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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Für Uhrviecher

Ein Multi-Tool fürs Handgelenk

Schweizer Taschenmesser am Arm

Alle reden über Smartwatches. Dabei können die gar nicht viel mehr als Smartphones. Doch jetzt entdeckte unser Gadget-Professor dieses Gerät: das Leatherman TREAD QM1

Die Schweizer Uhrenindustrie zittert angeblich. Bei Apple hofft man auf „the next big thing“ nach dem iPhone. Für mich hingegen ist die Apple Watch seit Jahrzehnten die erste Produktinnovation aus Cupertino, die keinen Kaufreflex auslöst. Anrufe mit dem Handgelenk annehmen und rumlaufen wie ein Bodyguard? Schritt-Wettbewerbe mit den Kollegen austragen? Bio-NSA spielen und das eigene Fitnessprofil, die Ernährungsgewohnheiten und die Herzfrequenz kontrollieren, speichern und auf Facebook posten. Echt jetzt?

Tausend Kilometer nördlich der Apple- Zentrale, in Portland/Oregon, haben Ingenieure der Multi-Tool-Schmiede Leatherman derweil an einer ganz anderen Art Smartwatch getüftelt. Statt eine schlaue Uhr mit einem schnöden Armband zu versehen, haben die US-Amerikaner eine recht gewöhnliche Uhr genommen und dazu ein verflucht cleveres Armband konstruiert.

Jedes Kettenglied mit mehreren Werkzeugen

Das sogenannte Tread besteht aus unterschiedlich großen Kettengliedern, von denen jedes mit mehreren Werkzeugen ausgestattet ist. Um diese zu benutzen, nimmt man die Uhr vom Arm und legt das Band an der Stelle flach aufeinander, wo sich das gewünschte Werkzeug befindet. Es ragt dann heraus, und das ganze Band dient als Griff.

Da gibt es Kreuz- und Schlitzschraubendreher in verschiedenen Größen, Inbus- und Vierkantschlüssel, einen kleinen Cutter und in der Armbandschließe sogar einen Flaschenöffner. Und wer mal wieder vor dem Tauchgang auf hoher See den Schraubenschlüssel für seine Sauerstoffflasche verbaselt hat, kann ihn ab jetzt am Handgelenk tragen.

Leatherman TREAD QM1

Gewicht:    215 g
Breite:    30 mm (Band), 47 mm (Uhr)
Tools:    20
Wasserdicht:    bis 200 m
Farben:    Silber und Schwarz
Material:    Edelstahl
Preis:    ab 469 Euro
Infos:    leatherman.de

Das Material: speziell gehärteter 17-4-PH-Edelstahl, den Fachleute für seine hohe mechanische Festigkeit loben. Anscheinend ist dieser Stahl unverwüstlich, denn andernfalls würde die 25-jährige Garantie, die Leatherman traditionell gibt, dem Controlling im Unternehmen vermutlich den Schweiß auf die Stirn treiben.

Die schlichte Quarzuhr mit drehbarer Lünette ist Swiss Made und fügt sich schnörkellos in das Armband ein, wo sie grob und irgendwie männlich mit zwei dicken Schrauben gehalten wird.

 Uhr und Armband wirken martialisch

Zugegeben, Uhr und Armband wirken sehr martialisch. Man muss schon einige Chuck-Norris-Gene in sich tragen, um mit dem gut drei Zentimeter dicken Tread nicht zu wirken, als wolle man zum Casting von „The Expendables 4“. Beim Check-in am Flughafen beäugt man mich und das Armband dann auch mit unverhohlenem Argwohn, lässt mich aber letztlich passieren. Offiziell sagt Leatherman, die Uhr und das Band seien für Flugreisen im Handgepäck erlaubt. Aber wie Fluggäste wissen, hängt dies - vor allem bei Reisen in die USA - am Ende auch immer von der Laune des jeweiligen Sicherheitsbeamten ab.

Aber ist ein Städter wie ich mit dem Tread besser ausgestattet als mit einer Smartwatch? Ist ein Schlitzschraubendreher im Club so viel hilfreicher als eine App, die den Kalorienverbrauch beim Tanzen errechnet oder „Tinder“-Nachrichten aufs Handgelenk schießt? Sicher nicht. Doch die Frage ist auch, was sich besser anfühlt. Während der eine noch „Tinder“-Nachrichten beantwortet, öffnet der andere vielleicht schon mit dem Armband lässig die Flasche für die Frau neben sich. Und lächelt sein Gewinnerlächeln.

Autor: Tobias Pützer
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