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Die legendärsten Formel-1-Kurven

Die verflixten 8

Die verflixten 8: die legendärsten Formel-1-Kurven

Parabolica, Tamburello, Eau Rouge: Es gibt Kurven in der Formel 1, deren bloße Erwähnung bei Fahrern und Fans den Puls steigen lässt. Geliebt und gefürchtet: die legendärsten Adrenalin-Passagen des Rennzirkus

1. Eau Rouge – Die Himmlische (Spa-Francorchamps)

Sie fühlt sich an wie eine heftige Turbulenz auf einem Flug. Schwung holen aus der langen Bergabpassage, sich mit Vollgas in die Senke stürzen und dann das Steilstück hoch wie eine Achterbahn in voller Fahrt. Lenken passiert automatisch: einmal links, einmal rechts und schon durch. Aus dem Cockpit heraus ist von dem Spektakel nichts zu sehen – nur der Himmel, und der ist in den Ardennen meist grau. Wer hier mit Tempo 320 abfliegt, braucht großes Glück. 1985 verlor Stefan Bellof, der damals als größtes deutsches Rennsport-Talent galt, hier bei einem 1000-Kilometer-Rennen sein Leben. Acht Jahre später überlebte der Italiener Alex Zanardi hier einen spektakulären Crash mit einer Portion Glück, die fast an ein Wunder grenzt.

2. Turn 8 – Die Endlose (Istanbul)

Viele Fahrer und Fans behaupten, die Schöpfungen von Bernie Ecclestones Lieblingsbaumeister Hermann Tilke seien steril. Trotzig hat der Streckenarchitekt aus Aachen im Istanbul Park dagegengehalten. Turn 8 ist reifenmordende 640 Meter lang, ein nicht enden wollender Linkskreisel. Gleich drei Scheitelpunkte muss der Fahrer bei Tempo 270 wählen, dabei wirkt das Fünffache der Erdanziehungskraft auf ihn. Sebastian Vettel hat hier 2006 als 19-Jähriger sein Debüt als BMW-Freitagstestpilot gegeben und dachte sich anschließend: „Okay, das ist nur was für Männer. Hier werde ich nie zurechtkommen.“ Eine Kurve, die erwachsen macht.

3. Tamburello – Die Tödliche (Imola)

Tempo 310, und das mit links. Die Tamburello ist das, was man eine Mut-Kurve nennt. Mit starker Tendenz, den Übermut herauszufordern. Wenn es beim Großen Preis von San Marino richtig kracht, dann hier. Auch am 1. Mai 1994, als Ayrton Senna mit seinem Williams, in der siebten Runde in Führung liegend, durch den Linksknick jagt, er braucht unbedingt einen Sieg gegen seinen jungen Herausforderer Michael Schumacher. Plötzlich bricht die Lenksäule am Auto des Brasilianers, es zerschellt in den Leitplanken. Die Umstände werden nie wirklich geklärt. Auch nicht, ob Senna noch auf der Strecke gestorben ist. Für seinen Freund Gerhard Berger ist es „der Tag, an dem die Sonne in der Formel 1 vom Himmel fiel“. Bernie Ecclestone sagt: „Es ist, als wäre Jesus Christus im TV gekreuzigt worden.“ Die Kurve wird danach zu einer langsamen Schikane umgebaut.

4. S do Senna – Die Abfällige (Interlagos)

Drei große Gegner haben die Rennfahrer im Autodromo von São Paulo: den Asphalt, die Bodenwellen und das Wetter. Zusammen mit dem Senna-S wird deshalb praktisch jeder Große Preis von Brasilien zu einem Saison-Highlight. Es ist die Schlüsselstelle direkt nach dem Start. Wie ein Korkenzieher windet sich die Links-rechts-links-Kombination abwärts in Richtung Gegengerade, die Rennwagen nehmen Fahrt auf – bis zu 290 km/h. Vor allem in der ersten Runde wird es hier richtig eng, zu eng für alle Autos. Sebastian Vettel wird 2012 auf dem Weg zu seinem Titel-Hattrick von Bruno Senna gerammt. Der Red-Bull-Rennwagen schleudert um die eigene Achse und schlittert rückwärts den Hügel hinunter, das ganze Feld mogelt sich vorbei. Aber Platz sechs reicht am Ende zum WM-Sieg.

5. Parabolica – Die Epische (Monza)

Das Autodromo Nazionale ist der reine Ausnahmezustand, nirgends sind die modernen Formel-1-Autos schneller. Die Parabolica ist die majestätische unter den legendären Kurven im High-Speed-Tempel. Und windet sich mit 180 Grad dem Ziel entgegen, was das generelle Risikobewusstsein noch mal steigert. Sie erscheint wie eine Gerade, muss aber angebremst werden. Am Scheitelpunkt sind die Autos immer noch um die 200 km/h schnell. Ein Vergnügen für Spätbremser – und einer der Punkte, an dem sich Männer von Buben trennen. Vor und in der Kurve tobten die frühen Duelle zwischen Fangio, Ascari und Farina, hier verloren Graf Berghe von Trips 1961 und Jochen Rindt 1970 ihr Leben.

6. Turn One – Die Blinde (Austin)

Die Formel 1 kehrte vor zwei Jahren in die USA zurück – es musste richtig cool werden, damit das klappte. Gegen den Uhrzeigersinn fahren? Reicht da nicht. Aber die Topografie vor den Toren Austins garantiert ein Spektakel. Vom Start aus geht es bergauf, danach fällt der Asphalt steil ab. Eine Haarnadel mit 40 Meter Höhenunterschied. Vollgasgeben, Bremsen und Einlenken werden praktisch zu einem einzigen Manöver. „Das geht so schnell, das merkt man gar nicht“, sagt Sebastian Vettel. Überwindung kostet’s trotzdem. Denn die Kurve hinter der Kuppe sieht der Pilot nicht. Er muss blind einlenken.

7. SwimmingPool – Die Glückliche (Monte Carlo)

Alle Kurven in Monaco sind Ausnahmeerscheinungen, ob Casino, Loews oder Rascasse. Überall gilt: Mach den kleinsten Fehler, und der Preis ist hoch. Die Schikanen 13 und 14, die rund um das Schwimmbad führen, kennen keinen Zentimeter Auslaufzone. Die Fahrer werfen ihre Autos mit gut Tempo 200 durch die verkehrsberuhigte Zone, wenn die Balance stimmt, ergibt das Power und Poesie in einem. Aber es ist auch viel Glücksspiel dabei. Berühmt geworden ist die Passage direkt am Kai schon lange vor dem Bau des Pools, Alberto Ascari stürzte 1955 mit seinem Ferrari ins Hafenbecken, wurde aber von Matrosen des Reeders Onassis gerettet.

8. Wall of Champions – Die Spöttische (Montreal)

Die Aufschrift ist der pure Hohn: „Willkommen in Quebec“ steht auf der Betonmauer entlang der letzten Kurve des Circuit Gilles Villeneuve in Montreal. Eigentlich bloß ein leichter Schwenk nach rechts, Tempo 140, bevor es volle Pulle auf die Zielgerade geht. Aber die Ideallinie in der Schikane liegt nur wenige Zentimeter von der Barrikade entfernt. Damon Hill, Michael Schumacher, Jacques Villeneuve, Jenson Button, Sebastian Vettel – alle haben sie schon geküsst, diese Mauer. Deshalb dürfte es die einzige Streckenbegrenzung der Welt sein, die einen eigenen Namen hat – Wall of Champions. Die Kurve selbst hat bloß eine Nummer: die 13.

Video: Der Porsche Panamera im Test

Autor: Elmar Brümmer
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