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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Spaßvögel vs. Sporttänzer

Im Rheinland pulsiert zur Karnevalszeit die pure Lebenslust. Weil kein Jeck dem anderen etwas beweisen muss, haben alle: maximalen Spaß. Wie traurig dagegen Rio! Ein einziges Frauen-Schaulaufen und Feder-Gefuchtel mit dem Ziel, die Tollste zu sein

EINER von uns

Rheinland. Hier leben angeblich die Brasilianer Deutschlands. Das wird jeder vergleichsweise übel gelaunte Landsmann gern bestätigen, der jetzt wieder live und in Farbe beschwipste Hausmuttis nebst Töchtern und schnauzbärtigen Eingeborenen rund um den Kölner Dom Dinge tun sieht, für die man in Flensburg oder Rosenheim in den Keller ginge. Das Rheinland löst zur Karnevalszeit eine ähnliche Mischung aus Faszination und Befremden aus wie Rios federbehängte Transvestiten: Wie können Menschen auf Knopfdruck so drauf sein? Verordnete Fröhlichkeit? Völliger Unfug! Im Rheinland herrscht, gemessen am Stimmungsbarometer Restdeutschlands, meistens recht angenehme Laune.

Zwar zieht man rosenmontags auch hier in uniformierten Korps mit Mottowagen voller Pappmaché-Wulffs durch die Städte. Aber nicht aus Witzmangel, sondern aus reinem Laisser-faire: Wozu Traditionen ändern, die keinem schaden? Et hät noch immer jot jejange. Die Gelassenheit ist das wichtigste Charakteristikum im Rheinland und ein Quell des Lebensglücks seiner Bewohner. Die versuchen gar nicht erst, witziger und toller zu sein als andere, und nehmen es deshalb schon rein optisch selten mit süddeutschen Faschingsballbesuchern oder Karnevalisten in Venedig oder Rio auf. Dafür nehmen sie’s gelassen - sie wollen schließlich nur: Spaß.

Dieses Understatement ist ihre Stärke. Die nutzt zwar nichts im Leistungssport (man vergleiche nur den 1. FC Köln mit Bayern München oder dem FC Santos), aber im Leben. Die rheinischen Mädels zum Beispiel, 500-mal blickdichter versteckt in ihren Kostümen als die Ladys am Zuckerhut, spielen ihre Qualitäten gern herunter und behaupten singend, sie ließen an ihre Spitzebützje (Höschen) keinen ran. Aber Züge voller Binnensextouristen wissen, dass das nur ein Kölscher Witz ist. Auch in dieser Hinsicht ist das Rheinland im besten Sinne weltoffen. Unser Land!A

KEINER von uns

Rio. Hier leben angeblich die Rheinländer Brasiliens. Schließlich ist Rio regionales Karnevals-Epizentrum, wie jeder bestätigen kann, der das jährliche Spektakel im Sambúdromo nicht ignoriert. Das fällt schwer, weil dort jede Nacht Tausende fast unbekleideter Frauen tanzen - vor strengen Juroren, womit wir bereits am Kern des Problems sind. Das Ganze ist eine Hochleistungsschau, mehr Sport als Spaß, was auch Rios Straßenkarneval in den Wochen davor verdeutlicht: ein einziges Warmlaufen rund um die „Blocos“, die privaten Karnevalsgruppen, die in ihren Stadtvierteln ähnliche Paraden abhalten wie die großen Sambaschulen im Finale.

Und hier wie dort: die immer gleiche Samba in Endlosschleife. Ein einziger monogeschmacklicher Brei aus notdürftig gekühlten Getränken und Popo-Wackel-Rhythmen, der das öffentliche Leben und die meisten Cariocas in die Rand- und Co-Existenz mit Strömen hüftsteifer Touristen drängt. Die Damen haben also die Wahl: selber Zaungäste sein oder Attraktionen - weshalb natürlich jede schärfer aussehen will als die andere. In eiligen Flirts fischen sie Komplimente, ein massenhaftes Feder-Gefuchtel und Konkurrenz-Getue, absolute Frauensache - sieht man einmal von den vielen Transvestiten ab.

Kurzum: Mit rheinischer Gelassenheit haben sie nicht viel am Zuckerhut. Wie auch bei circa 30 Grad und logischerweise fast unbekleidet? Ein optisches Versprechen, dem nur Enttäuschung folgen kann. Oder glaubt jemand, eine Carioca würde auch bei minus zwei Grad nackt um den Kölner Dom tanzen? Eben. Dafür ist der Frust groß, wenn sie dir im Gewühl an die Hose fasst, und dann ist die Börse weg. Oder es steckte ein Kerl in dem knappen Fummel. Oder beides. Okay, das kann einem in Köln auch passieren. Aber zum Deppen gemacht, ist man unter Jecken wenigstens artgerecht aufgehoben.

Autor: Philip Wolff
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