldigte der Magie, die diesen Ort seit jeher umgibt, mit dem Kultstreifen „Le Mans“. Zum Dreh des Films, der das Rennen aus dem Jahr 1970 dokumentiert, konnte McQueen sogar seinen Kumpel, die Schweizer Rennfahrer-Ikone Jo Siffert, verpflichten.

Heute wandelt Hollywood-Star Patrick Dempsey auf McQueens Spuren. Der Frauenschwarm aus der Serie „Grey’s Anatomy“ ging 2015 zum vierten Mal in seiner Rennfahrerkarriere in Le Mans an den Start. Mit einem Porsche 911 RSR trat er in der GT-Amateur-Klasse an. „Die ganze Woche in Le Mans verändert dich“, sagt der 49-Jährige. „Nach dem ersten Mal war ich nicht mehr dieselbe Person wie vorher.“

Neben Dempsey hat Porsche 2015 zwei weitere große Namen im Aufgebot: die Formel1-Stars Nico Hülkenberg und Mark Webber. Hülkenberg erlebt in Le Mans seine Feuertaufe. Der 28-Jährige, der in der Formel 1 bei Force India unter Vertrag ist, macht Kollegen wie Fernando Alonso und Jenson Button neidisch, die schon lange davon träumen, bei dem Langstreckenklassiker dabei zu sein. Webber hat ihm dort einige Runden voraus. „Du musst bei diesem Rennen nicht deine Gegner schlagen, sondern das Rennen selbst“, sagt der Australier.


Das beste Sport-Event der Welt

Die Zeitschrift „National Geographic“ kürte die 24 Stunden von Le Mans mehrmals zum besten Sport-Event der Welt - vor den Olympischen Spielen und dem Superbowl der American-Football-Liga. Manche sagen, es sei eine große Party mit mehr als 250.000 Menschen, bei der zwischendurch auch ein Rennen stattfinde. Rund um die Strecke haben Fans aus allen Teilen der Welt ihre Zelte aufgeschlagen. Auf der Souvenirmeile werden T-Shirts, Modellautos und Schirmmützen an die PS-Pilgerer verhökert. Das Wahrzeichen der Vergnügungsmeile: der Dunlop-Bogen und das Riesenrad, das in der Nacht bunt beleuchtet ist und den besten Blick über die Strecke garantiert.

Von dieser Romantik bekommen all jene, die in den Autos sitzen und um den Sieg kämpfen, nur wenig mit. „In der Nacht fühlst du dich einsam“, sagt Audi-Werksfahrer Marcel Fässler. „Das ist fast schon unangenehm. Rundherum wirkt alles wie ein dunkles Loch.“

Dreimal konnte der Schweizer das 24-Stunden-Rennen bereits gewinnen. Und immer hatte dabei eine Frau das Kommando: seine Renningenieurin Leena Gade. Die Britin ist so populär, dass die Fans auf den Tribünen ihr selbst gemalte Plakate widmen. „In Le Mans darfst du dir keinen Fehler erlauben“, sagt sie. „Was auch immer auf der Strecke passiert, ob Chaos wegen schlechten Wetters, Unfälle, Feinberührungen zwischen den Autos, Reifenabnutzung oder Spritverbrauch - du musst eine Lösung finden, 24 Stunden lang. Das ist hart, und ich liebe es.“

Für die Audi-Renningenieurin und ihre drei Fahrer Marcel Fässler, AndrØ Lotterer und Benoôt TrØluyer lautet die Mission: Titelverteidigung. Im vergangenen Jahr holten sie mit dem Audi R18 e-tron quattro den ersten Sieg der neuen Hybrid-Ära. Toyota und Le-Mans-Rückkehrer Porsche, die 2014 ihr Comeback nach 16 Jahren feierten, haben das Gleiche vor: die Ziellinie als Erste zu überqueren. Nissan nimmt eine Außenseiterrolle ein. Das Batmobile mag zwar spektakulär aussehen, doch dem exotischen Fronttriebler trauen Experten nur wenig zu.

Kampf der Motorgiganten

Der Wettkampf zwischen Audi, Porsche und Toyota war 2015 allerdings noch enger als im Vorjahr. Mittlerweile haben sich die Techniker auf das 2014 eingeführte Effizienz-Reglement eingefuchst. Die Hersteller müssen sich mit ihren Konzepten auf eine Stufe zwischen zwei und acht Megajoule abrufbarer Energie festlegen. Je größer die elektrische Energiemenge, die ein Fahrer pro Runde abrufen kann, desto weniger Kraftstoff darf er einsetzen. Hybridsysteme werden so begünstigt.

Porsche entschied sich für die 8-Megajoule-Klasse und profitiert so vom enormen Elektro-Boost des 919 Hybrid auf den Geraden. Als Schwachstellen gelten die Zuverlässigkeit und die Reifenabnutzung. Audi hatte 2014 zwar nicht das schnellste Auto, punktet aber mit dem großen Erfahrungsschatz, einer ausgefeilten Aerodynamik und der Zuv erlässigkeit des R18 e-tron quattro. Toyota spielt seinen Joker mit dem TS040 Hybrid bei der Reifenhaltbarkeit aus, schickt aber nur zwei Autos ins Rennen, Porsche und Audi jeweils drei. Ein klarer Nachteil für die Japaner.

Weil das Rennen so hart umkämpft ist, sprechen die Fahrer von einem Sprint über 24 Stunden. Das Tempo ist atemberaubend: Die LMP1-Boliden sind nur fünf Sekunden langsamer als die Formel 1. Dabei wiegen sie rund 200 Kilogramm mehr.

Ein wichtiger Teil des Le-Mans-Mythos geht dieses Jahr aber verloren. „Wir haben alle geweint“, sagt Toyota- und Ex-Formel1-Pilot Alexander Wurz. Der Grund: Die Veranstalter verzichten in der Startaufstellung auf die hübschen Grid-Girls.

Crazy Concepts

Autor: Bianca Leppert
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.