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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und der Niktotinentzug

Unser Autor verlässt seine Ramona nicht, auch wenn der Nikotinentzug sie giftig macht

Nichtrauchen gefährdet Ihre Gesundheit

Unser Kolumnist verlässt seine Ramona nicht. Obwohl der Nikotinentzug sie giftig macht. Aber wäre seine Liebe auch stark genug für Diäten und Sport?

Liebe, ja, ja. Gut und schön. Sicher. Hab ich, mach ich, tu ich, klar. Aber dann hörte Ramona mit dem Rauchen auf. Ich hatte zugeraten, der gesunde Menschenverstand auch, selbst die Zigaretten sagten auf jeder Packung: „Wir sind Scheiße.“ Also beschloss Ramona, Schluss zu machen. Von heute auf morgen. Radikal. Und ich hatte plötzlich einen anderen Menschen zu Hause sitzen. Also „Menschen“, denn ich hatte eigentlich einen Ramona-Zombie. Da saß noch die Hülle, nur mit völlig anderem Inhalt. Rauchfrei, aber unerträglich. Aggro und übellaunig wie ein Flüchtlingsgegner. Ich als Nichtraucher war theoretisch vorbereitet, hatte praktisch aber keine Ahnung. So vermutete ich, die entziehende Frau wäre zu den Gelegenheiten schlecht drauf, an denen sie vorher geraucht hatte. Also zum Beispiel beim Kaffee, wenn wir uns stritten oder nach dem Essen. Darauf war ich eingestellt. Stattdessen sagte ich beiläufig: „Heute is warm“, und sie schrie ansatzlos, mir könne man es wohl nie Recht machen, ihr sei oft kalt, darauf würde aber auch keiner Rücksicht nehmen, ich hätte im Übrigen die falsche Milch gekauft und sei ein Arschloch. Sie ginge jetzt weg, schrie sie noch und ging dann weg.

 

Zwei Minuten später klingelte das Telefon, und dieselbe Frau fragte, ob wir ein Eis essen wollten, es sei so warm. Ramona spielte Emotionsroulette. Sie schien die Reaktion auf jeden meiner Sätze auszuwürfeln. Zur Auswahl standen „Wut“, „Hass“, „Angst“ und „Mitleid“. Und so reagierte Ramona auf mich mit der Willkür einer gelangweilten Königin. Beständig pendelnd zwischen „Komm her“ und „Kopf ab“. Das Nikotin, so erklärte ich es mir, klammerte sich an Ramona wie Sepp Blatter an die Macht. „Schmeißt du mich raus, reiß ich dich rein“, sagte das Nikotin. Zudem hatte sie plötzlich viel Freizeit. Die Rauchpausen, in denen sie früher 20 bis 30 Kippen täglich verquarzte, mussten jetzt anderweitig gefüllt werden. In diesen frei gewordenen anderthalb Stunden hätte sie ein Fernstudium beginnen können oder ihre Unterwäsche nach Farben sortieren, Ramona entschied sich stattdessen fürs Durchdrehen.

 

Wäre Ramona eine Wohnung, wär die Sache klar. Mietminderung, ausziehen, Feierabend


Wäre Ramona eine Wohnung, wär die Sache klar. Mietminderung, ausziehen, Feierabend. Ein schönes Appartement in ruhiger Lage mit Balkon und Einbauküche, wo sie dir plötzlich eine sechsspurige Autobahn vor die Tür nageln, den Balkon als Endlager für Atommüll nutzen und der Kühlschrank warm wird, der Ofen aber nicht, ist eben nicht mehr dasselbe, auch wenn es noch dasselbe ist. Auch bei einer Frau will man sich ja zu Hause fühlen, und nicht rauchend war auch sie nicht mehr dieselbe. Aber Mietminderung war schwierig bei Ramona. Ausziehen dito. „Sie hat mit dem Rauchen aufgehört, da hab ich sie verlassen.“ Kriegst du nicht gut erklärt, wegen dem Ding mit den guten und schlechten Tagen. Ich blieb also und stellte mir die Frage: Wer ist jetzt eigentlich the real Slim Shady, also die echte Ramona? Die rauchende, nette, im Grunde ausgeglichene Frau oder das nicht rauchende, sprunghafte, unberechenbare Monster? Was, wenn Nikotin für Ramona kein Gift war, sondern ein Gegengift? Kann eine entgiftete Ramona womöglich giftiger sein als Nikotin? War nicht auch mein versuchsweise für einen Monat antialkoholischer Kumpel Möhre plötzlich so öde wie Thomas Roth bei den „Tagesthemen“? Hatten die Stones nicht ihre besten Sachen geschrieben, als sie randvoll mit Drogen waren, während der Wendler vermutlich Nahrungsergänzungsmittel nahm? War Hitler nicht Vegetarier? Hätte er unter regelmäßigem Einfluss von Wurst und Schnitzel Polen womöglich in Ruhe gelassen?

 

Ramona hat durchgezogen, sie raucht nach wie vor nicht, wiegt seither aber mehr. Ihre kommenden Gegner heißen deswegen Zucker und Fett. Ramona will weg von Süßigkeiten und Pommes und mehr Sport machen. Ich habe Angst. Wenn sie endgültig gesund lebt, muss ich sie verlassen.

Autor: Ralf Husmann
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