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Was ist eine Blindverkostung?

Was hinter diesem Begriff steckt

Was ist eine Blindverkostung?

Wir halten uns fast alle für geschmackssicher: Unseren Lieblingswein, Lieblingsschokoriegel oder -milchshake glauben wir unter tausenden erkennen zu können. Doch was passiert mit unserem Urteilsvermögen, wenn wir uns alleine auf unseren Geschmackssinn verlassen können? Und warum liegen wir bei einer Blindverkostung mit unserer Einschätzung oft komplett daneben?

Augen zu und durch: So könnte man eine Blindverkostung beschreiben. Meist geht es um das Thema Wein. Dabei testen die Teilnehmer aus unkenntlich gemachten Flaschen, um ihre Geschmackserinnerung an Rebsorten, Weingüter oder sogar Jahrgänge zu testen. Große "Weinnasen" ziehen gewöhnlich mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein in die Schlacht, haben sie ihren Gaumen doch über Jahre geschult.

Fatale Irrtümer bei der Blindverkostung – sogar von Profis

Das Ergebnis: fast immer niederschmetternd. Ganz wenige Weinkenner haben die Unbeirrbarkeit eines Jürgen Fendt, jenes deutschen Ausnahme-Sommeliers, der etwa 2006 bei der Trophée Ruinart als einziger einen kanadischen Eiswein erkannte. Nicht selten küren Kritiker, Önologen und erfahrene Weintrinker den Discountfusel zum Jahrhunderttropfen – was die Weltöffentlichkeit aber meist nicht erfährt. Auch bei ganz banalen Getränken geht oft etwas schief: H-Milch wird dann für Frischmilch gehalten und Orangen- für Grapefruitsaft.

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Die Billigplörre wird bei der Blindverkostung zum Jahrhunderttropfen

Der US-Forscher Robert Hodgson schockte 2005 die Weinfachwelt mit seinen Versuchen: Bei einer Blindverkostung jubelte er angesehenen kalifornischen Weintestern den selben Wein gleich drei Mal unter. Erschreckend: Nur zehn Prozent der Profipichler erkannten den Tropfen wieder, manche erhoben gar eine Zwei-Dollar-Industrieplörre von "Trader's Joe" (das US-Gegenstück zu Aldi) zum besten kalifornischen Chardonnay. Ein anderer Forscher, der Franzose Gil Morrot, ließ 54 ausgewiesenen Bordeaux-Spezialisten einen Weißwein verkosten, den er rot gefärbt hatte. Nicht einer der Herren erkannte, dass sie geleimt wurden.

Selbstbetrug lässt uns bei der Blindverkostung scheitern

Wie aber können Menschen - und vor allem Fachleute – sich so irren? Ganz einfach: Weil der Mensch zum Selbstbetrug neigt und ein Geschmackserlebnis immer eine Komposition aus verschiedenen Sinnesreizen ist. Die Zigarette schmeckt dem Raucher im Dunkeln nicht so gut, wenn er den Rauch nicht sieht. Aus dem selben Grund schmeckt der Wein, den man aus dem wunderschönen Toskanaurlaub (wo man sich sehr wohl fühlte) mitgebracht hat, zu Hause auf der Terrasse dann leider nur enttäuschend: Ein Teil des Erlebnisses reicht nicht aus, ein Gefühl zu reproduzieren.

Teuer schmeckt gut – auch bei der Blindverkostung

Weitere wichtige Faktoren sind etwa Optik (ein schönes Weinetikett oder ein feines Glas) und der Preis: Wenn wir wissen, dass etwas teuer ist, schmeckt es uns gleich viel besser. Auch das Renommée legt in unserem Gehirn sofort einen Schalter um: Solbald wir erfahren, dass der Rote im Glas aus dem Hause Mouton-Rothschild stammt, tauchen geschmackliche Klischées vor unserem inneren Auge auf, in die das Erlebnis sofort passt wie angegossen. Gut haben es in solchen Fällen "ungebildete Banausen": Wer einfach das trinkt, was ihm schmeckt, geht auch bei einer Blindverkostung nicht in die Irre.

Autor: Klaus Mergel
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