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Die "gute alte Zeit" war gar nicht so gut

Warum haben wir nur das Gefühl, das früher alles besser war?

Warum haben wir nur das Gefühl, das früher alles besser war?

Nichts, wie es mal war. Alles ein bisschen schlimmer. Nicht nur Nostalgiker erinnern sich gern an die gute, alte Zeit. Doch so gut, wie wir denken, war sie gar nicht. Unser Gedächtnis schönt unsere Erinnerungen wie Photoshop unsere Urlaubsbilder. Warum? Das verraten wir Ihnen.

Früher war nicht alles gut und schon gar nicht alles besser. Dass wir dennoch oft das Gefühl haben, liegt an unserem Gedächtnis. Es malt uns die Welt, wie sie uns gefällt. Zwar erinnern wir uns (im Normalfall) nicht an Dinge, die nie passiert sind. Jene Dinge, die passiert sind, strahlen in unserer Erinnerung allerdings deutlich heller. Damit will uns das Gedächtnis nicht hinters Licht führen. Vielmehr will es uns glücklich machen, wie wir wissen.

Früher war alles besser - sagt zumindest unser Gedächtnis

Der perfekte Urlaub - es hat sicher mal geregnet. Die grandiose Schulzeit – mussten Sie nie Gedichte analysieren? Die erste große Liebe – ist nicht grundlos beendet worden. Wir neigen dazu, die rosarote Brille aufzusetzen, wenn wir in Erinnerung schwelgen. Unser Gedächtnis speichert bevorzugt angenehme Informationen: Das Gute und Schöne bleibt hängen, das Böse und Schlechte rutscht durch.

Das zeigt eine Studie der Universität Washington, die Probanden während des Urlaubs Tagebuch führen ließ. 61 Prozent gaben an, mit dem Aufenthalt unzufrieden zu sein. Nur eine Woche nach dem Urlaub meckerten bloß noch 11 Prozent der Reisenden. Der Rest hatte alles Schlechte verdrängt und war plötzlich total zufrieden.

Früher alles besser: Psychologischer Schutzmechanismus

Erinnern wir uns an Vergangenes, erinnern wir uns an Glück, Liebe und Zufriedenheit. Nostalgie vertreibt belastende Gefühle wie Einsamkeit und Trübsinn. Wir fühlen uns wohler, blicken optimistischer nach vorn. Nostalgie schützt vor Durchhängern und – sollte man schon in einem stecken – zieht sie einen wieder heraus. Das zeigen Untersuchungen von Tim Wildschut, Psychologieprofessor von der Universität Southampton.

Er stellte fest, dass in Erinnerungen schwelgende Probanden in ihren Erzählungen mehr positive Begriffe verwendeten. Zudem gaben sie an, sich selbstbewusster zu fühlen. Früher dachte man, Nostalgie wäre eine Krankheit. Heute weiß man: Sie ist Medizin. „Nostalgie ist eine weit verbreitete und elementare menschliche Erfahrung – mit wichtigen psychologischen Funktionen. So wie die Liebe stärkt sie soziale Bindungen; wie Stolz erhöht sie die Selbstachtung; und wie Freude erhöht sie das Wohlbefinden“, schreibt Wildschut.

Nostalgie fördert soziales Verhalten

Nostalgie scheint zudem die guten Seiten im Menschen hervorzukehren. Je besser es uns geht, desto eher sind wir bereit, anderen zu helfen. Das belegen Untersuchungen der Harvard Business School. Probanden, die sich zuvor an ihre Kindheit erinnert hatten, spendeten mehr für einen guten Zweck und übernahmen freiwillig zusätzliche Aufgaben.

Nostalgie vertreibt Langeweile

Die guten, alten Zeiten zu beschwören, birgt noch einen weiteren Vorteil. Wer in Erinnerung schwelgt, vertreibt Langeweile, schreiben Psychologen um Sedikides in der Fachzeitschrift Emotion: „Nostalgie wirkt dem Gefühl der Bedeutungslosigkeit entgegen, das Menschen empfinden, wenn sie Langeweile plagt.“

Nostalgie: Symptom und Medizin zugleich

Nostalgie ist aber nicht nur Medizin. Gleichzeitig ist sie auch Symptom. Psychologe Wildschut fand in einer Untersuchung heraus: Je schlechter wir uns fühlen, desto nostalgischer werden wir. Man verdrängt die belastende Gegenwart, erfreut sich der verklärten Vergangenheit. Die schlechte Laune verzieht sich – zumindest ein wenig.

Nostalgie nicht überschätzen

Denn überschätzen sollte man die nostalgische Wirkung nicht. Wer gerade an einer Trennung zerbricht, wird nicht plötzlich neue Frauen kennen lernen wollen, nur weil er an die gute, alte Zeit zurückdenkt. Im schlimmsten Fall können solche Erinnerungen die Stimmung weiter runterziehen. Wenn man sich vor Augen führt, wie gut es einem ging und wie schlecht es einem geht, dürfte die Freude über vergangenes Glück nicht lange anhalten. Denn das Glück scheint eben vergangen.

Die Gegenwart ist die gute, alte Zeit von morgen

Wir dürfen die Vergangenheit also gerne rosarot sehen – solange wir dadurch nicht die Gegenwart in Graustufen tauchen. Wir sollten uns einfach freuen, dass sie von Zeit zu Zeit immer besser wird. Denn in ein paar Jahren wird sie dazugehören – zu der guten, alten Zeit.

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Autor: Andreas Holzapfel
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