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Mechanische Uhren

– Von springenden und schleichenden Sekunden

Mechanische Uhren: Wie erkennt man Qualität?

Was genau sind gute mechanischen Uhren? Und woran erkenne ich sie? Zum Beispiel am Sekundenzeiger. Bei der Seiko Spring Drive etwa schleicht er völlig ruckfrei übers Zifferblatt

Früher war alles einfach: Es gab mechanischen Uhren, also Automatikuhren und Handaufzuguhren. Und auf der anderen Seite gab es Quarzuhren mit Batterie. Die Altmodischen erkennt man am sanft dahin gleitenden Sekundenzeiger, bei den modernen „Stromern“ zuckt er. Dann kam zum Jahrtausendwechsel das Kinetic-System, eine Mischung aus beidem, aber mit einem Kondensator als Stromspeicher. Und wiederum mit einem springendem Zeiger. Die Verwirrung ist komplett.

Elektrisch betrieben – und dennoch eine mechanische Uhr

Zu den jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der mechanischen Uhren gehört das Spring Drive-System: eine mechanische Uhr mit Quarz, aber ohne elektrischen Strom. Klingt komisch, funktioniert aber. Die Spring Drive besteht zu 98 Prozent aus mechanischen Teilen. Mit Aufzugsrotor und Federwerk und diversen Zahnrädern.

Doch während bei einer klassischen Mechanikuhr am Ende eine hin und her schwingende Unruh die Federspannung in Sekundenbruchteile einteilt, übernimmt bei der Spring Drive ein so genanntes Gleitrad diese Arbeit. Statt zu schwingen, dreht es sich um sich selbst. Ein Quarz-Kristall sorgt dafür, dass es genau acht Umdrehungen pro Sekunde sind. Dennoch bleibt die Seiko durch und durch eine rein mechanische Uhr.

Chronoswiss: mechanische Uhren im Quarz-Tarnkleid

Auf der anderen Seite präsentieren Hersteller feinster mechanischer Uhren plötzlich Modelle, die sich als Quarzuhr tarnen. Das Modell „Sauterelle“ von Chronoswiss etwa ist eine Handaufzuguhr, die völlig ohne Batterie auskommt. Doch wer sie nur flüchtig betrachtet, könnte meinen, eine Quarzuhr in Händen zu halten.

Der Sekundenzeiger springt genau einmal pro Sekunde weiter. Was bei einer billigen Quarzuhr unumgänglich ist, musste Chronoswiss-Inhaber Gerd-Rüdiger Lang mühsam und mit jeder Menge feinmechanischem Know-how nachbilden. Auch die Dresdner Edelmanufaktur Lang & Heyne hat ein ähnliches Modell wie die Sauterelle im Angebot.

Viel Rotation, aber nur wenig Energieverbrauch

Bei der mechanischen Seiko Spring Drive sieht vor allem die Rotation des Gleitrads faszinierend aus. Und dennoch verbraucht das System kaum Energie. Selbst wenn alle sechs Milliarden Menschen auf der Erde eine Spring Drive am Arm hätten, könnte man mit der Energie ihrer Uhrwerke nur eine einzige 150-Watt-Glühbirne zum Leuchten bringen.

Auch der anscheinend sanft gleitende Zeiger macht viele kleine Schritte

Kurios: Ausgerechnet das alte Argument der Quarzuhr-Hasser ist jetzt passé. Denn bei einer batteriebetriebenen Quarzuhr mag der Sekundenzeiger springen und bei der Mechanikuhr sanft gleiten. Doch wer genau hinschaut, erkennt auch hier (zumeist acht) kleine Schrittbewegungen pro Sekunde. Grund: die schwingende Unruh. Bei der Spring Drive hingegen sorgt das rotierende Gleitrad für eine völlig gleichmäßige Bewegung des Sekundenzeigers. „Eben wie der Fluss der Zeit“, sagt Seiko-Chef Shinji Hattori im Gespräch mit dem Berater. 28 Jahre brauchten die Seiko-Ingenieure für diese bahnbrechende Innovation. Sie bauten 600 Prototypen. Das Ergebnis: die vielleicht wichtigste Neuerfindung auf dem Gebiet der mechanischen Uhren.

Video: Deine süssen Geheimnisse

Autor: Michael Görmann
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