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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und das Soja

Unser Autor bekommt zu Hause nur noch Soja - und miese Stimmung

Soja? Aber so nicht!

Unser Kolumnist darf zu Hause keine Milch mehr trinken, weil seine Freundin sie auf einmal nicht mehr verträgt. Dafür gibt’s jetzt Soja - und miese Stimmung

Ramona ist jetzt intolerant. Sie ist einer Art Lebensmittelpegida beigetreten, und seitdem wird Milch bei uns nicht mehr geduldet. Milch ist plötzlich ein quasi tödliches Gesöff, so was wie Absinth aus der Kuh, ein Gift, das nur noch mit einem Beipackzettel verkauft werden sollte. Milch ziehe ihr nicht nur den Magen auf links, Milch sei auch ethisch nicht vertretbar, höre ich von ihr. Kein Lebewesen trinke einem anderen Lebewesen die Kindernahrung weg, sagt Ramona. Nur der Mensch. Gut, sage ich, die wenigsten Lebewesen auf der Welt machen das, was Menschen machen. Die meisten Löwen benutzen keinen Conditioner für ihre Mähne, kaum ein Erdmännchen macht eine Steuererklärung, kein Spatz ist bei Twitter. Deswegen sind wir ja die Krone der Schöpfung. Wir machen seltsame Sachen. Weil wir es können. Die allermeisten Menschen seien von Natur aus laktoseintolerant, hält mein Teil der Schöpfungskrone dagegen.

Weizen für problematisch zu halten, Soja aber nicht, ist, wie von Heroin auf Crystal Meth umzusteigen

Die Japaner zum Beispiel praktisch zu 100 Prozent. Ich sage, die Japaner halten Stäbchen für Besteck und Pierre Littbarski für einen großen Trainer; die Japaner haben Automaten für getragene Mädchenunterwäsche, komm mir doch nicht mit den Japanern! Aber es ist nichts zu wollen. Wir haben jetzt nur noch Soja- und Mandelmilch im Kühlschrank. Bevor ich mir allerdings ausgepresste Sojabohnen oder Nusswasser in den Kaffee kippe, trinke ich lieber Bier. Auch zum Frühstück. Das ist ja in seiner normalen Form eh gestrichen, denn auf Ramonas aktueller Todesliste stehen neben Milch auch noch Gluten und Kohlenhydrate. Brötchen, Brot, Butter, Käse und Marmelade, alles weg. Alles schlecht. Wie das ZK der SED: jahrzehntelang alternativlos, dann auf einmal untragbar. Zum Italiener können wir auch nicht mehr. Pizza ist ja praktisch ein Glutenfladen, getoppt mit als Mozzarella getarnter Laktose. Lasagne? Tiramisu? Alles intolerabel, alles mordsschädlich. Dafür, finde ich, haben sich die Italiener als Volk relativ lange gehalten. Einige sind sogar einigermaßen alt geworden, und bis vor Kurzem galt die italienische Küche ja weltweit als ganz passabel, vor allem im Vergleich zu Sojamilch und glutenfreiem Brot. Es ist irre. Weizen für problematisch zu halten, Soja dagegen für prima, ist, wie aus gesundheitlichen Gründen von Heroin auf Crystal Meth umzusteigen. Aber Gott sei Dank ist Ramona ja eine Frau. Wer häufiger mit Frauen zu tun hat, weiß, dass jegliche Mode hauptsächlich deswegen gemacht wird, weil Frauen grundlos immer etwas Neues brauchen. Gern auch das Gegenteil von dem, was gestern noch Mode war. Frauen halten Röhrenjeans erst für untragbar, dann für unverzichtbar. Innerhalb einer Saison. Männer dagegen sind Gewohnheitstiere. Wir wollen uns keine Gedanken machen müssen über das, was wir anziehen. Wir tragen gern immer dasselbe. Das führt zur Uniform. Wenn wir in der Pubertät das erste Mal ein Stück Fleisch auf den Grill legen und die erste Dose Bier aufmachen, sind die wesentlichen Ernährungsfragen geklärt. Für immer. Wir treten mit drei Jahren gegen einen Ball und sind Fußballfans. Für immer. Frauen machen vorgestern Aerobic, gestern Pilates, und heute haben alle verklebte Faszien.

Frauen hatten vor ein paar Jahren einen unausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt, dann war Fett schwierig, dann Zucker, jetzt Laktose und Gluten. Männer essen einfach alles und kriegen mit 62 Jahren einen Herzkasper. Wenn es also so läuft wie immer, dauert das Milchembargo noch ein knappes halbes Jahr, dann findet jemand raus, dass man von Amaranth Falten kriegt, grüne Smoothies zu Haarausfall führen und Chia-Samen in unseren Körpern dasselbe anrichten wie der IS in Palmyra. Ich hoffe, so lange hält unser Italiener an der Ecke noch durch. So langsam komme ich ja in ein Alter, in dem einem vernünftiges Essen wichtiger ist als unvernünftiger Sex. Andernfalls könnte ich eine Laktoseintoleranzintoleranz bekommen. Und dagegen hilft dann auch kein Soja.

Autor: Ralf Husmann
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