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Das Rotwelsch

Woher kommt die Gaunersprache?

Rotwelsch: Woher kommt die Gaunersprache?

Kaum einer kennt wirklich die Gaunersprache Rotwelsch – aber jeder hat schon irgendwann einen Begriff daraus verwendet. Woher kommt diese Sprache und wie entstand sie? Der Berater hat recherchiert.

Der Begriff Rotwelsch tauchte das erste Mal im 13. Jahrhundert auf. Er setzt sich zusammen aus der Bedeutung für verfault, dreckig (englisch „rotten“) – möglicherweise auch, weil sich Ganoven nachts bei Einbrüchen das Gesicht mit roter Kreide tarnten - und dem Begriff „welsch“: Letzterer bezeichnete eigentlich romanische Sprachen – also fremdartig. Mag es uns heute im Internetzeitalter auch seltsam erscheinen, aber früher tarnten Ganoven ihre Unterredung mit ihrem eigenen Code. Rotwelsch ist im Grunde auch ein Sammelbegriff, in dem neben der klassischen Gaunersprache auch Sprachen von Sinti, Roma, der „Jenischen“ (eine weitere Gruppe umherziehender Händler und Kesselflicker) zusammengefasst werden. Und auch der alte Studentenjargon – aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert, als Studenten sich noch von Paris nach Heidelberg auf der Landstraße bewegten.

Das Jiddische war wichtig für das Rotwelsch

Im Rotwelsch finden sich viele Begriffe aus dem Französischen, dem Italienischen und auch aus slawischen Sprachen. Zu erklären ist dies, da die Rotwelsch-Sprecher selten sesshaft waren und viel Vokabular von ihren Reisen mitbrachten. Eine weitere wichtige Quelle für Rotwelsch ist das Jiddische: Nicht etwa, weil Juden Gauner waren. Sondern weil sie von „ehrbaren“ Berufen wie Handwerk und Landwirtschaft ausgeschlossen waren und ein großer Anteil von ihnen gezwungen war, in diesem sozialen Milieu zu leben. „Schlamassel“ etwa (Negierung von jidd. „massel“, also Glück) oder baldowern (von „baal“, jidd. für Mann und „dowor“, jidd. für Sache) sind typische Begriffe aus dem Rotwelsch, die wir in unsere heutige Umgangssprache übernommen haben. Nicht unwichtig waren auch die versprengten Landsknechte des Dreißigjährigen Kriegs, die den „Jargon der Landstraße“ in die Städte trugen.

Die Gerichtsbarkeit rettete das Rotwelsch

Normalerweise wäre das Rotwelsch – wie jede ausschließlich gesprochene Sprache – heute vergessen. Doch die Gerichte und die Polizei entwickelten schon im 14. Jahrhundert Interesse daran. Nicht etwa aus linguistischen Gründen, sondern um den Gaunern auf die Finger zu schauen und sie ihrer Taten zu überführen. So wurden richtige Wörterbücher über das Rotwelsch verfasst, etwa das „Augsburger Achtbuch“ (1342) oder die „Basler Betrügnisse“ (1540). Es gibt heute sogar eine Duden-Ausgabe von Rotwelsch.

Viele Worte im heutigen Deutsch stammen aus dem Rotwelsch

Da aber viele „Vaganten“ (Umherschweifende) irgendwann sesshaft wurden und sich unters Volk mischten, fand viel Rotwelsch-Vokabular Eingang in die deutsche Sprache. Interessanterweise besonders in Berlin, das seit der Zeit von Friedrich dem Großen vom Dorf zur Millionenstadt wurde. Die typische Berliner Schnauze ist stark geprägt davon: der „Jauner“ etwa, also der Gauner, ist ein typischer Ausdruck aus dem Rotwelsch. „Dufte“ für gut, die „Maloche“ (Arbeit), die „Pleite“ oder auch „Bock auf etwas haben“ : alles uralte Begriffe aus dem Rotwelsch. Auch typisch süddeutsche Worte wie „Stenz“ (ein Hallodri) oder „wo der Bartl den Most holt“ (wo es lang geht, von Jidd. „barsel“ (Brecheisen und „ma´oth“ (Geld) stammen aus der Gaunersprache Rotwelsch. Und so sprechen wir alle heute ein wenig Rotwelsch ...

Autor: Klaus Mergel
Körpersprache richtig deuten
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