Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und die Sexismusdebatte

Warum unser Autor Ernest Hemingway bewundert

Seximus am Abend

Unser Kolumnist beneidet Ernest Hemingway. Der schrieb Geschichten auf Frauenhintern, soff und bekam den Nobelpreis. Heute bekäme er nichts als Ärger

Wenn Hemingway die aktuelle Sexismusdebatte mitbekäme, würde er sich im Grab umdrehen und sich gleich noch mal erschießen“, sage ich im Rahmen der aktuellen Sexismusdebatte zwischen Ramona und mir über die Bedienung in unserer Kneipe. Sie heißt Nuela. Also eigentlich natürlich Manuela, aber sie möchte lieber Nuela genannt werden, weil bei DSDS oder den „Topmodels“ ja auch keine mehr normal heißt. Aber sie hat einen spitzen Arsch, auf den ich angeblich dauernd Blicke werfe. Prompt bricht Ramona die Diskussion los, und ich komme mit Hemingway.

 

Der hat ja bekanntlich die Limetten für seinen Mojito mit den Brüsten irgendwelcher Weiber ausgedrückt und anschließend auf ihrem Hintern die Schreibmaschine abgestellt, mit der er dann eine Kurzgeschichte schrieb. Er bekam dafür den Nobelpreis, ich hingegen bekomme nur Ärger. Und das für Blicke. Angeblich sind wir nämlich heute gleichstellungstechnisch schon ein ganzes Stück weiter als damals, aber ich finde, dass man über die Definition von „weiter“ noch mal reden müsste.

 

Berlusconi hat sein Liebesleben in etwa so gestaltet wie Mick Jagger, aber während der eine dafür von allen Seiten verlacht und verachtet wird, gilt der andere als Inbegriff von Coolness und Rock ’n’ Roll


Ich habe den Eindruck, dass in 50 Jahren zum Beispiel keiner eine Fernsehserie über unsere Zeit machen wird, die 2063 jeder total super findet, so wie jetzt alle „Mad Men“ gucken, über die 60er des letzten Jahrhunderts, als für Männer ein ausgewogenes Frühstück noch aus Scotch und Bourbon bestand, und wenn Frauen zum Essen eingeladen wurden, waren sie selbstverständlich Teil des Nachtischs. Natürlich nur, wenn der Mann es nicht zu plump anstellte. Jemand wie Brüderle hätte sich damals einfach zwei Backpfeifen eingefangen. Die Frauen sahen sich damals noch nicht so als Opfer. So jedenfalls wirkt’s bei „Mad Men“. Irgendwie haben wir es in 50 Jahren hinbekommen, beide Geschlechter gleichermaßen zu verunsichern.

 

Es folgt ein Protest-Tsunami auf Seiten von Ramona. Dabei hab ich ja gar nicht gesagt, dass damals alles besser war und wir es heute wieder so machen sollten. Aber ich hab meine Zweifel, ob wir es heute so machen sollten, wie wir’s heute machen. Frauen und Männer sollten echt so langsam mal gleich sein, findet dagegen meine Freundin. Ich finde, dann könnte sie heute ja mal den Deckel übernehmen. Neuer Tsunami.

 

Dabei haben wir aus meiner Sicht noch nicht mal Gleichheit zwischen Männern. Berlusconi hat sein Liebesleben in etwa so gestaltet wie Mick Jagger, aber während der eine dafür von allen Seiten verlacht und verachtet wird, gilt der andere als Inbegriff von Coolness und Rock ’n’ Roll. „Wo ist das denn Gleichheit?“, frage ich rhetorisch. In puncto kritischem Journalismus gibt es keinen großen Unterschied zwischen Günther Jauch und Bernd dem Brot, aber dennoch halten die Deutschen den einen für seriös und den anderen für ausgedacht. Entsprechend unterschiedlich werden die beiden bezahlt. Mit Gleichheit hat das nichts zu tun.

 

Ramona fühlt sich nicht ernst genommen, lässt mich mit dem Deckel sitzen und geht allein nach Hause. Ich bestelle einen Mojito bei Nuela und frage, wie sie Hemingway findet. Sie denkt, das wäre ein Klamottenlabel. Es sind komische Zeiten. Der Literaturnobelpreis ging letztes Jahr übrigens an Mo Yan, „weil er mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint“. Ich hab das Gefühl, auch den wird in 50 Jahren keiner mehr kennen.

Autor: Ralf Husmann
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.