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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann's politische Ambitionen

Unser Autor will einiges abschaffen - falls nötig mit Putins Hilfe

Revolte in eigener Sache

Unser Kolumnist hat politische Ambitionen: Straßenfeste, Marathons und Junggesellenabschiede abschaffen. Damit er am Wochenende mal ungestört in die Stadt kommt. Falls keine Partei mitzieht, hofft er auf Putin

Ich will eine Revolution oder wenigstens eine neue Ölkrise! Die letzte führte nämlich dazu, dass es autofreie Sonntage gab und die Leute mit dem Arsch zu Hause bleiben mussten. Das will ich wieder! Sonntags geht nämlich nichts mehr in der Stadt. Seit Wochen ist immer irgendwo Straßenfest. Oder Stadtteilfest. Oder Solidaritätsgedöns für Minderheiten. Oder Marathon. Oder was mit Computerspielern aus aller Welt. Deswegen werden Straßen gesperrt, man stellt da Würstchenbuden hin und Volkstanzgruppen, schlimme Leute singen „Sweet Home Alabama“, irgendwo gibt’s Ledertaschen und Falafel, und einer macht was für Kinder.

 

Die Innenstädte veröden nicht, sondern verblöden. So sieht’s aus. Dazu rosten momentan alle wichtigen Brücken durch und werden geschlossen, während man parallel die meisten Hauptstraßen provisorisch repariert, weswegen sie sicherheitshalber einspurig sind. Für eine Strecke von neun Kilometern braucht man locker zwei Stunden. Wenn Ramona fährt, auch mehr. In der Zeit habe ich mir ausgemalt, wie ich langsam einen Verkehrsplaner töte, wie ich eine von mir bemannte Drohne kaufe, die in die Garage passt, und wie ich mich von Ramona trenne, sollten wir jemals irgendwo ankommen. Ich frage mich, ob es in wirklich großen Städten wie Taipeh oder Mexico City auch Straßenfeste gibt. Ich habe echtes Verständnis dafür, dass Lenin damals zur russischen Revolution durch Deutschland mit der Bahn reiste. Ich drehe still durch.

 

Die Innenstädte veröden nicht, sondern verblöden. So sieht’s aus


Das ist wie gesagt der Sonntag. Freitags kann man eh nicht aus dem Haus. Da kommen die Provinznasen aus dem Umland und machen Junggesellenabschied. Alle tragen lustige T-Shirts, verhökern Schnaps, und so eine anstehende Hochzeit ist offenbar Grund genug, sich zu benehmen wie Komparsen aus „Planet der Affen“. Gemessen an der Zahl der Junggesellenabschiede, kann es eigentlich nicht mehr viel Singles im Land geben.

 

Der Samstag fällt schon seit Jahren aus. Samstags fahren alle morgens zu Ikea oder gehen sonstwo shoppen. Entsprechend beschissene Laune haben sie für den Rest des Tages. Deswegen trifft man sich abends mit anderen Pärchen, die tagsüber auch shoppen waren, und betrinkt sich zügig, denn der Babysitter kann nur bis halb zwölf. Alle, die im weitesten Sinne in der Gastronomie oder im Service arbeiten, sind samstags nicht zu genießen. Die wollen schließlich auch gern mal zu Ikea, müssen stattdessen aber Leute bedienen. Montags hat alles zu. Die ganze Stadt hat einen Kater vom Wochenende, und die Falafelbuden von den Straßenfesten müssen abgebaut werden. Dienstags hab ich Sport, mittwochs ist Champions League, und wenn es am Donnerstag regnet, war’s das schon wieder mit der Woche. Ich wette, Uli Hoeneß kommt mehr raus als ich.

 

Vielleicht kann die Politik was bewegen. Oder Putin. Vielleicht führt ja ein russisches Gas-Embargo irgendwie zu einem straßenfestfreien Sonntag, oder Dobrindt führt eine Maut auf Marathons ein. Wenn die AfD nicht gegen den Euro wäre, sondern gegen Junggesellenabschiede, hätte sie meine Erst- und Zweitstimme. Aber natürlich sieht der Lucke so aus, als wäre er samstags der Erste bei Ikea. Vermutlich führt die Politik wie immer zu nichts. Ich fürchte, die Revolution muss ich schon selbst machen. Aber wann?

Autor: Ralf Husmann
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